Warum investiert BlackRock im Pleite-Griechenland?

7. August 2014 / Aktualisiert: 10. Oktober 2018 / Aufrufe: 1.758

Obwohl die BlackRock Griechenland als Pleite-Kandidat No 1 charakterisiert, treibt sie in Athen ein Millionen-Projekt voran und will sich obendrein vor Steuern drücken.

Trotz der Tatsache, dass die BlackRock jüngst in einem hauseigenen Bericht warnte, Griechenland drohe wegen der politischen Instabilität der Bankrott, übt ihre Tochtergesellschaft Artume SA Druck zwecks Beschleunigung der Verfahren zur Errichtung eines 5,5 ha großen Einkaufszentrums in dem Athener Bezirk „Akadimia Platonos“ (Plato-Academy) aus, und zwar obendrein, ohne die ihr entsprechenden Steuern zu entrichten.

Es handelt sich augenscheinlich um einen klassischen Fall wirtschaftlicher Killer: zur selben Stunde, wo sie ein Land bankrott machen, reißen sie fast umsonst und mittels Gefälligkeitsakten an sich, was verblieben ist.

Fotographische Änderung des Flächennutzungsplans

Spezieller verfolgt die Artume SA die „Sanierung“ der ehemaligen Textilfabrik Mouzaki an der Einmündung der Straßen Lenorman und Kifisiou, um sie in ein Einkaufszentrum mit dem Namen „Academy Gardens“ umzuwandeln. Laut der „Zeitung der Redakteure“ hat die Artume SA sich verpflichtet, im Rahmen der in Rede stehenden „Sanierung“ zwei Schulen streichen zu lassen, eine Einfriedung abzureißen und eine Straße zu dem Einkaufszentrum anzulegen sowie einen Kinderspielplatz zu renovieren.

Trotz seines gegensätzlichen Gutachtens wies der Oberste Verwaltungsgerichtshof (StE) die Beschwerde ab, die das Komitee der Anwohner des Bezirks „Akadimia Platonos“ gegen die Realisierung des konkreten Plans eingereicht hatte. Der StE wies die Klage zurück und befand, das Projekt liege außerhalb des Einzugsbereichs der archäologischen Stätte, während aus dem Urteil auch hervorgeht, dass das Projekt auf zentralen Verkehrsachsen realisiert wird, welcher Umstand zum Schutz vor „Lärmbelästigung“ in dem weiteren Gebiet beitragen werde.

Im Februar 2014 war natürlich eine Änderung des Flächennutzungsplans in dem Gebiet von einem Gewerbepark in eine zu sanierende Industriepark-Zone auf Beschluss des Umweltministers Giannis Maniatis erfolgt, der im Regierungsanzeiger publiziert wurde. Vorher hatte die Gesellschaft ein persönliches Schreiben an Premierminister Antonis Samaras geschickt und begünstigende Regelungen wie die Änderung des Flächennutzungsplans gefordert. Entsprechend wird mit einem im Januar 2014 unterzeichneten Präsidialdekret photographisch ein Planquadrat auf dem von der Artume SA gekauften Grundstück von den Baubeschränkungen ausgenommen, die wegen der Nachbarschaft zu der archäologischen Stätte bestanden.

Trotz der Tatsache, dass der StE die Beschwerde des Komitees der Anwohner abwies und somit die Senkung des mit dem Präsidialdekret bestimmten Bebauungsfaktors genehmigte, merkte das Gericht jedoch an, dass aus dem ergänzenden Präsidialdekret „die Anträge der zuständigen Dienststellen – Direktion für Stadtplanung des YPEKA, Amt für neuzeitliche Monumente und Amt für klassische Altertümer – berücksichtigt werden müssen, die einen Bebauungsfaktor von 2,1 und eine Höhe von 15 m Vorschlagen„. Schließlich ordnet es (wie bereits auch in dem vorstehend erwähnten Gutachten 140/2014) an, „bis zur Vollendung dieses Verfahrens wiederum ist jegliche Bebauung auf den obigen Immobilien und die Erteilung einschlägiger Baugenehmigungen untersagt„.

Das Umweltministerium ist jedoch bestrebt, diese Verfahren zu beschleunigen, damit sie – laut der Zeitung „Kathimerini“ – Anfang August abgeschlossen worden sind, da – wie „Capital“ unter Berufung auf Quellen des Ministeriums berichtet – die Arbeiten im Herbst 2014 beginnen werden. Es ist jedenfalls anzumerken wert, dass die Artume SA für das Jahr 2009 nicht die Immobilien-Sondersteuer gezahlt hat – welcher Betrag sich auf 5,4 Millionen Euro beläuft. Sie verlangte sogar von dem Finanzministerium ihre Befreiung von der Zahlung der Steuer.

(Quellen: tvxs.gr, Büchse der Pandora)

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  1. Roland Wolf
    7. August 2014, 12:26 | #1

    Ob der Griechische Staat Bankrott anmeldet ist bei einer Investition in eine private Immobilie ziemlich unerheblich. Das „wirtschaftliche Umfeld“ könnte schöner sein, aber ihr Geld würden die Investoren auch in diesem Falle finden. Ist auch eine Frage der Verträge (schon verkauft, in welcher Währung gilt der Kaufpreis, etc)

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