Blase der teuren Immobilien in Griechenland platzt

30. Juni 2014 / Aktualisiert: 02. Oktober 2017 / Aufrufe: 4.768

Die Immobilienkrise in Griechenland hat auch die teuren Vorstadtbezirke getroffen, wo sich für finanzkräftige Käufer lukrative Investitionsmöglichkeiten bieten.

In Griechenland platzt nachhaltig die Blase der teuren Immobilien, sprich der Wohnungen, die hauptsächlich in der Periode der verrückten Börsen-Hausse zu hohen Preisen gekauft wurden. 15 Jahre später wird ihre überwältigende Mehrheit unter den Einheitswerten verkauft, womit sich große Investitionsgelegenheiten für Käufer bieten, die über „volle Portmonees“ verfügen.

In den teuren Vorstadtbezirken stehen inzwischen hundert Immobilien zum Verkauf an und trotz der im Verhältnis zu der Vergangenheit niedrigen Preise stoßen viele imposante Häuser auf keinerlei Interesse.

Beton-Gold aus der Epoche der Börden-Hausse kommt unter den Hammer

Die großen Maklerbüros haben ihre Portefeuilles mit Gebäuden im Wert ab 700.000 Euro und mehr gefüllt. Die letzten Daten der Maklerbüros zeigen, dass – hauptsächlich für 10 und mehr Jahre alte Wohnungen – die Marktpreise sehr viel niedriger als die Einheitswerte sind, während es bei den Neubauten große Verzerrungen gibt. Häuser, die nach Ansicht des Finanzamts 5.000 und 6.000 Euro pro Quadratmeter kosten, kommen in Ekali, Kastri, Kefalari, Dionysos und den südlichen Vorstadtbezirken, also Vouliagmeni, Voula, Glyfada für 4.000 Euro unter den Hammer.

Das speziellere Charakteristikum der meisten Luxuswohnungen ist, dass es sich um Häuser handelt, die gegen Beginn des Jahrzehnts 2000 erbaut wurden, ein Vermögen kosteten und heute zu besonders lukrativen Preisen abgegeben werden. „Es kommen die Börsen-Häuser unter den Hammer. Die in der Periode 1998 – 2000 entstandene ‚Blase‘ platzt nun nachhaltig, mit dem Ergebnis, dass wunderschöne und sündhaft teure 15 Jahre alte Häuser buchstäblich zu … Spottpreisen verscherbelt werden„, betont ein Makler in den nördlichen Vorstadtbezirken, zu dessen Kunden etliche Unternehmer und Börsenmakler der „goldenen Epoche“ zählen.

Einfamilienhäuser, Maisonetten oder Villen mit Flächen von 300 qm, die vor der Krise das Doppelte kosteten, werden für unter 1 Mio. Euro angeboten, während es auch superluxuriöse Immobilien gibt, die für über 2 Mio. Euro abgegeben werden, für die es jedoch kaum Interessen gibt. Wie die Immobilienmakler erklären, handelt es sich um Häuser, die von Unternehmern wegen der Krise, der überdimensionalen Besteuerung, der Lebensführungsindizien und natürlich auch der – ab diesem Jahr zur dauerhaften „Abzocke“ werdenden – Einheitlichen Immobiliensteuer (ENFIA) unter den Hammer gebracht werden.

Hinter vielen Verkäufen verbergen sich dramatische Geschichten

Wie Immobilienmakler berichten, gibt es viele dramatische Geschichten rund um den Verkauf von Immobilien in den teuren Vorstadtbezirken. Ein Makler der nördlichen Vorstadtbezirke führt an, dass ein Ehepaar eine luxuriöse Maisonette in Dyonisos kaufte und renovierte, die insgesamt 1,5 Mio. Euro kostete, dieses (5 Jahre alte) Haus heute für 800.000 Euro verkauft, und zwar wegen … Scheidung. „Solche Fälle, wie auch mittelständischer Unternehmer, die Bargeld wollen und zu jedem Preis verkaufen, sind viele„, betont der selbe Makler. Charakteristische Beispiele für solche Gelegenheiten führen Marktinsider an:

