Moderne Sklavenhaltung in Griechenland

24. Juli 2014 / Aktualisiert: 10. Oktober 2018 / Aufrufe: 1.542

In landwirtschaftlichen Kulturen auf der Peloponnes in Griechenland werden nach wie vor ausländische Landarbeiter wie Sklaven gehalten.

15 Monate nach dem gewalttätigen Übergriff gegen die ausländischen Arbeiter einer Erdbeerplantage in Manolada auf der Peloponnes, die ihre fälligen Löhne forderten, enthüllen die Immigranten den alltäglichen „Albtraum“, den sie in den „Favelas“ von Manolada durchleben. Die Opfer des bewaffneten Vorarbeiters sagten im Prozess als Zeugen aus und sprachen über die unmenschlichen Bedingungen, unter denen sie arbeiten und leben.

Die Zeitung „Ethnos tis Kyriakis“ nahm Kontakt zu den Arbeitern auf den Feldern bei Manolada auf und enthüllt eine Szenerie der Verelendung und Ausnutzung in einem angeblich europäischen Land.

Zeugen werden bedroht und verlangen Schutz

Den Arbeitern wird häufig als modernen Sklaven begegnet, da sie unter provisorischen Bauten und in elenden Baracken zusammengepfercht werden, der Witterung ausgesetzt und ohne nicht einmal das Notwendigste für eine würdige Lebensführung zu haben. Obwohl man erwartet hätte, dass die Umstände sich nach dem Wirbel um die durch ihren Vorarbeiter verletzten 35 Arbeiter verbessert haben, ist in den Erdbeer-Plantagen bei Manolada bis heute keinerlei Planung umgesetzt worden.

Im selben Moment, wo in der Stadt Patras die Gerichtsverhandlung wegen des vorstehend angeführten Falls im Gang ist, wobei die Zeugen melden, bedroht zu werden, und Schutz verlangen, gleicht – zurück auf den Feldern – das Leben einem Albtraum. Die Arbeiter leben zusammen mit Mäusen, Schlangen, Kakerlaken und Echsen und werden häufig von ihren Arbeitgebern bedroht. Ihr Rechtsanwalt Vasilis Kerasiotis vertritt, es gebe eine Lösung, jedoch zeige sich niemand bereit, sie umzusetzen: „Gemäß dem Gesetz über den Menschenhandel (3064/2002) sowie der Verordnung der EU hätten die Opfer in die von PD 133/2003 vorgesehenen Unterkünfte gebracht werden müssen. Praktisch ist jedoch nichts geschehen, um den Opfern beizustehen und institutionell eine korrekte Rechtsprechung zu gewährleisten.

Schockierend sind jedoch auch die Aussagen der Arbeiter selbst, die im Gespräch mit „Ethnos tis Kyriakis“ das Knäuel der Ausnutzung und Verelendung abwickeln. Wie der 20-jährige Murat Alimar beschreibt, wollen die Vorarbeiter die Baracken neben den Feldern haben, weil rund um die Uhr Arbeiten anfallen und sie die Arbeiter häufig mitten in der Nacht wecken und von ihnen verlangen, irgend etwas zu erledigen. Was die hygienischen Umstände betrifft, führt er an, ihre „Toilette“ sei eine provisorisch gegrabene und mit Brettern abgedeckte Grube, der man sich wegen des Gestanks und der Fliegen nicht zu nähern vermag, und um zu baden, suchen sie einen nahegelegenen Bewässerungskanal auf. Wie Mourat moniert, kam, als er einmal krank war und nicht arbeiten konnte, der Vorarbeiter und traktierte ihn mit Fußtritten und sagte ihm charakteristisch, „wenn Du für mich arbeitest, darfst nicht krank sein„.

Obwohl die Arbeit hart ist, entspricht die Entlohnung überhaupt nicht ihren Mühen. Wie der 32-jährige Murset Tsoldur berichtet, arbeiten sie von 7 Uhr morgens bis 10 Uhr abends für 25 Euro, während es für jede Überstunde 3 Euro gibt. Jedoch erhalten sie nicht immer ihr Geld und Murset beschwert sich, ihm werden bereits 2.590 Euro geschuldet. Erschütternd ist auch die Aussage des Ruben Mia, der auf der Suche nach einem besseren Schicksal aus Bangladesh kam, und was er fand, waren eine Baracke und erschöpfende Arbeit und Ausnutzung, wobei er moniert, dass ihm 2.500 Euro geschuldet werden.

