Das Pech, als Grieche Urlaub in Griechenland zu machen

2. Juli 2014 / Aktualisiert: 05. Juli 2014 / Aufrufe: 2.327

Warum viele Griechen sich einen Urlaub in Griechenland einfach nicht leisten können.

Je näher der Sommer rückt, desto mehr verstärkt sich bei den Griechen das Gefühl der Ungerechtigkeit. Wäre ich Engländerin, Französin oder sei es auch Russin, könnte ich fast umsonst Urlaub in Griechenland machen.

Wenn Sie es nicht glauben, fragen Sie einfach den ausländischen Urlauber, der auf der Insel das Zimmer neben Ihnen belegt, wie viel ihn sein Aufenthalt dort kostet. Oder Sie können alternativ die nachstehende Reportage lesen, wozu angemerkt sei, dass der Zeitung die Daten der angeführten Hotels vorliegen, diese jedoch aus verständlichen Gründen nicht benannt werden.

Enorme Unterschiede zwischen Paketen und Einzelbuchungen

Auf der Suche nach den fast kostenlosen Urlaubsreisen der Ausländer begebe ich mich zuerst auf die Seite Thomson.co.uk. wie es die durchschnittliche Engländerin getan hätte. Zu Beginn suche ich ein Zimmer auf Kreta und stelle bald fest, dass ich zusammen mit Hin- und Rückflug ab Manchester für insgesamt gerade einmal 137 Pfund ganze sieben Nächte in einem 3-Sterne-Hotel verbringen kann. Also für weniger, als den durchschnittlichen Griechen ein einfaches Ticket nach London kosten würde. Der Preis erscheint mir äußerst vorteilhaft, zumindest bis zu dem Moment, wo ich das Reiseziel ändere und nach einer Unterkunft im übrigen sommerlichen Griechenland suche.

Ohne jede Mühe finde ich ein Angebot für Rhodos: Flug ab London und Aufenthalt mit sieben Übernachtungen in einem Studio mit eigener Küche, Blick auf das Meer und Zugang zu Swimmingpool und Liegestühlen zum Preis von 121 Pfund! Mit dem Fortschreiten der Reportage erscheint die Urlaubs-Mathematik immer sonderbarer: Selbst wenn ich den billigsten Flug zum Preis von 80 Pfund einrechne, muss das Hotel etwas weniger als 5 Euro pro Übernachtung kosten! Also weniger, als ich jemals in meinem Leben für ein Hotel bezahlt habe. Sogar auch vor der Krise, sogar auch vor dem Euro und sogar auch bevor wir in der antiken Epoche angelangen, damals, als ich kein Geld verdiente und meine Eltern meinen Urlaub bezahlten.

Natürlich ist dieses Hotel kein Luxushotel, jedoch erscheint das Zimmer auf den Fotos groß und sauber. Trotz allem hege ich den Verdacht, dass vielleicht irgend etwas nicht stimmt, und beginne nach Unterkünften mit größerem Komfort zu suchen. Und ich stelle fest, dass – wenn man Engländer ist – zusammen mit dem Flug ab Gatwick das 4-Sterne-Hotel in Kremasti auf Rhodos für sieben Übernachtungen 242 Pfund kostet – also 300 Euro. Ich denke, das kann nicht sein, auch für die Griechen wird es irgend eine Gelegenheit geben. Als ich jedoch die Website des Hotels aufsuche um ein Zimmer zu buchen, ändert sich alles: nun kostet jede Übernachtung 81 Euro, also insgesamt 547 Euro – und zwar natürlich ohne das Ticket mitzurechnen, um dorthin zu gelangen.

5 Tage „all inclusive“ auf Rhodos zum Preis eines Flugtickets

Und so tauche ich wieder in die Welt der Reiseveranstalter ein: Auf Zante kostet das entsprechende kleine 4-Sterne-Apartment am Strand 308 Pfund, sofern ich Anfang Juli aus Manchester komme und es belege. Wenn ich auch Halbpension möchte, wird mich das weitere 84 Pfund kosten – und ich gelange bei 392 Pfund an, für einen Urlaub in unglaublichem Luxus, in dem auf der Insel Swimmingpools, Palmen, Beach-Bar und Windsurfing auf mich warten. In der Bemühung, das eingangs angeführte Gefühl der Ungerechtigkeit hinunter zu schlucken, schaue ich mich um, was ich mit dem selben Geld als griechische Einzelreisende finden könnte. Und ich stelle fest, dass sogar, wenn ich über die Seiten buche, welche die Angebote ausfindig machen, wie booking.com oder tripadvisor.com, ein einfaches Zimmer in Lindos auf Rhodos niemals unter 45 Euro fällt. So sehr ich auch nach einem 4-Sterne-Hotel auf Zante für unter 120 Euro suche, ich finde absolut nichts.

