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Griechenland: guter und schlechter Haircut

14. Juni 2014 / Aktualisiert: 24. April 2016 / Aufrufe: 677

Erfolgt der unausweichliche neue Schnitt der Verschuldung Griechenlands auf die selbe Weise wie der erste Cut, wird er auch diesmal zum Scheitern verurteilt sein.

Wie allgemein bekannt ist, beträgt der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Haarschnitt zehn Tage. So lange brauchen die Haare um nachzuwachsen, damit der Unterschied zwischen dem von einem Meister und einem Stümper vorgenommenen Haarschnitt nicht mehr zu sehen ist. Was den „Haircut“ der griechischen Verschuldung betrifft, ist der Unterschied leider sehr viel größer.

Der / das PSI (Private Sector Involvement), also der erste Schnitt, erwies sich sowohl für die privaten Gläubiger als auch für Griechenland als Misserfolg. Trotz dieses Misserfolgs scheint auch der – diesmal die staatlichen Gläubiger (be-) treffende – neue Schnitt mit der selben Oberflächlichkeit wie der erste vorbereitet zu werden. Wie auch mit dem PSI erfolgt die Planung des Cuts kleinpolitisch, auf Basis der öffentlichen Meinung und nicht unter Abwägung der Interessen der Gläubiger und der Schuldner.

Die Grundlagen der Neuverhandlung

Die Neuverhandlung der Verschuldung ist keine neue Erfindung. Ein Schuldner kann aus vielen Gründen in die Lage geraten, seine Verschuldung nicht zu bedienen zu vermögen, angefangen von schlechter Handhabung bis hin zu widrigen Umständen. Also setzt er sich mit dem Gläubiger an einen Tisch und sie versuchen zusammen, eine Lösung zu finden. Kein Fall ist mit dem vorherigen identisch. Manchmal wird eine einfache Prolongierung oder tilgungsfreie Periode nötig sein, manchmal wird es auch bis hin zum Erlass eines Teils der Schuld bedürfen.

Das Ziel ist jedenfalls nicht, den Gläubiger zu schädigen und dem Schuldner ein Geschenk zu machen. Beide werden etwas verlieren, das Thema ist einfach anfänglich nur, ob der Schuldner die Verschuldung zu bedienen vermag, also ob sie tragfähig ist. Danach muss der Schuldner eine Verhaltensweise befolgen, die nach der Vereinbarung die Bedienung der Schuld gestattet. Also genau das, was im vergangenen Jahr mit dem PSI nicht erzielt wurde und – wie es scheint – auch der neue Schnitt der griechischen Verschuldung nicht erreichen wird, wenn er so geschieht, wie es die Vertreter der Troika durchklingen lassen.

Der Misserfolg

Seit dem PSI sind nicht einmal zwei Jahre vergangen und seine Resultate sind sicherlich enttäuschend. Von 367 Mrd. Euro gegen Ende 2011 erreichte Ende 2013 die Gesamtverschuldung der Zentralregierung 321,47 Mrd. Euro. Die privaten Anleiheinhaber verloren mehr als 140 Mrd. Euro, während die Verschuldung um weniger als 50 Mrd. Euro gesenkt wurde. Und diese Privatgläubiger waren die Banken, für deren Rekapitalisierung die öffentliche Verschuldung mittels der FSF belastet wurde, die Versicherungskassen, die Zuschüsse aus dem Staatshaushalt benötigen, und die Kleinobligationäre, die einen großen Teil ihrer Ersparnisse verloren. Dies ist allerdings nicht das (Haupt-) Problem. Das signifikanteste Problem ist, dass die zukünftigen Zahlen nicht aufgehen.

Auf Basis dessen, was in den wiederholten Memoranden vereinbart worden ist, erhält Griechenland derzeit die letzten Tranchen aus den Hilfspaketen und muss ab Mitte 2014 bis einschließlich 2016 beginnen, die erhaltenen Gelder zu tilgen. Für die Bedienung der Kredite der Troika werden insgesamt 27 Mrd. Euro aufgebracht werden müssen, für die ein primärer Überschuss der Größenordnung von 5% des BIP erforderlich ist.

Fakt ist (abgesehen von den Diskussionen über die Belastungsfähigkeit der griechischen Gesellschaft), dass es unter den derzeitigen Umständen der Rezession und Arbeitslosigkeit praktisch unmöglich ist, sich vorzustellen, dies würde gehen können. Und das ist der Grund, aus dem bereits die Diskussionen über Finanzierungslücken, Prolongierung der Verschuldung oder Senkung der Zinssätze begonnen haben.

Falsche Planung für den neuen Schnitt

Sowohl die Finanzierungslücke (bzw. deren Deckung) als auch die Prolongierung oder Senkung der Zinssätze lösen das Problem der Tragfähigkeit der Verschuldung überhaupt nicht. Sie versuchen dagegen einfach nur, eine Situation zu beschönigen. Wird ein Überbrückungspaket gewährt, damit die (Finanzierungs-) Lücke finanziert wird, oder eine Prolongierung bei den zukünftigen Tilgungen oder sei es auch eine Senkung der Zinssätze eingeräumt, wird die Illusion, es gebe eine gewisse Erleichterung bei der griechischen Verschuldung, und der Eindruck geschaffen werden, dass diese tragbar ist, sofern sie bedient werden wird.

Es wird jedoch das Gegenteil geschehen. Grundsätzlich wird für Griechenland die selbe Last verbleiben und konstant als Hemmschuh für jegliche Wachstumsmöglichkeiten fungieren. Es wird einfach nur die Tilgung der Schuld hinausgeschoben, also etwas, das den dauerhaften volkswirtschaftlichen Druck auf das Land und die Gesellschaft signalisieren wird.

Aber auch für Griechenlands Gläubiger werden die Dinge nicht positiv sein. Die Ausweitung der Fälligkeiten oder die Senkung der Zinssätze bedeutet in der Praxis einen Schnitt der Verschuldung, so sehr und so lange auch Frau Merkel sich gegen dieses Wort bekreuzigt. Anders gesagt, sowohl Griechenland als auch seine Gläubiger werden durch den neuen Schnitt, so wie er vorbereitet wird, verlieren.

Kann der (neue) Schuldenschnitt gelingen?

Es ist nicht notwendig, dass auch die neue Bemühung um eine Neuverhandlung der griechischen Verschuldung scheitert. In der Praxis müssen sowohl die griechische Regierung als auch die Troika begreifen, dass das Thema nicht nur darin besteht, wie viel Griechenland auf jährlicher Basis bezahlt. Es ist auch die Gesamthöhe der Verschuldung. Nur wenn diese auf für die Wirtschaft erträgliche Niveaus gesenkt wird und Griechenland bewiesen hat, dass es eine volkswirtschaftliche Disziplin zu befolgen vermag, nur dann werden die Finanzmärkte erneut Vertrauen in die Bereitstellung von Geldern haben.

Und das ist der wirkliche Tragfähigkeitstest, und nicht welche wie auch immer gearteten Spitzfindigkeiten der Frau Merkel um die Beunruhigungen der deutschen Wähler zu zerstreuen. Damit also der (neue) Schnitt glückt, müssen die Ziele richtig bestimmt werden. Weil die (Finanz-) Märkte die Verluste verzeihen können. Außerdem ist genau dies die Weise, auf welche das Spiel an den Märkten gespielt wird. Was die Märkte nicht zu verzeihen vermögen, ist das ziellose Spiel mit der Schere.

(Quelle: sofokleous10.gr)

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