Griechenland: Barbie kommt wieder – Success Story No 2

9. März 2014 / Aktualisiert: 11. August 2020 / Aufrufe: 838

Laut Alexis Tsipras bereitet in Griechenland die Regierung Samaras in Abstimmung mit Berlin für die Europawahl 2014 die imaginäre Success Story No 2 vor.

Vor einer Konferenz der Organisationen und Funktionäre der SYRIZA in Attika sprechend brachte Alexis Tsipras die Einschätzung zum Ausdruck, die Regierung Samaras schicke sich nach einer – wie er meinte – mit Angela Merkel über die Wahlkampfperiode getroffenen Absprache an, im Vorfeld der Wahlen im Mai 2014 mit der Bestätigung „eines gewissen primären Haushaltsüberschusses“ und einem Gang Griechenlands an die Finanzmärkte wieder „die … Barbie der Success Story“ aufzubauen.

Herr Tsipras charakterisierte speziell die anstehende Europawahl als kritisch für Europa und ein Thema über „Leben oder Tod“ für Griechenland. Weiter stellte er vier Dilemmata, auf die – wie er meinte – all jene zu antworten haben, die im kommenden Mai die Stimme der Völker Europas haben wollen.

Das Ziel ist immer das selbe – nämlich die Wähler zu betrügen

Angesichts des Wahlkampfs sagte der Vorsitzende der SYRIZA voraus, „die Kräfte des Gestern werden alles ihnen Mögliche unternehmen, um dem Abfalleimer der Geschichte zu entgehen. Wir werden sehen, wie sie auf der einen Seite den Bullemann der Angst, des Bankrotts, der Drachme, die Angst vor dem Morgen schüren, das wir das Volk einzufordern aufrufen. Und wie sie auf der anderen Seite die … Barbie der Success Story aufblasen und aufpumpen werden.

Weiter meinte Alexis Tsipras: „Deswegen bereiten sie auch jetzt, inmitten der gesellschaftlichen Trümmer, kurz vor den Wahlen, einen weiteren Akt der selben Komödie vor. Barbie kommt wieder. Success Story Nummer 2 wird ausgeheckt. Mit einem neuen Kleidchen, einer neuen Frisur, einer neuen komödiantischen Arithmetik. Jedoch natürlich immer mit dem selben Ziel: den Betrug.

Das … Barbie-Szenarium

Alles zeigt, dass angesichts der ‚Gefahr‘ der SYRIZA und der Bedrohung, welche die Linke für das Europa der Frau Merkel repräsentiert, die Regierung Samaras – Venizelos das grüne Licht aus Berlin für ein weiteres Spiel zu Lasten des griechischen Volks erhalten hat„, erklärte Herr Tsipras und legte das folgende Szenarium dar:

Die Eurostat wird am 22 April 2014 bekannt geben, dass es einen gewissen primären Haushaltsüberschuss gibt. Dies ist bereits vereinbart worden und wird das erste Mal in der Geschichte sein, wo es auf politische Vereinbarung einen Haushaltsüberschuss geben wird. Somit werden sie im Wahlkampf unter Befolgung der besten Traditionen des von ihnen repräsentierten verdorbenen und korrupten politischen Systems versprechen, ein paar Krümel an die Eingeborenen verteilen zu werden *. In einer unmoralischen und unverschämten Aktion des Gewissensbetrugs.

Gleichzeitig werden sie – und die Vorbereitungen haben bereits begonnen – Anfang Mai 2014 einen ‚getürkten‘ Gang (Griechenlands) an die Finanzmärkte unternehmen. Für einen kleinen Betrag zu einem Zinssatz von etwas unter 5% – gerade genug, um vor den Wahlen einen ‚Triumph‘ für das Volk zu organisieren, das sie im übrigen als Pöbel betrachten. Sie haben bereits auch das bereitwillige ‚Haus‘ gefunden, das ihre Barbie einkleiden wird. Zufälligerweise ist es natürlich ein Haus, das griechische Anleihen besitzt, und dieses ganze Spiel wird ihm leichte und große Gewinne einbringen. Und diese Spielchen werden danach auf Börse und ‚Spreads‘ transferiert werden.

