Bürger in Griechenland bezahlten die Austerität teurer als andere

16. März 2014 / Aufrufe: 965

Laut einem Bericht des IWF bezahlten in Griechenland die Bürger die Austerität sehr viel teurer als in anderen Ländern, die ebenfalls Konsolidierungsprogramme umsetzten.

Ein Bericht des Internationalen Währungsfond mit Titel „Volkswirtschaftliche Politik und Einkommensungleichheit“ stellt fest, dass die von Griechenland umgesetzten Austeritäts-Maßnahmen eine unangemessen hohe Auswirkung auf die ärmsten 10% der Bürger des Landes hatten, weil die griechische Regierung einen primären Schwerpunkt auf die überproportionale Besteuerung speziell der niedrigeren Einkommen setzte.

Die Analytiker des Fonds vertreten, obwohl das griechische Programm auf progressiven Kürzungen und Steuern basierte, welche die größte Last der Konsolidierung zu den höheren gesellschaftlichen Schichten verschoben, waren die Kosten für die ärmsten 10% der Bürger im Verhältnis zu den mittleren Einkommen unverhältnismäßig hoch.

Erhöhung der Einkommensteuer traf die Armen am härtesten

Zusätzlich waren die Verluste bei dem verfügbaren Einkommen für diese Kategorie der Bevölkerung größer als in jedem anderen europäischen Land, das Maßnahmen zur volkswirtschaftlichen Konsolidierung umsetzte. In Griechenland sank das verfügbare Einkommen der Ärmsten 10% um über 15%, während es in Portugal und Spanien um etwas mehr als 5% und in Italien um deutlich weniger als 5% zurückging.

Cumulative Change in Households Disposable Income due to Simulated Fiscal Consolidation, 2008 - 2012
Kumulative Änderung bei den verfügbaren Einkommen der Haushalte auf Basis simulierter volkswirtschaftlicher Konsolidierungsmaßnahmen, 2008 – 2012

Im Vergleich zu den übrigen Ländern des europäischen Südens spielten in dem Programm Griechenlands die Erhöhungen bei der Einkommensteuer eine signifikante Rolle, während auch die Kürzungen bei den Gehältern der öffentlichen Bediensteten groß waren. Der Bericht betont, dass die Maßnahme der Senkung des Steuerfreibetrags von 12.000 Euro auf 5.000 Euro für die ärmsten 10% höhere Kosten als für andere Bevölkerungsschichten hatte.

Signifikant waren die Erhöhungen bei der Einkommensteuer auch in Spanien, wo es ebenfalls auch große Kürzungen bei den Gehältern der öffentlichen Bediensteten gab. Jedoch hatten dort bei der Angleichung die Erhöhungen bei der Mehrwertsteuer ein größeres Gewicht.

Die volkswirtschaftliche Angleichung in Portugal basierte mehr auf den Kürzungen der Renten und bei Hilfsleistungen, während es auch signifikante Senkungen bei Gehältern öffentlicher Bediensteter gab. Die Auswirkungen aus der Erhöhung der Mehrwertsteuer waren beschränkt, während auf die Erhöhungen bei der Einkommensteuer minimales Gewicht gelegt wurde.

Italien befolgte einen ausgewogeneren Maßnahmen-Mix, indem es die Angleichung zwischen Erhöhungen der Mehrwertsteuer und der Einkommensteuer und den Kürzungen bei Gehältern und Pensionen des öffentlichen Sektors verteilte.

Aggregate Effect and Composition of Simulated Fiscal Consolidation Measures, 2008 - 2012
Kumulative Auswirkung und Zusammensetzung simulierter volkswirtschaftlicher Konsolidierungsmaßnahmen, 2008 – 2012
(Prozent des verfügbaren Gesamteinkommens der Haushalte)

Volkswirtschaftliche Konsolidierung und Einkommensungleichheit

Der Bericht des IWF betont, dass die volkswirtschaftliche Angleichung sich mittels der Auswirkung der Einkommensverteilung auf die Einkommensungleichheit niederschlug.

