Griechenland: So ist die Hölle

11. März 2014 / Aufrufe: 1.522

An den Zuständen im Gefängniskrankenhaus Korydallos hat sich nichts geändert, jedoch wurde ein Disziplinarverfahren wegen der illegal publizierten Fotos und Videos eingeleitet.

Sie sind krank, sie sitzen im Gefängnis. Sie haben zwei gute Voraussetzungen, einen unwürdigen Tod zu haben. Glücklicherweise ist noch nichts passiert. Viele befürchten jedoch, es sei nur eine Frage der Zeit. Im Krankenhaus der Gefängnisanlagen Korydallos in Athen / Piräus sind 209 Patienten zusammengepfercht (darunter 131 HIV-Positive), obwohl nur 60 Betten vorgesehen sind. Was dies bedeutet, wird leicht verständlich.

Krankenzimmer im Gefängniskrankenhaus Korydallos in Griechenland
Im Gefängniskrankenhaus der Strafvollzugsanstalt Korydallos in Griechenland

Wir werden im Dreck verrecken …

Ein Gedränge von Menschen mit ungeheuren Gesundheitsproblemen, ein euphemistisch als solches bezeichnetes Krankenhaus, das in einen Abstellraum für Menschen umgewandelt wurde. Die Betten wurden durch Kojen ersetzt, viele schlafen auf Matratzen, die Räume sind verwahrlost, die ansteckenden Krankheiten greifen um sich. Eine kleine Hölle, wahrscheinlich wird die Hölle so sein.

Seit mehr als drei Wochen verweigern etliche Patienten die Nahrungsaufnahme und versuchen so, die Verantwortlichen wachzurütteln, damit sie ihnen etwas Aufmerksamkeit schenken. Wenigstens ein paar mehr als die zwei Ärzte bereitzustellen, denen es unmöglich ist, sich um all diese Menschen zu kümmern. Wenigstens elementar die Umstände in dem sogenannten Krankenhaus zu verbessern. Wenigstens die Patienten mit ansteckenden Krankheiten von den übrigen zu trennen.

In diesen drei Wochen ist nicht geschehen. Aber, falsch. Es geschah doch etwas. Einer der Patienten nahm einige Fotos von den Räumlichkeiten der Krankenstation auf, die er zu dem Zweck veröffentlichte, die Medien und im weiteren Sinn die „Machthaber“ zu sensibilisieren. Dies bezahlte er mit einem staatsanwaltlich eingeleiteten Verfahren. Es gibt nämlich einen Staatsanwalt, der nicht etwa die Untersuchung der Beschwerden über die elenden Lebensbedingungen in dem Krankenhaus, sondern eine Strafverferfolgung verlangt, weil ein Häftling die Realität fotografierte.

Jüngst gelangte auch eine Videoaufnahme an die Öffentlichkeit, die sehr genau die Umstände zeigt, unter denen diese Menschen leben. „Wir werden im Dreck verrecken, auf 25 Quadratmetern leben 19 Menschen„, moniert ein verzweifelter Häftling. Und? Er und viel andere mögen bemängeln, was sie wollen. Der Ombudsmann des Bürgers mag die Lage seit 2012 dokumentiert und betont haben, dass die Patienten eines regulären Krankenhauses und nicht eines „Sonderknasts“ bedürfen. Der Europäische Rat mag von den griechischen Behörden eine umgehende Verbesserung der Umstände in dem Krankenhaus verlangen.

Auch wir mögen schreiben, was wir schreiben, jedoch bedeutet auch all dies wieder nichts. Wer wird sich schon mit kranken Häftlingen beschäftigen? Wer wird den Verdammten Beachtung schenken?

(Quelle: Protagon.gr, Autor: Giannis Pantelakis)

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