(* Speziell in den letzten Tagen kursierten in griechischen Medien verstärkt Szenarien bezüglich finanzieller Zuwendungen, wie beispielsweise die selektive „Reaktivierung“ von Weihnachts- und Osterzulagen oder sogar auch Hinterbliebenenrenten für ledige Töchter öffentlicher Bediensteter … .)

Die Dilemmata der Euro-Wahlurne

Alexis Tsipras unterstrich, dass die Europa-Wahlen „wenn für Europa kritisch, für Griechenland ein Kampf um Leben und Tod sind. Und ich sage dies in Kenntnis der Dinge und nicht aus Gründen irgendeiner Wahlzweckmäßigkeit. Ich sage dies, Genossinnen und Genossen, weil das Land inzwischen an der letzten Sprosse der Teufelsleiter angelangt ist.

Er selbst legte auch die vier Dilemmata dar, die zu beantworten sind:

  • Was geschah mit Griechenland? War das Memorandum erfolgreich oder nicht? Ist Griechenland eine Success Story oder eine Tragödie, die sich nirgendwo in Europa wiederholen darf?
  • Hat Griechenland ein Recht auf eine andere Behandlung als die der unmenschlichen Austerität? Hat es ein Recht auf eine Lösung für die Verschuldung entsprechend zu jener, die 1953 für Deutschland gewährt wurde?
  • Muss die Wahlurne des 25. Mai Frau Merkel Recht geben? Oder muss sie ein Signal des Missfallens und der Zurückweisung ihrer Politik schicken?
  • Ist Griechenland berechtigt, den Besatzungskredit einzufordern? Ja oder nein?

Seinen „Rivalen“, sprich den von Seite der konservativen Parteien Europas für das Amt des Präsidenten der Europäischen Kommission nominierten Kandidaten Jean-Claude Juncker charakterisierte Alexis Tsipras als „einen Menschen, der die zentrale Verantwortung für all das trägt, was unser Volk in den Jahren der Memoranden durchgemacht hat„.

Antwort der Regierung

Die Rede des Alexis Tsipras kommentierend erklärte Regierungssprecher Simos Kerdikoglou:

Zu der Stunde, wo die ganze Welt den sehr signifikanten Erfolg des primären Überschusses anerkennt, der den Weg öffnet, damit das Land ein neues Kapitel beginnt, spricht Herr Tsipras kleinmütig von ‚einem gewissen Überschuss‘, von dem er bis vor kurzem sogar leugnete, dass er überhaupt existiert.

Erklärungen mit einem solchen Inhalt zeigen nicht nur die Respektlosigkeit vor den Mühen und Opfern der Griechen, sondern leiten gleichzeitig auch Wasser auf die Mühlen all jener, die auf das Scheitern Griechenlands setzen.

(Quelle: in.gr)

  1. Rudi
    9. März 2014, 09:54 | #1

    Immer das gleiche Lied. Ob das in Deutschland die große Koalition ist, oder in Griechenland PASOK und ND, dem Wähler wird solange Angst eingejagt, bis er wieder die alten Versager wählt. Reiche werden immer reicher und Arme immer ärmer. Dieses glasklare Indiz für neoliberale Politik wird einfach verdrängt. Die Mehrheit der Wähler wählt vor lauter Schiss Vertreter, welche einer skrupellosen und gierigen Minderheit dienen. Schauen wir mal, wo Samaras, Gabriel, Steinbrück, etc. nach ihrer politischen Karriere Unterschlupf finden. Schröder, Koch und Clement lassen grüßen. Auf die Europawahl darf man gespannt sein.

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