Griechenland: 1 Tonne Heroin beschlagnahmt – Der türkische Escobar

16. Juni 2014 / Aufrufe: 2.146

In Griechenland wurden über 1 Tonne Heroin beschlagnahmt und bisher 11 Mitglieder einer Bande mit Sitz in Athen verhaftet, als deren Kopf ein behinderter Türke gilt.

Wir hatten die Information vor 15 Tagen erhalten. Die enge Observierung der Bande erfolgte in der letzten Woche. Zum geeigneten Zeitpunkt schlugen wir in den Lagerräumen in Koropi und der Villa in Filothei zu.

Mit diesen Worten beschrieb ein hochrangiger Amtsträger der Hafenpolizei die große Aktion zur Festnahme der „Bande der 11“, die eine – aus dem Iran über Istanbul nach Griechenland gebrachte – gigantische Menge Heroins von 1.133,420 Kilo auf den griechischen und europäischen Markt zu bringen beabsichtigte.

Konzertierte Aktion griechischer und ausländischer Behörden

Es handelt sich um eine konzertierte Aktion der Hafenpolizei, der Dienststellen der griechischen Polizei (ELAS), der „Rambos“ der Abteilung für Drogen und Waffen der Sondereinheit für Wirtschaftkriminalität (SDOE) und der Athener Dienststelle des amerikanischen Drogendezernats (DEA).

Konkret wurden sechs Griechen – darunter ein Minderjähriger – verhaftet, die am Dienstag (17 Juni 2014) vor dem Untersuchungsrichter aussagen werden, und fünf Türken, die am Mittwoch (18 Juni 2014) ihre Aussagen abgeben werden. Unter den Verhafteten befindet sich der Unternehmer S. Giannousakis, der Eigentümer von vier Tankschiffen in Dubai sein soll, seine ehemalige Ehefrau, seinen Sohn und seine Schwiegermutter. Sie wohnten in einer Villa des verstorbenen Reeders Nikos Stamatiadis in Filothei, in der rund eine halbe Tonne Heroin gefunden und beschlagnahmt wurde!

Wie die Aktion angelegt wurde

Die Bande war in den vergangenen 15 Tagen ins Visier der Behörden geraten. Die Behörden observierten den letzten Lastwagen (mit einem speziellen Versteck), der aus Italien kam um die in einem Lagerraum in Koropi und in der Villa in Filothei gelagerte … Ware im Wert von rund 30 Mio. Euro zu laden. Im weiteren Verlauf wären die Drogen nach Belgien und Deutschland verbracht worden.

Insgesamt 30 „Rambos“ der Hafenpolizei, der SDOE und der Polizei griffen am Abend des Donnerstags (12 Juni 2014) um 9:30 Uhr in dem Lagerraum in Koropi zu. Danach stürmten sie am selben Abend um 10:30 die Villa in den nördlichen Vorstadtbezirken (Athens) und verhafteten den Unternehmer, seine ehemalige Ehefrau und ihren 15-jährigen Sohn.

Ein Leiter der Aktion führte gegenüber zougla.gr an, das konkrete Kartell sei vor ungefähr 1 Jahr in Rumänien wegen des Besitzes von 70 Kilo Heroin verhaftet worden. Seitdem streckten sie ihre Arme über ganz Europa aus und brachten via Istanbul Drogen aus dem Iran in Umlauf, wobei sie ihren Sitz in Athen hatten. Nach der Auffindung von ungefähr 500 Kilo Heroin in einem Lagerraum in (dem Athener Vorstadtbezirk) Koropi, wo die Verpackung in Säcke mit Marmorstaub erfolgte, führten Angaben und Informationen von den ersten Festgenommenen die Leiter der Aktion zu dem Haus des Reeders in Filothei, wo nach einer Durchsuchung weitere 500 Kilo der selben Drogensubstanz gefunden und beschlagnahmt wurden.

