Griechenland: 40 Prozent Steuern auf Unterhaltszahlungen

9. September 2014 / Aufrufe: 1.752

Unterhaltszahlungen an Kinder und geschiedene Ehepartner im Jahr 2013 werden in Griechenland mit bis zu über 40 Prozent besteuert!

Tausende geschiedene arbeitslose Frauen in Griechenland sind in diesem Jahr einzig und allein vernichtende Einkommensteuerbeträge zu zahlen aufgefordert, weil sie 2013 von ihren ehemaligen Ehemännern Unterhaltszahlungen (für sich oder / und ihre Kinder) erhielten, die auf Jahresbasis 5.000 Euro überstiegen!

Wie in einem von money-money.gr veröffentlichten Artikel berichtet wird, geht das Generalsekretariat für öffentliche Einnahmen bei der Abrechnung der Steuererklärungen davon aus, dass die erhaltenen Unterhaltszahlungen Einkommen aus „freiberuflichen Tätigkeiten“ (!) sind, und besteuert sie ab dem ersten Euro mit 26% sowie einer zusätzlichen Steuervorauszahlung von 55%, was zur Folge hat, dass die Höhe der in allen diesen Fällen erhobenen Steuer 40,3% des Gesamtbetrags des während des Jahres 2013 erhaltenen Unterhalts erreicht!

Steuerliche Belastung von insgesamt 40,3%

Ein charakteristisches Beispiel für die Paranoia, die inzwischen in Griechenland das Steuersystem beherrscht, ist der Fall einer geschiedenen arbeitslosen Frau, die während des Jahres 2013 von ihrem ehemaligen Ehemann jeden Monat einen Unterhaltsbetrag von 600 Euro erhielt. Der Gesamtbetrag, den die konkrete Frau im Jahr 2013 erhielt, belief sich auf 7.200 Euro, und wie geschuldet deklarierte sie ihn in Feld 505 der Tabelle 4D auf der 2. Seite der Steuererklärung, die sie elektronisch mittels des TAXISnet-Systems einreichte.

Bei der Abrechnung ihrer Steuererklärung betrachtete das Generalsekretariat für öffentliche Einnahmen (GGDE) den 7.200 Euro betragenden Betrag des Untererhalts als „Einkommen aus einer freiberuflichen Tätigkeit„, besteuerte ihn ab dem ersten Euro mit 26% und belastete sie mit einer Einkommens-Hauptsteuer von 7.200 Euro x 26% = 1.872 Euro. Auf diesen Betrag erhob dann die GGDE auch noch eine „Steuervorauszahlung von 55% für das kommende Jahr„! Und dies, weil gemäß der geltenden Gesetzgebung (sprich Einkommensteuerordnung) auf Einkommen aus freiberuflichen Tätigkeiten außer der primären Einkommensteuer auch eine Steuervorauszahlung für das kommende Jahr mit einem Satz von 55% auf die Hauptsteuer erhoben wird.

Weil in dem in Rede stehenden Beispiel der Unterhalt von 7.200 Euro als „Einkommen aus einem freien Beruf“ betrachtet wurde, wurde er daher auch mit einem zusätzlichen Aufschlag von 55% auf die Hauptsteuer von 1.872 Euro belastet – mit der Folge, dass die gesamte Steuerbelastung der konkreten Steuerpflichtigen auf den absurden Betrag von 1.872 Euro x 1,55 = 2.901,60 Euro hochschießt. Die konkrete arbeitslose Frau ist also in diesem Jahr aufgefordert, eine Steuer zu zahlen, die 40,3% des Unterhalts entspricht, den sie im Jahr 2013 erhielt [(2.901,60 ευρώ / 7.200 ευρώ) Χ 100 = 40,3%].

Unterhaltszahlungen von jährlich bis zu 5.000 Euro gelten als „Lohn“

Es ist anzumerken, dass die paranoide Besteuerung des Unterhalts als Einkommen aus einem „freien Beruf“ nur gilt, sofern dessen Gesamtbetrag auf Jahresbasis 5.000 Euro übersteigt. Liegt der erhaltene Unterhalt unter 5.000 Euro jährlich, wird er dann steuerlich nicht als „Einkommen aus freiberuflicher Tätigkeit„, sondern als „Einkommen aus Lohnarbeit“ behandelt, und zwar angesichts der Tatsache, dass in der Einkommensteuerordnung vorgesehen ist, dass in dem Fall, in dem im Jahr 2013 das reale Einkommen der Steuerpflichtigen 5.000 Euro oder ihr fiktiv festgestelltes Einkommen 9.000 Euro nicht überstieg und sofern sie kein persönliches Unternehmen und keinen freien Beruf ausüben und kein Einkommen aus Immobilien erzielen, ihre Einkommen gemäß der Steuerskala für Arbeitnehmer – Rentner besteuert werden, bei der ein Steuerfreibetrag von 9.550 Euro gilt.

Jede Frau, die 2013 Unterhaltszahlungen (für sich oder / und ihre Kinder) in Höhe von insgesamt bis zu 5.000 Euro erhielt, entgeht der Erhebung einer Einkommensteuer, weil bei der Besteuerungsskala für Einkommen aus Lohnarbeit ein Steuerfreibetrag von 9.550 Euro gilt (der allerdings von der Beibringung einschlägiger Belege über diverse „Konsumausgaben“ abhängig gemacht ist).

(Quelle: forologikanea.gr)

  1. BravoZulu
    9. September 2014, 11:01 | #1

    Man sollte die Bediensteten des Generalsekretariats für öffentliche Einnahmen (GGDE) wieder in die Schule schicken und mit dem kleinen eimaleins beginnen.

  2. Kleoni
    9. September 2014, 18:41 | #2

    da holt sich der Fiskus 2x Geld, erst über die Lohn/Einkommenssteuer des zu Unterhalt verpflichteten Ehpartners (meistens der Mann) dann ein 2. Mal als Einkommen des Unterhaltempfängers (meistens Ehefrau mit Kindern ohne Arbeit) so ein Schwachsinn. Und den Grossverdiener und Steuerhinterzieher lässt man dafür alle Freiheiten.

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