Warum die reichen Ausländer nicht nach Griechenland kommen

12. Juli 2014 / Aufrufe: 1.974

In Ermangelung geeigneter Objekte stößt in Griechenland das sogenannte Goldene Visum bei potentiellen ausländischen Immobilienkäufern nur auf geringes Interesse.

In Griechenland wird über die Dame aus China gejubelt, die ein Domizil in Anthousa kaufte. In Portugal fürchtet man derweilen, die massenhaften Käufe durch Ausländer mittels des Programm „Goldenes Visum“, das eine fünfjährige Aufenthaltserlaubnis gewährt, könne die Preise aufblähen. Die Regierung Portugals sieht sogar voraus, dass bis Ende des Jahres 2014 die Transaktionen mittels des konkreten Programms für ausländische Staatsangehörige, die Immobilien im Land kaufen, 1 Milliarde Euro erreichen werden.

In Griechenland stellt man eine fünfjährige Aufenthaltserlaubnis sogar schon mit dem Kauf einer Immobilie für wenigstens 250.000 Euro sicher, wogegen das portugiesische Programm „galoppiert“, obwohl dort die Untergrenze doppelt so hoch, nämlich bei 500.000 Euro liegt.

Chinesen sind mit dem griechischen Programm unzufrieden

Das Entwicklungsministerium in Athen hat seit Monaten aufgehört, Daten über das vielbeworbene griechische Programm „Goldenes Visum“ bekannt zu geben, mit dem Staatsangehörigen dritter Länder, die in Griechenland in den Kauf einer Immobilie investieren, eine fünfjährige Aufenthaltserlaubnis geboten wird. Die Portugiesen erklären dagegen, das diesjährige Jahr werde für den Wohnungsmarkt das beste seit 2008 sein. Während man in Griechenland darauf wartet, dass die Chinesen eine Vierzimmerwohnung in Mesogia kaufen, mehren sich in Lissabon die Stimmen bezüglich der Gefahr einer Blase bei den Wohnungen wegen der ausländischen Investoren.

In Griechenland sind Daten über dutzende Interessenten in Umlauf, von denen etliche bereits Besitzer griechischer Immobilien sind und die nachträglich von dem Angebot einer fünfjährigen Aufenthaltserlaubnis für sich selbst und die Mitglieder ihrer Familie profitieren möchten. Laut Erklärungen des Leiters der lokalen Geschäftsstelle der Immobilienberater-Gesellschaft Colliers International im Wall Street Journal sind dagegen in Spanien seit Oktober 2012 bis heute 1.100 „Goldene Visen“ ausgegeben worden, die auf dem inländischen Immobilienmarkt zu Investitionen von 650 Mio. Euro führten.

Bei dem jüngst erfolgten Staatsbesuch des chinesischen Premierministers Li Keqiang in Griechenland wiederholten die Chinesen, das griechische Programm zum Kauf von Immobilien sei problematisch. Die chinesische Seite ist nicht mit der Forderung einverstanden, dass zuerst der gesamte Betrag zu zahlen ist, damit danach das Visum ausgestellt wird. Ebenfalls bringt sie Einwände bezüglich der Verfahren der griechischen Banken bei der Eröffnung von Bankkonten durch Ausländer zum Ausdruck (das selbe haben im übrigen neulich die Chinesen auch der spanischen Regierung mitgeteilt).

Abgesehen von den bekannten griechischen „Ankylosen“ betonen Faktoren des Immobilienmarkts, etliche Ausländer ziehen vor, Immobilien in Ländern zu kaufen, die ihnen und ihren Kindern bessere Möglichkeiten bieten (Bildung, Aufenthaltsbedingungen usw.). Manchmal bezahlen sie auch viel mehr als den Betrag von 250.000 Euro, den Griechenland verlangt, um ihnen eine fünfjährige Aufenthaltserlaubnis zu erteilen.

In Griechenland fehlen geeignete Objekte und Strukturen

Griechenland verfügt derzeit über keine nennenswerten und qualitativen an den internationalen Markt gerichteten Wohnkomplexe. Wie Marktfaktoren erklären, „kaufen etliche Ausländer Einzelhäuser hoher Qualität und Ästhetik, hauptsächlich auf griechischen Inseln. Sie können jedoch weder in urbanen Zentren noch in touristischen Regionen des Landes große Wohnkomplexe hoher Qualität finden.“ Weiter rufen sie in Erinnerung, dass der institutionelle Rahmen für die Errichtung von Feriendomizilen zwar schon vor fast vier Jahren ratifiziert worden ist, jedoch zu den dutzenden Gesetzen zählt, die niemals umgesetzt wurden. Zusätzlich ist trotz der dreijährigen Bemühung des Privatisierungsfonds (TAIPED) kein einziges Projekt zur Errichtung eines Ferienwohnungs-Komplexes in Angriff genommen worden.

Sogar die großen ausländischen Konzerne, die sich üblicherweise für den Kauf einer großen Anzahl von Wohnungen (oder ganzer Komplexe) interessieren, um sie dann an ihre Landsleute weiterzuverkaufen, vermögen folglich ein solches Produkt in Griechenland nicht zu finden. Die jüngst gemachte unangenehme Erfahrung des Konzerns Dolphin Capital auf Zypern mit dem Rückzug der chinesischen China Glory, die anfänglich vereinbart hatte, den 2.000 Landsitze umfassenden Komplex Venus Rock zu kaufen, zeigt, dass das Spiel nicht leicht ist.

Vor einigen Tagen erklärte das Wall Street Journal, das Programm „Goldenes Visum“ Portugals habe Entwicklungen wiederbelebt, die wegen der langjährigen Krise untergegangen waren, wie der Komplex „Oeiras Golf & Residence“ in der Umgebung von Lissabon, den die Espírito Santo Property Portugal entwickelt. Während bis Oktober 2012 gerade einmal 60 der geplanten 500 Villen in dem Komplex verkauft worden waren, ließ der Beginn des „Goldenen Visums“ die Verkäufe abheben und der Verwalter bereitet sich vor, zu einer neuen Runde von Bauten zu schreiten. Alle erbauten Villen sind verkauft worden und Vorverträge über den Verkauf im Bau befindlicher Wohnungen geschlossen worden. 80% der Käufer sind Chinesen, die nicht Anthousa vorzogen …

Griechenland verfügt nicht nur über keine derartigen Komplexe, sondern die Verfahren zur Genehmigung entsprechender Investitionen dauern (falls sie schließlich genehmigt werden) dermaßen lange, dass die Objekte nicht vor Ende des Jahrzehnts bzw. nicht früher als 2018 auf dem Markt angeboten werden können.

(Quelle: euro2day.gr, Autor: Fotis Kollias)

Relevante Beiträge:

  1. nikos
    17. Juli 2014, 08:20 | #1

    es gibt genug reiche ausländer in griechenland! warum wohl sind die immobilienpreise in den letzten jahren, gerade auf den inseln, ins unendliche gestiegen? auch ein blick auf mallorca oder ibiza zeigt doch, daß sichdie einheimischen spanier kaum mehr ein haus in ihrem eigenen land leisten können!

Kommentare sind geschlossen