Privilegierte Behandlung inhaftierter Neonazis in Griechenland

29. August 2014 / Aktualisiert: 10. Oktober 2018 / Aufrufe: 644

Insassinnen der Strafvollzugsanstalt Korydallos in Griechenland monieren Privilegien und rassistisches Verhalten inhaftierter Funktionäre der neonazistischen Chrysi Avgi.

Die Insassinnen des (zwei Etagen umfassenden) Frauentrakts der Strafvollzugsanstalt Korydallos in Athen, die gegen ihre angeordnete Verlegung in die zweite Etage des Flügels protestieren, beschweren sich über die privilegierte Behandlung der in Untersuchungshaft einsitzenden Abgeordneten der rechtsradikalen „Goldenen Morgenröte“ (Chrysi Avgi).

In einer schriftlichen Beschwerde führt das „Kampfgremium der Frauengefängnisse“ an, „der Flügel, in dem die Mitglieder der Chrysi Avgi einsitzen, war ursprünglich für die weiblichen Häftlinge vorgesehen, nun wollen sie uns jedoch wie Mäuse in der einen Etage zusammenpferchen, damit die Funktionäre der Chrysi Avgi nicht ihre Privilegien verlieren. Sie wollen also in zwei Etagen gleicher Kapazität auf der einen einhundert weibliche Häftlinge aufeinander stapeln, während auf der anderen Etage die sechs inhaftierten Abgeordneten der Chrysi verbleiben.

Wir werden die Provokationen nicht unbeantwortet lassen …

In der Beschwerde lautet es weiter, „der Vorhof wird in den Händen der Mitglieder der Chrysi Avgi verbleiben, während wir uns zum Hofgang auf den alten Vorhof begeben und dazu die Küche und andere Gemeinschaftsräume durchqueren müssen. In dem selben Moment, wo sie uns in dem oberen Stockwerk zusammenpferchen wollen, zeigt das Ministerium ein provokantes Desinteresse für unsere behinderten Mitinsassinnen, die Mobilitätsprobleme haben und nicht in Lage sein werden, die Treppen auf und ab zu steigen um in das Gefängniskrankenhaus zu gelangen, damit ihnen die benötigte medizinische Versorgung zuteilwird.

Die Insassinnen des Frauentrakts führen ebenfalls an, die Mitglieder der Chrysi Avgi fordern, dass ihnen das Essen nur von griechischen Insassinnen und nicht von Ausländerinnen serviert wird, und sprechen auch von einem „rassistischen und vulgären Verhalten“ von Seite der inhaftierten Mitglieder der Chrysi Avgi zu Lasten der weiblichen Häftlinge. Letztere warnen, „nicht passive Zuschauer bei dem Unrecht zu bleiben und auch die Provokationen von Seite des Ministeriums und der Mitglieder der Chrysi Avgi nicht unbeantwortet zu lassen.

Sie fordern sogar den Justizminister Charalampos Athanasiou und den Generalsekretär des Ministeriums, Marinos Skandamis, auf, die Gefängnisanlage zu besuchen, damit sie das Problem aus der Nähe in Augenschein zu nehmen, und verlangen, dass der Beschluss über die Verlegung (aller Frauen in die zweite Etage des Flügels) annulliert wird. Die Frauen monieren unter anderem, die Sanitäranlagen seien unzureichend und äußerst mangelhaft und es gebe nicht einmal Becken auf den Toiletten, und sie führen auch an, der Vorschlag, die Fenster zu verhängen, damit es keinen optischen Kontakt zu den inhaftierten Mitgliedern der Chrysi Avgi und keine verbalen Angriffe gebe, ihnen sogar auch noch das Tageslicht nehmen werde.

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass die in Korydallos in Untersuchungshaft einsitzenden Funktionäre der Chrysi Avgi von Anfang an schon allein insofern eine „Sonderbehandlung“ genossen, als sie nicht etwa in einem der übrigen Flügel der Gefängnisanlagen Korydallos, sondern in dem Frauentrakt untergebracht wurden. Dort sollen sie nun zu sechst exklusiv eine ganze Etage für sich allein haben, die 100 Insassinnen entspricht und das Problem der Überbelegung lösen könnte, da erwartet wird, dass sich nach dem Ende der Sommerpause der Gerichte im September die Anzahl der Insassinnen des Frauentrakts wegen der Gerichtstransporte verdoppeln wird.

(Quelle: Büchse der Pandora, Medienberichte)

  1. Realist
    31. August 2014, 20:56 | #1

    Jaja, man weiß ja nie, ob die Herren eines Tages nicht doch an die Macht kommen …

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