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Griechenland: Warum Bürger Chrysi Avgi wählen

2. Juni 2014 / Aufrufe: 985

Das imposante Wahlergebnis der rechtsradikalen Chrysi Avgi in Griechenland bei der Europawahl 2014 wurde systematisch provoziert.

In ganz Europa und speziell auch Griechenland zeigt „man“ sich über den Aufstieg der Rechtsradikalen „entsetzt“ und „angewidert“, kehrt jedoch geflissentlich unter den Teppich, dass diese Tendenz von den neoliberalen Kräften geradezu provoziert wurde.

Jeder von der in Griechenland aktuell von Samaras, Venizelos & Co vertretenen neoliberalen Herrscherasse zum „Ertrinken“ verurteilte Bürger wird sich reflexartig an jeden noch so trügerischen Strohhalm (also auch die Chrysi Avgi) klammern, da er so wie so nichts mehr zu verlieren zu haben glaubt!

700 € Einkommensteuer für reales Einkommen von 600 €

Wie würden SIE auf einen solchen Einkommensteuerbescheid reagieren (und danach wählen), wie ihn neulich die nette „Tante“ von nebenan bekam? Eigentlich ist sie ja „nur“ Hausfrau, lebt zusammen mit ihrem Ehemann (Rentner) in einer auf ihren Namen laufenden bescheidenen 2-Zimmer-Wohnung mit einer Fläche von 50 qm. Ihr einziges reales Einkommen rührt aus der Vermietung eines Lagerraums her, den sie ererbt hat und für 50 Euro / Monat bzw. 600 Euro im Jahr vermietet.

Jeder halbwegs logisch denkende Mensch würde davon ausgehen, dass dieses bescheidene Jahreseinkommen von 600 Euro wenn nicht schon völlig steuerfrei sein, dann jedoch zumindest nicht mehr als eine gleichermaßen bescheidene Einkommensteuer nach sich ziehen würde. Auf Basis der ab Anfang 2014 in Griechenland Kraft getretenen neuen Steuergesetzgebung stellte das griechische Finanzministerium jedoch eine Steuerschuld in Höhe von insgesamt sage und schreibe 700 Euro fest!

Wenn das „Demokratie“ ist, dann …nein, danke!

„Kranke“ Gesetze generieren „kranke“ Wähler

Um Missverständnissen vorzubeugen, sei auf Folgendes hingewiesen:

Ehepaare sind (auch) in Griechenland im Regelfall verpflichtet, eine gemeinsame (summarische Einkommen-) Steuererklärung abzugeben, werden jedoch anders als in Deutschland grundsätzlich separat veranlagt. Dies führt zu paradoxen Konstellationen, in denen der eine Ehepartner alles Geld der Welt verdienen (und versteuern) mag und somit kein Grund besteht, die auf legalen Einkommen basierende Bestreitung des Lebensunterhalts (beider Ehepartner) in Frage zu stellen.

Deklariert jedoch – wie es heutzutage eher die Regel als eine Ausnahme darstellt – auch der andere Ehepartner ein eigenes (ergänzendes) Einkommen in Höhe sei es auch nur einiger lumpiger Euro, behandelt ihn das Finanzamt unberücksichtigt aller noch so hohen deklarierten Einkommen des „Hauptverdieners“ als Einzelperson und bringt rigoros alle einschlägigen (fiktiven) „Einkommensindizien“ und „Lebensführungskriterien“ zur Anwendung.

Obwohl im vorstehenden Fall der Lebensunterhalt des Ehepaares allein durch die Rente des Ehemanns sichergestellt und hinreichend nachgewiesen ist, behandelt das Finanzamt die Ehefrau als „Alleinverdiener“ und „stockt“ ihr Jahreseinkommen (von real 600 Euro) „fiktiv“ (sprich willkürlich) auf einen steuerpflichtigen Betrag von 4.500 Euro auf, der in Wirklichkeit niemals und nirgendwo existierte!

