Traum vom Auto made in Greece verblasst

13. August 2014 / Aktualisiert: 14. Mai 2017 / Aufrufe: 1.399

Die Neuauflage des legendären Nutzfahrzeugs Pony der NAMCO in Griechenland scheitert bisher an der Bürokratie.

DDie Neuauflage des Pony, des legendären Autos „made in Greece“ der Jahrzehnte 1970 und 1980, würde ein signifikantes Zeichen darstellen, dass die griechische Industrie ein neues Kapitel beginnen könnte. Der Traum von der Rückkehr der „neuen Generation“ des Pony auf die griechischen Straßen verblasst jedoch bzw. ist – im besten Fall – nicht damit zu rechnen, dass er noch in diesem Jahr Realität wird.

Der Leiter des griechischen Fahrzeugherstellers NAMCO, Rodolfos Kontogouris, plante den Pony „No II“ mit 1.497 Kubikzentimetern bereits im vergangenen Frühjahr 2014 zum Preis von ungefähr 7.000 Euro auf den Markt zu bringen. Laut Informationen der „Capital“ befinden sich jedoch die erforderlichen bürokratischen Formalitäten für die Neuauflage des Pony nach wie vor im Anfangsstadium.

Bürokratischer Hürdenlauf unbekannter Dauer

Konkret ist mittels des EBETAM bzw. MIRTEC – also des technologischen Zentrums für Laborkontrollen und Zertifizierung von Industrie- und Konsumprodukten – für Rechnung der NAMCO das Verfahren zur Genehmigung der Zulassung des von der nordgriechischen Firma gebauten Fahrzeugtyps in Griechenland in Bewegung gesetzt worden. Die Typgenehmigung, die eine Voraussetzung für den Verkehr eines Fahrzeugs in einem Land darstellt, trifft auf eine erhebliche Verzögerung. Der Grund? Das EBETAM verfügt über eine Zertifizierung für Anhängerfahrzeuge und befindet sich derzeit in dem Stadium des Erhalts der Zertifizierung für gewerbliche Fahrzeuge, also der Kategorie „N“, wie sie in der technischen Terminologie genannt werden.

Damit jedoch das EBETAM die Möglichkeit zur Zertifizierung von Fahrzeugen des Typs N erhält, muss der Vorstand des Nationalen Zertifizierungssystems einberufen werden. Kurz gesagt, der sogenannte „Jeep der Armen“ wartet auf das EBETAM, das wiederum auf die Einberufung des nationalen Zertifizierungsträgers wartet, damit es die Möglichkeit erwirbt, gewerblichen Fahrzeugen – wie dem Pony – eine Zertifizierung zu erteilen. Und sofern der in Rede stehende Zyklus funktionieren wird, wird das EBETAM bei dem Ministerium für Infrastrukturen, Verkehrswesen und Netze die Akte für den Erhalt der begehrten Typgenehmigung einreichen, die das erneute Erscheinen des Pony auf den griechischen Straßen gestatten wird. Gibt es einen Zeitplan? „Es ist schwer einzuschätzen, wie viel zeit für diesen ganzen bürokratischen Reigen erforderlich sein wird„, berichten Quellen, die das Verfahren verfolgen. Das Ziel, das Fahrzeug noch in diesem Jahr in den Handel zu bringen, ist jedenfalls inzwischen utopisch.

Die Leute der – wegen der Sommerpause bis zum 19 August geschlossenen – NAMCO erklären sich jedenfalls bereit, den Pony, für den laut ihnen eine große Nachfrage besteht, auf den Markt zu bringen. Ziel ist, täglich 24 Fahrzeuge in drei Modellversionen zu produzieren, während die Kaufabsichten sich auf 128 Fahrzeuge täglich bezieht. Laut Herrn Kontogouris ist der Pony hinsichtlich der Kraft und Belastbarkeit mit einem Panzer zu vergleichen. Chassis und Karosserie der Fahrzeuge werden in der Fabrik in Thessaloniki hergestellt und Motor und Getriebe importiert werden.

Es sei angemerkt, dass die Firma auch im Verkauf auf der griechischen Technologie Dynatec basierender „schlüsselfertiger“ kleiner Produktionsanlagen für den Pony aktiv ist, nach denen laut der NAMCO aus fast allen großen Schwellenländern Afrikas und Asiens eine hohe Nachfrage besteht.