Und so wechsele ich erneut die Nationalität und suche die russische Site pegast.ru auf, um diesmal meinen Urlaub aus dem entfernten Moskau zu organisieren. Sehr bald entdecke ich, dass mich auf diese Weise der Flug zusammen mit meinem fünftägigen Aufenthalt in Lindos in einem 3-Sterne-Hotel 15.000 Rubel kosten wird – also 320 Euro – und ich für fünf Tage das „All-Inklusive-Armbändchen“ tragen und an den Bars am Swimmingpool, in Restaurants und an den Buffets des Hotels herumscharwenzeln werde. Will ich wiederum nur für drei Übernachtungen nach Kreta, werden mich Flugticket und 3-Sterne-Hotel in Malia 220 Euro kosten. Was bedeutet, dass es sich für mich rechnen würde, irgend eins dieser Pakete zu buchen, selbst wenn ich gezwungen wäre, mein Flugticket in den Papierkorb zu werfen!

(Quelle: Kathimerini, Autorin: Marili Margomenou)

Relevante Beiträge:

  1. annie
    2. Juli 2014, 12:37 | #1

    Tja, das hat jetzt aber nichts mit dem Stand als Griechin zu tun. Jeder, der individuell Urlaub machen will, muss teuer buchen, unabhängig von der Nationalität! Dieses gräßliche All inclusiv lebt einzig von dem billigen Ankauf großer Kontingente, durch die Konzerne.

  2. Klaus Kastner
    2. Juli 2014, 17:06 | #2

    Genauso ist es (und nicht nur in Griechenland). Der Einzelbucher kommt sich immer wie ein Idiot vor, wenn er sich im Hotel mit den all-inclusive Buchern darüber austauscht, wieviel sie bezahlt haben …

  3. 2. Juli 2014, 17:34 | #3

    Richtig, und die Einnahmen einverleiben sich die Hotelbesitzer, denn der All-inclusive-Gast besucht weder Tavernen noch lernt er Land und Leute kennen und gibt so auch kein Geld im Land aus. Ganz abgesehen davon, dass die Hotelangestellten oft zu einem Hungerlohn und unter miesen Bedingungen arbeiten „dürfen“.

  4. Petroulla
    2. Juli 2014, 17:57 | #4

    Außerdem sind diese all-inklusive-Angebote und sonstigen Pakete meistens Mogelpackungen. Da wird erst mit Schnäppchenpreisen gelockt und vor Ort kommt dann oft die böse Überraschung. Plötzlich stehen diverse Zusatzzahlungen an und die schlagen dann aber kräftig zu, so daß man ganz schnell auf das Doppelte des ursprünglichen Preises kommt. Eigentlich auch logisch, denn kein Hotel kann seine Zimmer für 5,- € vermieten, selbst dann, wenn man den Angestellten garkein Gehalt mehr zahlt.

  5. nikos
    4. Juli 2014, 08:36 | #5

    All inklusiv auf zakinthos war einfch super!

  6. Mia
    4. Juli 2014, 17:27 | #6

    Ich finde, dass grundsätzlich gegen einen all-inklusive Urlaub nichts einzuwenden ist. Nicht jeder Urlauber ist Individualurlauber (hat ja auch seine Vorteile). Ärgerlich ist wie diese Urlaubsweise verramscht wird von der Tourismusindustrie. Ärgerlich ist auch wie gedankenlos diejenigen sind, die diese Angebote annehmen. Und am meisten ärgert mich, dass derjenige der mehr bezahlt auch noch als Idiot hingestellt und lächerlich gemacht wird, auch und gerade besonders in der Werbung. Diese Geiz-ist-geil Mentaliät, ohne sich über die Gedanken zu machen, die für den „einzigartigen und immer freundlichen Service“ zuständig sein sollen.

  7. GR-Block
    4. Juli 2014, 17:54 | #7

    Das all-inclusive-Konzept ist nicht prinzipiell schlecht. Es ist auf Leute zugeschnitten, die sich nicht auskennen und keinen Nerv haben sich erst „einzuarbeiten“, um das richtige Urlaubsdomizil auszusuchen. Ärgerlich ist nur, dass für gleichen Service unterschiedliche Preise gezahlt werden, abhängig von der Macht des Tourismuskonzerns. Leidtragende sind Kunden kleiner Reiseveranstalter oder Individualtouristen. Denn die müssen die verlorenen Gewinne der Serviceleistenden kompensieren. Es ist auch für einen Hotelier unangenehm, wenn seine Gäste erkennen, dass es auch billiger geht, dass sie „reingelegt“ wurden und dshalb schlechte Laune verbreiten.

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