Solidaritätsmission an die Landarbeiter in Manolada

Die Initiative „Solidarität für alle“ organisierte in Manolada am 20 Juli 2014 eine Solidaritätsmission, um Lebensmittel und Artikel der persönlichen Hygiene für die unmittelbaren Bedürfnisse der Arbeiter heranzuschaffen. Die Mission rekrutiert sich aus Ärzten und Freiwilligen aus den sozialen Solidaritätspraxen von Athen – Korinth – Patras, Journalisten und Fotoreportern, Abgeordneten und Mitgliedern der SYRIZA, Mitgliedern des Koordinationskomitees der kämpfenden Reinigungskräfte des Finanzministeriums, Beschäftigten der selbstverwalteten BIO.ME., der Offenen Schule für Immigranten in Piräus, der Bewegung „Weist den Rassismus aus“, dem sozialen Hilfsnetz für Flüchtlinge und Immigranten, Mitgliedern des Verbands immigrierter Arbeiter und des KEEPFA.

Die Bekanntmachung im Detail

Ein Jahr danach und während der Prozess gegen den Eigentümer der Vangelatos A.G. und seine Bravos im Gang ist, werden die Zeugen der Anklage bedroht, der Hauptzeuge wird vor seiner Baracke attackiert, elektrischer Strom und Wasser sind in den Baracken abgestellt worden und die Arbeiter befinden sich auf den schwarzen Listen vieler Arbeitgeber, mit dem Ergebnis, dass sie keine Arbeit zu finden vermögen.

Im selben Moment droht den Arbeitern – Zeugen die Inhaftierung und Abschiebung, da die Staatsanwaltschaft nur denen Papiere für einen vorläufigen Aufenthalt erteilte, die angeschossen wurden, während die übrigen terrorisiert werden.

Trotz allem ist die massenhafte Präsenz der Arbeiter bei dem Prozess beispiellos und in Patras entsteht eine große Solidaritätsbewegung aus dutzenden Arbeiterverbänden, Kollektiven und Trägern, während im selben Moment in Pyrgos und Amaliada Lebensmittel und Medikamente gesammelt werden. Der Kampf der Immigranten – Landarbeiter in Manolada ist ein Kampf gegen die Terrorherrschaft der Arbeitgeber, die den Lohn der Arbeiter stiehlt, die Zeugen des Massakers bedroht und einschüchtert und nicht zögert, das Leben von Menschen zu bedrohen, wenn sie ihre arbeitsrechtlichen Ansprüche einfordern.

Vor allem handelt es sich um einen Kampf aller Arbeitnehmer, der Arbeitslosen, der heimgesuchten Gesellschaft, es ist ein Kampf gegen den Rassismus, ein Kampf gegen die Faschistisierung an den Arbeitsplätzen, ein Kampf für Würde und gleiche Rechte am Arbeitsplatz und im Leben.

(Quelle: Büchse der Pandora)

Relevante Beiträge:

  1. Petra
    24. Juli 2014, 09:08 | #1

    Sobald wir endlich die Strukturen und Kontrollen haben wird sich das ändern nur werden die meisten Einwanderer dann auch keine Arbeit mehr haben . Es wird wie überall nur noch wenige Großerzeuger geben und alles maschinell ablaufen etwas anderes wird man sich nicht mehr leisten können. So brutal es klingt jetzt können die Einwanderer noch ein bisschen verdienen aber wie geht es weiter?

  2. pyramis
    24. Juli 2014, 11:18 | #2

    Danke für den Artikel. Es ist ein offenes Geheimnis dass die Flüchtlinge auf diese Weise in einer zivilisierten, westlichen Gesellschaft ausgebeutet werden (und es kommen immer mehr – wo gehen die alle hin?). Es ist anzunehmen dass das selbe in jedem europäischen Mittelmeerland vorgeht. Das laute Schweigen zu diesem Thema schmerzt mein Hirn. Wir, die im kapitalistischen System integriert sind, sind jedoch erleichtert wenn wir zu einem guten Preis unsere Konsumgüter bekommen – denn auch ein grosser Teil von uns muss sehen wie wir über die Runden kommen. Mit anderen Worten, nach mir die Sintflut …

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