Unsere Dienststellen standen bezüglich einschlägiger Informationen außer mit der DEA auch mit Polizeibehörden anderer Länder in Kommunikation. Wir halten das konkrete Kartell nicht für gefährlich, jedoch wissen wir, dass die Anführer ihre ‚Wasserträger‘ damit erpressten, ihre Verwandten zu ermorden, wenn sie ’singen‘ würden„, äußerten Quellen gegenüber zougla.gr.

Der „Kopf“ der Bande und die „Omerta“

Als Kopf der Bande gilt ein gehbehinderter Türke. Er selbst lebte in Prunk und genoss den Luxus eines super-luxuriösen Hotels in Vouliagmeni. Die Bande beabsichtigte sogar, ein Hotel in den südlichen Vorstadtbezirken (Athens) zu kaufen und Geld zu „waschen“. „Es beeindruckt uns nicht, dass der Gelähmte als Anführer gilt. Viele ziehen die Fäden sogar vom Bett aus„, führt ein hochrangiger Amtsträger des Drogendezernats, der sich mit der Sache befasst hatte, gegenüber zougla.gr an.

Während der Voruntersuchung wurde jedenfalls keiner der Verhafteten „gebrochen“, um Namen anderer Mittäter preiszugeben. In das Mikroskop der Behörden geriet ebenfalls der 15-jährige Sohn der beiden „berühmten“ in Folithei lebenden Dealer, da während der Dauer der Aktion von seinem Mobiltelefon eine SMS an Mitglieder der Bande geschickt wurde („Fuck, sie sind uns auf der Spur … sie werden uns greifen„).

Gegen die Festgenommen wurden Anklagen wegen Verletzung des Drogengesetzes, Gründung einer kriminellen Organisation (hinsichtlich der Verübung schwerer Verbrechen des Drogenhandels), Leitung einer kriminellen Organisation, fallweisen Drogenhandels in Mittäterschaft erhoben – also in dem Sinn, dass es separate Anklagen wegen Import, Lagerung und Besitz und Verbringung narkotischer Substanzen und illegalem Waffenbesitz gibt.

Nachdem die verhafteten Bandenmitglieder von der Staatsanwaltschaft Piräus eine Frist (für die Abgabe ihrer Aussagen) erhielten, wurden sie unter strengen Sicherheitsmaßnahmen in die Arrestanlagen der zentralen Hafenbehörde gebracht.

200.000.000 Euro „warmes Geld“

Die „Rambos“ des Drogendezernats nehmen an, dass das Heroin über verschiedene Wege über die Türkei aus einem Land des Mittleren Ostens eintraf und der Wert der beschlagnahmten Menge von 1.133,420 Kilo sich auf ungefähr 30.000.000 Euro beläuft. Funktionäre des Dezernats führen ebenfalls an, dass, wenn die konkrete Heroin-Menge „verschnitten“ geworden wäre, die Gewinne sich versechsfacht und das Kartell bis zu 200.000.000 Euro verdient hätte!

Die Verteidiger der sechs Griechen, Sakis Kechagioglou und Apostolos Karagiannis, wollten nicht zu Erklärungen schreiten und betonten, sich in die Prozessakte einzuarbeiten.

Ergänzend sei angemerkt, dass sich am Sonntagmittag (15 Juni 2014) im Hafenamt Piräus ein zur Fahndung ausgeschriebener Mann albanischer Staatsangehörigkeit den Behörden stellte, der als ein hochrangiges Mitglied des Drogenrings gilt und eine Gruppe von wenigstens fünf Personen (Türken und Albanern) geleitet haben soll. Er soll am Tag der Polizeiaktion per SMS gewarnt worden sein und konnte sich daraufhin seiner unmittelbaren Verhaftung entziehen.

(Quelle: zougla.gr, Reportage: Filippos Karametos – Christos Mazanis)

KategorienAllgemein
Tags: , ,
Kommentare sind geschlossen