Verkehrsministerium: Wir haben keinen Antrag für einen Pony erhalten

Das Ministerium für Infrastrukturen, Verkehrswesen und Netze dementiert, für die Verschleppung der Freigabe des Fahrzeugs PONY in Griechenland verantwortlich zu sein. Anlässlich einer am 12 August 2014 in einer Fernsehsendung erfolgten Bezugnahme des Herrn Kontogouris auf bürokratische Formalitäten, welche die Freigabe des konkreten Fahrzeugs behindern, oder Interessen, welche die Entwicklung des griechischen Fahrzeugs nicht wollen, wird in einer einschlägigen Bekanntmachung angeführt, dass der konkrete Unternehmer sich weder an das Ministerium gewendet hat noch ein Antrag von ihm anhängig ist.

In der Bekanntmachung lautet es, die Erteilung nationaler Kleinseriengenehmigungen erfolge nach dem Verfahren der Gemeinschaftsverordnung 2007/46, sofern die Fahrzeuge von Trägern geprüft werden, die als Technische Ämter (TY) bestimmt wurden und sofern diese von dem Nationalen Zertifizierungssystem (ESYD) zertifiziert worden sind, und wird betont:

Die Zertifizierung bestätigt, dass der zertifizierte Träger die vorgesehenen internationalen Normen erfüllt und fähig ist, die erforderlichen einschlägigen Prüfungen auszuführen oder zu beaufsichtigen. Als solche Gesellschaften sind in Griechenland auf Beschluss des Ministeriums nach Einreichung der einschlägigen Unterlagen am 14-03-2012 die Dekra Automotive Services Srl und die Austria Automotive GmbH bestimmt worden.

Die Aktiengesellschaft für Industrieforschung, technologische Entwicklung Laborkontrollen, Zertifizierung und Qualitätskontrollen mit der Firmierung EBETAM (bzw. MIRTEC) wird unter der Aufsicht des Generalsekretariats für Industrie des Entwicklungsministeriums betrieben. Die EBETAM verfügte nicht über eine einschlägige Zertifizierung, das Ministerium setzte sie jedoch am 20-06-2013 für einen Zeitraum von sechs Monaten als TY nur für Anhängerfahrzeuge – Aufliegerfahrzeuge (deren Prüfungen weniger und einfacher sind) und unter der Bedingung ein, dass die Firma innerhalb dieses Zeitraums die entsprechende Zertifizierung beibringen wird. Diese privilegierte Regelung erfolgte unter Berücksichtigung der Bedürfnisse des Marktes, weil zur Zeit der Bestimmung der Firma als TY nur eine TY aktiv war, während es griechische Anhängerhersteller gab, die eine Genehmigung wollten, und die Forderungen nicht befriedigt werden konnten.

Dieser Zeitraum wurde um zwei weitere Monate verlängert und lief Anfang Mai aus, und im weiteren Verlauf wurden noch zwei Monate bis September 2014 gewährt. Die Gesellschaft legte natürlich ein Schreiben des ESYD vor, das bezeugt, dass der konkrete Träger – zu dem anzumerken ist, dass er von dem Ministerium für Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit kontrolliert wird – keine Sitzung anberaumt hat, damit ihr Antrag genehmigt wird. Auf der anderen Seite monierte der Griechische Verband der Zertifizierten Träger für Kontrolle und Zertifizierung die (vorläufige) Einsetzung der EBETAM al TY als privilegierte Behandlung.

Die von der Verordnung 2007/46 geforderten Tests sind für die Sicherheit der genehmigten Fahrzeuge kritisch, wobei zu berücksichtigen ist, dass die Prüfung der Personenfahrzeuge anspruchsvoller ist als jene der Anhänger. In Erinnerung rufend, dass bereits zwei Träger tätig sind, welche die einschlägigen Anforderungen der obigen Verordnung erfüllen und die Forderungen des Marktes zu befriedigen vermögen, und andererseits unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Gleichbehandlung kann das Ministerium nicht ausnahmsweise die EBETAM als TY einsetzen, ohne dass diese von dem ESYD zertifiziert worden ist. Deswegen und bis zur Zertifizierung der EBETAM als TY könnte Herr Kontogouris sich an andere zertifizierte Träger wenden, damit es keine Verzögerung bei der Erteilung der nationalen Kleinserien-Typgenehmigung gibt.

(Quelle: capital.gr, Autor: Dimitris Delevegkos, news247.gr)

Relevanter Beitrag:

  1. mia
    13. August 2014, 15:33 | #1

    es würde an ein Wunder grenzen, wenn es anders, d.h. reibungslos und ohne gegenseitige Schuldzuweisungen laufen würde.

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