  • In Dyonisos wird von einem Börsenmakler, der in der Periode der Börsen-Explosion viel Geld verdiente, ein Einfamilienhaus von 500 qm auf einem Grundstück von 800 qm zum Verkauf angeboten. Das Unvermögen zum Unterhalt der Immobilie zwingt den Eigentümer, diese für unter 1 Mio. Euro, also knapp 2.000 Euro / qm abzugeben, wogegen ihr Wert vor 3 Jahren 1,8 Mio. Euro betrug.
  • Ein bekannter Unternehmer mit einem Haus von 400 qm in den nördlichen Vorstadtbezirken verlor sein Unternehmen und begann, sein Anlagevermögen zu verkaufen. Nun bietet er sein Haus für 1,5 Mio. Euro zum Verkauf an. Die Angebote überstiegen jedoch nicht 1 Mio. Euro und das Haus kann nicht verkauft werden.
  • In der besten Lage von Ekali wird von einer bekannten Künstlerfamilie eine sich über 4 Ebenen erstreckende Maisonette zum Verkauf angeboten. Das vier Ebenen umfassende Haus wird für 850.000 Euro verkauft, während sein ursprünglicher Preis 1,9 Mio. Euro betrug.
  • Eine Maisonette von 250 qm in Kifisia wird für 900.000 Euro angeboten, jedoch gibt es keine Käufer. Der Eigentümer ist ein ehemaliger Spitzenfunktionär, der seine Arbeit verlor und sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage befindet, berichtet charakteristisch ein anderer Makler.

Preisrutsch um bis zu über 50% auch in „besten“ Wohngegenden

Das Beeindruckende ist, dass auch bei den Häusern der … High Society die Preise in bestimmten Gebieten um sogar auch über 50% gefallen sind, während es ebenfalls die … Tagesrabatte gibt, also einen niedrigeren Preis an einem konkreten Stichtag.

  • Beispielsweise wurde eine Eigentumswohnung von 250 qm in Kefalari mit einem Preis von 650.000 zum 30/04/2014 mit einem Nachlass von 100.000 Euro angeboten.
  • Ebenfalls wurde eine Neubauwohnung von 400 qm in Kefalari im Wert von 2,9 Mio. Euro ausschließlich zum 23 April zu einem um 500.000 Euro ermäßigten Preis angeboten.
  • Ein Einfamilienhaus von 500 qm auf einem Grundstück von 500 qm in Ekali mit einem Preis von 6 Mio. Euro wird mit einem Preisnachlass von 2 Mio. Euro angeboten!
  • Schließlich wird eine für 1,2 Mio. Euro zum Verkauf ausgelobte Neubauwohnung von 170 qm in Palio Psychiko nur für einen einzigen Tag mit einem Preisnachlass von 300.000 Euro angeboten.

In den meisten Fällen verstreichen jedenfalls die Angebots-Tage, ohne dass es ein Interesse gibt, während die Makler meinen, der Preis werde auch an jedem beliebigen anderen Tag, an dem sich ein Käufer einstellen sollte, niedriger liegen, da die Verkaufsanzeigen immer 10% – 20% über den letztendlich vereinbarten Vertragswerten liegen.

Entsprechend ist die Situation auch in den südlichen Vorstadtbezirken, wo sich in den letzten vier Jahren die Preissenkungen zwischen ab 20% bis zu 50% bewegen. In Vouliagmeni werden die Häuser für 6.000 Euro / qm verkauft, nachdem sie früher über 10.000 Euro lagen.

Große Investitionsgelegenheiten für alle, die über viel Geld verfügen, finden sich auch in Thessaloniki, speziell in dem Gebiet „Palia Paralia“, wo vor der Krise die luxuriösen Häuser über 20.000 Euro / qm kosteten. Heute liegt der Preis für Neubauten (sofern es welche gibt) nicht über 10.000 Euro / qm und für Altbauten bei 3.000 – 5.000 Euro /qm.

Die teuersten Gebiete des Landes
(gemittelte Preise in €/m², Quelle: RE/MAX)
Gebiet Altbauten Neubauten
ab bis ab bis
Athen
Kolonaki 2.500 4.100
Ekali 1.700 2.150 2.400 3.400
Penteli 1.400 1.700 2.000 2500
Neo Psychiko 1.000 1.500 2.000 2.500
Palio Psychiko 1.800 2.900 3.000 4.000
Vrilissia 1.300 1.500 2.300 2.900
Agia Paraskevi 900 1.300 2.000 2.400
Nea Erythrea 1.400 1.900 2.200 2.900
Kifisia 1.100 1.900 2.200 3.600
Vouliagmeni 2.500 3.500 5.000 6.000
Glyfada 2.000 2.500 3.500 4.500
Voula 2.000 2.500 4.000 5.000
Thessaloniki
Palia Paralia 3.000 5.000

(Quelle: Imerisia)

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  1. shakudo
    30. Juni 2014, 09:55 | #1

    … und das ist erst der Anfang. Eine Grundregel im Handel für mich ist: wenn ein Markt kollabiert bleib ihm für mind. 10 Jahre fern. Da ist noch viel Spielraum nach unten. Und hier in der DACH Region wird es auch nicht viel anders kommen. Auch wenns derzeit niemand für möglich hält und hier nahezu jede Finanzierung gemacht wird.

  2. Hans
    30. Juni 2014, 10:00 | #2

    Mit den „Investoren“, die jetzt Federn lassen müssen, kann ich kein Mitleid haben. Wer sich Objekte in Millionenhöhe leisten kann, verkraftet auch entsprechende Verluste!

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