Der Sklavenmarkt in Perama in Griechenland

7. März 2014 / Aktualisiert: 25. August 2015 / Aufrufe: 1.441

In der Rederei-Zone von Perama bei Piräus in Griechenland verdingen verzweifelte Arbeitslose sich zu Tagelöhnen von nur 15 Euro, ohne Vertrag, ohne Rechte.

Jeden Morgen versammeln sich diverse Arbeitslose der Reederei-Zone von Perama bei Piräus am Eingang der Betriebsanlagen, an der „Baracke“. Sie warten gequält darauf, ob sie sei es auch nur für einen einzigen Arbeitstag angeheuert werden. Sie selbst charakterisieren es als „Sklavenmarkt“. Es ist die Stelle, an der einen der Arbeitgeber finden kann. Und sie erinnern daran, dass von den ungefähr 500 Unternehmen, die einmal in der Reederei-Zone tätig waren, ungefähr zehn übrig geblieben sind.

Wir fragen sie, was schuld war. Sie sprechen von den Banken, den Arbeitgeber-Abgaben, den Geldstrafen, den Steuern, den langsamen Rhythmen der Funktion der Rechtsprechung, dem Fehlen von Infrastrukturen und der Modernisierung der Zone und fügen an: „Wir arbeiteten sechs Monate im Jahr. 60% unserer Bezüge gingen an den Fiskus. Will der Staat dieses Geld oder will er es nicht?

Knebelverträge und mittelalterliche Arbeitsbedingungen

Nikos Apostolellis betont, ihr Bestreben sei die Unterzeichnung eines kollektiven Arbeitsvertrags. Sie hoffen, dass die Reeder sich positiv entscheiden und ihre Zustimmung geben werden. Es hängt von diesen ab, meinen sie. Sie betonen, dass von der in Perama mit 30 Euro berechneten Arbeitsstunde 18 Euro Beiträge an die Versicherungskassen und Steuern darstellen. Sie schlagen vor, dass der Stundenlohn durch staatliche Subventionierung eines Teils der Abgaben gesenkt wird.

Giannis Lagoudakis schlägt die Schaffung eines einheitlichen öffentlichen Trägers für die Verwaltung der Schiffsbau-Zone vor, unter Beteiligung aller benachbarten Kommunen, des Hafenträgers Piräus (OLP), der Universität Piräus, der Arbeitnehmerverbände und der lokalen Kammern. Er meint, es sei eine Verwaltung anderer Art, aber auch die Modernisierung der Anlagen und die Gründung von Berufsschulen der Reederei-Industrie erforderlich.

Den Arbeitgebern ist bekannt, wie nötig wir Arbeit brauchen. Sie sagten zu einigen, für Tageslöhne von sogar auch nur 15 Euro zu arbeiten, ohne Verträge, unter mittelalterlichen Umständen„, betont Giorgos Malakis, einer der Arbeitslosen in der Zone. Er fügt an, „einige bringen es auf 50 – 80 Arbeitstage im Jahr in dem Versuch, ihren Versicherungsträger zu decken (sprich die erforderlichen Versicherungstage zusammenzubringen): sie unterschreiben einen persönlichen Vertrag, in dem angeführt wird, selbst auch dann kein Streikrecht zu haben, wenn sie drei Monate lang unbezahlt bleiben.

Giannis Spyratos, Langzeitarbeitsloser, erklärt, „ich hatte 50 Versicherungstage im Jahr. In diesem Jahr bin ich ohne Versicherung, ich habe nicht geschafft, auch nur einen einzigen Beschäftigungstag zu haben„. Giorgos Alevyzopoulos, Arbeitnehmer und Gewerkschaftler in der Zone, betont, „seit 2009 bin ich arbeitslos und natürlich nicht versichert. Wir steigen in den Bus ein, ohne mehr den Fahrschein bezahlen zu können. Ich wache jeden Tag auf und hoffe, nicht krank zu werden„. Giorgos Alevyzopoulos ist 60 Jahre alt: „Die Arbeitslosigkeit hat uns gebrochen, sie hat uns das Lächeln genommen. Unsere Verwandten unterhalten uns. Wir suchen nach jeder beliebigen Arbeit.

Wer zur Chrysi Avgi gehört, bekommt etwas mehr …

Sie fragen sich, wie der Staat die Leute arbeitslos ließ, die den Kassen 18 Euro pro Stunde einbrachten. Und fügen an, sie alle seien qualifizierte Techniker. Sie diskutieren über „betrügerische und gaunerische Reeder, die Schiffe zur Reparatur brachten, jedoch die Beschäftigten nicht bezahlten oder ihnen gaben, wozu sie Lust hatten …

Die Arbeitnehmer vertreten, Ziel der Arbeitgeber sei, die Gewerkschaft zu spalten, die traditionell von der PAME kontrolliert wird. Sie (die Arbeitgeber) versuchten es mittels der Chrysi Avgi. Sie beziehen sich auf die gerichtliche Untersuchung, die in Zusammenhang mit der Begegnung durchgeführt wird, die im vergangenen Sommer die Arbeitgeber mit Nikos Michaloliakos, dem Parteivorsitzenden der Chrysi Avgi hatten. Sie vertreten, während der Dauer der Begegnung hätten die Arbeitgeber ihm Geld gegeben.

Danach tauchte an dem Eingang der Zone der lokale Abgeordnete Giannis Lagos zusammen mit Ilias Panagiotaros auf. Sie versprachen, „wir werden alle Lakaien der PAME hinauswerfen und die Reeder zurückbringen. So begann die Aktivität der Chrysi Avgi und im weiteren Verlauf wurde der Angriff gegen die Gewerkschaftler der PAME verzeichnet, einen Monat vor der Ermordung des Pavlos Fyssas.

Gezwungenermaßen werde ich SYRIZA wählen. Bisher wählte ich PASOK. Ich werde ein Jahr warten, dass die Situation in Ordnung kommt. Wenn sich nicht alles ändert, werden wir zur Chrysi Avgi geführt werden„, meint einer der Arbeitslosen der Zone. Ein anderer fügt an, „die von der Chrysi Avgi haben sich mit gewissen Arbeitgebern abgesprochen. Sie sagten ihnen, die Pakistaner hinauszuwerfen und uns zu nehmen. Für den selben Tagelohn, 15 Euro.“ Aber wer zur Chrysi Avgi gehört, bekommt etwas mehr …

(Quelle: Eleftherotypia)

Relevante Beiträge:

  1. Tinos
    7. März 2014, 08:02 | #1

    Somit wird aus der Not heraus und nicht aus politischer Überzeugung die griechische „Nazi-Partei“ wohl doch irgendwann an die Macht kommen. Ob das dem Land jedoch auf Dauer förderlich ist, mag dahin gestellt sein. Leider wirbt diese Partei Ihre zukünftigen Wähler alle auf diesem Wege … Ist ein Land und seine Bevölkerung in so grosser Not, hat es der „braune Sumpf“ leider überall Leicht. Vielleicht sollte Griechenland hier einmal in die Geschichtsbücher der Deutschen schauen und sich Schritte in dieser Richtung dann nochmals überlegen.

Kommentare sind geschlossen