Hochtief ist größter Steuerschuldner in Griechenland

30. September 2014 / Aufrufe: 4.330

Die deutsche Hochtief ist derzeit der größte aktive Schuldner des Fiskus in Griechenland.

Der griechische Fiskus erhielt Recht in seinem Streit mit der deutschen Gesellschaft Hochtief, die 20 Jahre lang den internationalen Athener Flughafen „Eleftherios Venizelos“ bewirtschaftete und nun mit einem Urteil des Verwaltungs-Oberlandgerichts Athen aufgefordert ist, 600 Millionen Euro für Mehrwertsteuer zu entrichten, die sie nicht an die staatlichen Kassen abführte.

Mit dem Beschluss des Berufungsgerichts wird der deutsche Koloss zum nunmehr größten aktiven Großschuldner in Griechenland, da unter Berücksichtigung auch der übrigen Schulden der Gesellschaft an Versicherungsträger, Organismen der lokalen Selbstverwaltung usw. sogar 1 Milliarde Euro tangieren können.

Fiskus ergriff bisher keinerlei Zwangsmaßnahmen gegen Hochtief

Das Urteil wurde am vergangenen Montag verkündet und gilt als unmittelbar vollstreckbar, während das zuständige Finanzamt (DOY) aufgerufen ist, sobald es das Urteil erhält, zu Lasten der „Athens International Airport SA“ einen Betrag zur Beitreibung festzustellen, der für die Mehrwertsteuer und die Strafzuschläge, welche die Gesellschaft schuldete, sich jedoch zu entrichten weigerte, Schätzungen zufolge 500 Millionen Euro erreichen oder übersteigen wird.

Das Finanzamt hat die (letzten) Geschäftsjahre bis 2013 noch nicht berechnet und die Beitreibung kann mittels einer Regulierung aus den zukünftigen Gewinnen des Flughafens erfolgen. Bisher hat der griechische Fiskus keine Beitreibungs- und Pfändungsmaßnahmen ausgeübt, noch ist er mit der Gesellschaft zu einer Vereinbarung über die (gegenseitige) Verrechnung von Verbindlichkeiten eingegangen.

Es sei angemerkt, dass sich nun allerdings die Frage stellt, wer und wann letztendlich die in Rede stehenden Schulden bezahlen wird. Die Sache kompliziert sich nämlich durch die Tatsache, dass vor eineinhalb Jahren die Chefs der deutschen Gesellschaft in Essen dafür sorgten, einen „Abflug“ aus Griechenland zu machen, indem sie den von ihnen gehaltenen Anteil an dem internationalen Flughafen Athen an einen kanadischen Funds verkauften.

(Quelle: To Pontiki)

  1. GR-Block
    30. September 2014, 14:03 | #1

    Ein guter Anfang. Noch ein paar solcher juristischer Schläge und M wird zur schlimmsten Feindin ihres Doppelnull-Agenten Antonis Samaras. Bei seinem letzten Besuch in Berlin hatte er prompt die erhoffte technische Unterstützung von Q nicht erhalten dürfen. Während sich sein Nachfolger Alexis Tsipras bei höherer Stelle schon den Segen des ökumenischen Patriarchen und des Papstes eingeholt hat, und das als Atheist. Dass er in den USA nicht gut ankommt ist eher hilfreich. Sein Publikum erwartet, dass er demnächst die Aufforderung aus Brüssel erhält, für seine erste Ausstattung Wolfgang Q Schäuble zu besuchen.

  2. Ronald
    30. September 2014, 14:50 | #2

    Das Mäuschen berichtete vor einiger Zeit, dass die Steuerdiskussion um den Flughafen Athen nur ein Trick sei (der Staat verklagt sich selbst) um dem Flughafen für chinesische Investoren billig zu rechnen. Siehe: https://www.griechenland-blog.gr/2013/05/was-sehen-chinesen-in-griechenland/13192/

    Hochtief hat (auch wenn der Sprachgebrauch etwas anderes sagt) den Flughafen Athen nicht allein betrieben. Die Athens International Airport SA (AIA) wurde 1996 gegründet und betreibt den Flughafen (siehe Eigendarstellung auf der HP des Flughafens). An ihr war der Griechische Staat mit 55 % beteiligt, Hochtief (zunächst) mit knapp 40 % , Rest sonstige private Investoren. Steuerschuldner kann eigentlich nur die AIA (also zu 55 % der griechische Staat selbst) sein. Damit ist er (der griechische Staat) der größte in Griechenland noch operierende Steuerschuldner.
    Rückwirkend zum 01.01.2013 wurden die gesamte Hochtief-Fluhafenbetreibersparte (also auch die Anteile von Hochtief an der AIA) an einen kanadischen Pensionsfonds verkauft. Wenn Steuerschulden aus den Jahren vor 2013 bestehen, sollte die AIA Rücklagen gebildet haben, die bilanztechnisch auch ausgewiesen und damit Gegenstand des Verkaufes gewesen sein müssen. Alles nach dem 01.01.2013 juckt Hochtief nicht.

  3. V 99%
    1. Oktober 2014, 21:28 | #3

    Zuerst sei dazu gesagt, dass Hochtief nicht nur Anteile vom Athener Flughafen besass sondern auch noch von fuenf weiteren Flughaefen, in Duesseldorf, Hamburg, Budapest, Tirana und Sydney. Ohne diese Angabe, wird ein ganz anderes Gesamtbild gezeichnet. Natuerlich hatte man sich durch den Verkauf nette Gewinne erhofft, die aber durch die Krise zunichte gemacht wurden. Wenn der griechische Staat schlau gewesen waere, haette er sich die Betreiberlizenz und die Anteile der Hochtief gesichert, und wenn es nur der Schuldeneintreibung gedient haette. Der jaehrliche Verdienst der Hochtief, nur am Athener Flughafen, wird auf 120 Millionen Euro geschaetzt. So geht man in Athen, wahrscheinlich leer aus, waehrend die Gewinne in einen kanadischen Pensionsfond fliessen.

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