Die Konsolidierungsmaßnahmen führen kurzfristig zu einem Rückgang der Beschäftigung und der Produktion, welche Tatsache die niedrigeren Einkommen beeinträchtigt. Parallel erhöht der Anstieg der Arbeitslosigkeit die Lohnungleichheit, da die Löhne der ungelernten Arbeiter im Verhältnis zu den Löhnen der qualifizierten sinken. Die Dauer und das Ausmaß der Auswirkungen hängen von der Größe der automatischen Stabilisatoren sowie auch von der Reaktion des Wachstums und davon ab, wie es die Beschäftigung beeinträchtigt. Wenn die Multiplikatoren während der Dauer der Rezession besonders hoch sind, kann die volkswirtschaftliche Konsolidierung sich stark auf die Beschäftigung auswirken.

Die Zusammensetzung und der Rhythmus der volkswirtschaftlichen Konsolidierung vermögen die Auswirkung auf die Ungleichheit zu beeinflussen. Die Konsolidierung beeinflusst das Niveau und die Zusammensetzung der Steuern und Ausgaben und somit auch das verfügbare Einkommen der Haushalte. Auf Basis der Schlussfolgerungen des IWF-Berichts tendiert die Einkommensungleichheit zuzunehmen, wenn die volkswirtschaftliche Angleichung auf der Erhöhung der umgekehrt progressiven (sprich regressiven) Besteuerung basiert. Die auf Ausgabenkürzungen basierenden Angleichungsprogramme verstärken ebenfalls die Ungleichheit mehr als jene Programme, die auf der Schöpfung von Einnahmen basieren.

Die Analyse der Forscher des IWF in Ländern, die jüngst Programme einer volkswirtschaftlichen Konsolidierung umsetzten, zeigt, dass die Regierungen die Auswirkungen auf die Ungleichheit mindern können, wenn sie eine geeignete Mischung von Maßnahmen planen.

Während der Dauer der Abgleichung müssen die Regierungen die progressivsten und effizientesten Ausgaben schützen und die Fokussierung der Maßnahmen spezialisieren. Die Senkung der Rüstungsausgaben und der Gehälter der öffentlichen Bediensteten vermag die Notwendigkeit zu Kürzungen bei Sozialleistungen einschränken. Das selbe kann auch mit der Umsetzung progressiver Einnahmemaßnahmen geschehen, obwohl auch diese Option voraussetzt, dass es nicht bereits sehr hohe Steuern gibt.

Parallel können die Regierungen progressive Steuermaßnahmen untersuchen, wie die Senkung der umgekehrt progressiven Steuereinnahmen und die Erhöhung der Steuern auf den Reichtum und das Vermögen. Schließlich kann die Ausweitung der Programme für die Beschäftigung – wie die Unterstützung bei der Arbeitssuche, die Subventionierung eines Teils des Lohns und die berufliche Ausbildung – den Rückgang der Arbeitslosigkeit beschleunigen, sowie die Wirtschaft zu Wachstumsrhythmen zurückkehrt.

(Quelle: euro2day.gr)

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  1. Walter S.
    16. März 2014, 03:14 | #1

    Warum wählen die Griechen diesen Schwachsinn nicht einfach ab? Am 25. Mai hätten sie wieder Gelegenheit dazu und die Alternative steht als SYRIZA bereit. Und wenn die Mehrheit der Leute wieder medial eingeschüchtert und verblödet wird, dann muss es eben laufen wie in der Ukraine: Zu den Waffen. Steinmeier wird sicherlich auch in Griechenland zur Unterstützung anreisen …

  2. Europäer
    16. März 2014, 11:15 | #2

    Es lag an den Griechen, die Einsparungen selbst festzulegen. Wenn Griechenland nun die Reeder weiterhin schont aber bei den armen Griechen holt, ist das die Sache der Griechen. Die griechische Regierung hätte auch die Reeder enteignen können und arme Griechen schonen können. Das war aber offensichtlich politisch und gesellschaftlich nicht gewollt in Griechenland.

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