Relevante Beiträge:

  1. Skorpianne
    2. Juni 2014, 13:44 | #1

    In Deutschland können Ehepaare zwar ein entsprechendes Splitting und damit eine entsprechende einstufung der Lohnsteuerklasse beantragen und zahlen während des laufenden Jahres zunächst weniger Steuern. Spätestens bei der Steuererklärung fallen aber dann Steuern analog einer getrennten Veranlagung an. Die Steuerzahlung ist also nur aufgeschoben, nicht aufgehoben.

  2. Rudi
    2. Juni 2014, 21:04 | #2

    Man sollte gerade deshalb die Nazis wählen, damit die Etablierten endlich aufhören nur für die Bonzen zu regieren. Egal welche Partei man wählt, man kommt sich doch mittlerweile immer mehr als Steigbügelhalter für von Lobbyisten gekaufte Marionetten vor. Solange Kapitalerträge niedriger besteuert werden, als Einkommen aus harter Arbeit, stimmt was nicht im Staate.

  3. Ronald
    2. Juni 2014, 21:49 | #3

    Nach der Logik dieses Artikels, dass nämlich der Wähler trotz freier Entscheidung Nazis zu wählen (oder es zu lassen) ein „verführtes Opfer“ sein kann, muss sich ja auch kein Deutscher mehr für die Verbrechen des Nationalsozialismus entschuldigen. Dann waren die damaligen Wähler auch nur Opfer (denen ging es in während der Weltwirtschaftskrise und in der Weimarer Republik noch viel schlechter als den Griechen heute). So nicht Freunde! Wer das Kreuz macht, hat sich entschieden. Aus freiem Willen …

  4. V 99%
    2. Juni 2014, 22:01 | #4

    Seit wann entschuldigt man eine rechte Gesinnung mit der Steuerpolitik eines Landes, das wohl besser als manches andere in Europa wissen muesste, was es bedeutet, von Nazis ueberfallen zu werden? Und wieder einmal mein Tipp: „Die Griechen wissen was die Chrysi Avgi ist“ !

  5. herbert
    2. Juni 2014, 23:39 | #5

    Es sind einfach und schlichtweg die griechischen Wutbürger, die von den sogenannten etablierten Parteien und System nunmehr die Schnauze gestrichen voll haben. Man könnte auch sagen, die Griechen wurden jahrelang beschissen, belogen und nur als Stimmenvieh ausgenutzt je nach Belieben und politischer Stimmungslage. Die Griechen sind im tiefsten Herzen keine Faschisten, im Gegenteil. Seit 40 Jahren kenne ich griechische Mitbürger. Meine Hochachtung und Respekt für all diejenigen, die sich mit Rückgrat auch in schwierigen Zeiten ihre demokratischen Gesinnung beibehalten haben.
    Die Zeiten der sogenannten Radikalen werden sich dann wieder in Luft auflösen, wenn Griechenland sich wirtschaftlich und ökonomisch erholen wird. Klartext: es muß dringend für neue Arbeitsplätze gerungen werden.

  6. Marie
    3. Juni 2014, 15:45 | #6

    Wenn die Griechen Probleme mit der Steuerpolitik, der Korruption, Privatisierungen usw. haben, dann gibt es Parteien die sinvolle Alternativlösungen anbieten, vor allem SYRIZA. Die schlechte Politik von Samaras & Co ist also bei weitem kein Grund eine rechtskriminelle Schlägerbande zu wählen. Nein, die wahren Gründe für das gute abschneiden der Avgi sind ein verbreiterer Rassismus, Ausländerhass und wahnhafter Nationalismus, der nun offen zu Tage tritt. Nährboden dafür sind mangelde Bildung sowie extreme soziale Ungleichheiten, da gilt es Gegenmaßnahmen zu ergreifen und das hat Samaras ebenfalls versäumt bzw. zu Beginn absichtlich nicht getan.

  7. Satiriker
    3. Juni 2014, 20:20 | #7

    Die Chrysi Avgi wird gewählt, weil es den demokratischen Politikern an rechter Gesinnung fehlt. Die lügen und stehlen nämlich. Das kann niemand abstreiten. Chrysi Avgi Abgeordnete tun das noch nicht. Sie sind nämlich noch nicht an der Macht. Die Drachme eint beide politischen Gruppen.

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