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Bürokratie und Steuer-Paranoia in Griechenland

27. Februar 2014 / Aktualisiert: 24. November 2019 / Aufrufe: 3.327

Die Auswüchse der Bürokratie und des Steuerwahns der öffentlichen Verwaltung in Griechenland spotten nach wie vor jeder Beschreibung.

Möglicherweise von der Success-Story des griechischen Premierministers Samaras mitgerissen wollte ein Kaufmann eine neue Filiale eröffnen. Anstatt Möbel und einen PC neu anzuschaffen, kaufte er diese in dem Bemühen, etwas Geld einzusparen, nicht neu, sondern zu einem absolut symbolischen Preis von sich selbst, und stellte dafür gemäß dem Gesetz sogar auch eine eigene Rechnung aus.

Am 01/12/2013 kaufte er also bestimmungsgemäß aus seinem Haushalt einen gebrauchten Schreibtisch, vier Stühle, ein Regal und einen Rechner gegen einen Betrag von 13 €, der mit einer Stempelgebühr von 2,4%, also einer Steuer von 0,31 € belastet wird. Gemäß der Gesetzgebung schuldete er die Stempelgebühr bis zum 20/01/2014 an das zuständige Finanzamt abzuführen. Der in Rede stehende Kaufmann entrichtete akkurat den obigen Betrag am 18/12/2013 und bewahrte natürlich – glücklicherweise – den von der Kasse des Finanzamts erhaltenen Zahlungsbeleg auf.

Finanzamt verschlampte Buchung der Zahlung

Als der Kaufmann am 18/01/2014 eine benötigte steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung beantragte, erfuhr er von dem zuständigen Finanzamt, eine fällige Schuld von 0,31 € zu haben! Auf die Frage, woher diese konkrete Verbindlichkeit herrühre, weil er sie doch bereits beglichen hatte, beharrte der Beamte darauf, die Schuld sei laut den „ungeheuren“ elektronischen Systemen des Finanzministeriums weiterhin unbeglichen. Daraufhin legte der Kaufmann den Zahlungsbeleg bei und wurde mit der folgenden lakonischen Frage des völlig überraschten Kassierer des Finanzamts konfrontiert: „Wo haben Sie das denn her?

Um es kurz zu machen, der strapazierte Kaufmann richtete sich an die Leiterin der Abteilung für Einnahmen des Finanzamts – eine Dame, die wirklich eine Ausnahme der Regel bezüglich der öffentlichen Bediensteten darstellt. Die Leiterin erinnerte sich daran, dass es an einem Tag im Dezember einen Kassenüberschuss von 0,31 € gegeben hatte, was sie sich nicht erklären konnten, weil die Kopie des Zahlungsbelegt verloren gegangen war! Unglücklicherweise war dieser auf eine (verloren gegangenen) DIN-A4-Seite und nicht auf den alten Nadeldrucker-Durchlägen ausgedruckt, die verständlicherweise nicht verloren gehen. Weil also der Betrag sehr gering war, beschäftigte sich in den Tagen vor Weihnachten niemand weiter damit …

Da die Verbindlichkeit im Dezember 2013 entstand, wurde sie ab dem 21/01/2014 zusätzlich mit Zinsen in Höhe von bisher 0,01 € belastet.

Von Pontius zu Pilatus …

In Anerkennung des Fehlers beglich die Abteilungsleiterin den Betrag von 0,31 € aus eigener Tasche (!), weil der Antragsteller ihn sonst bei einer Bank hätte einzahlen müssen. Die Banken akzeptieren jedoch keine – per Definition gebührenfreien – Einzahlung an den Fiskus von weniger als 1 €. Die flexiblere Post nimmt solche Zahlungen an, allerdings unter einer Voraussetzung: es ist eine Gebühr von 0,80 € (!) vorgesehen. Der Steuerzahler weigerte sich, eine Provision von 0,80 € für eine Verbindlichkeit von 0,31 € zu entrichten, womit das System wegen des Unvermögens zur Verständigung mit den Banken den Vorgang blockierte.

Auf seine Anfrage an das Taxisnet (auf elektronische Weise und nicht mittels des überholten Telefons oder per Fax), wie er diesen Betrag bezahlen könne, gab ihm das superbe elektronische System Griechenlands die folgende simple Antwort: „Setz Dich mit Deiner Bank in Verbindung, damit dort die Lösung gefunden wird.“ Somit war der strittige Betrag gegen Mitte Februar 2014 immer noch nicht bezahlt und wurde natürlich regulär verzinst.

Die Leiterin des Finanzamts telefonierte wiederholt mit dem zuständigen Leiter des Taxis-Systems, der versprach, eine Lösung zur Regelung von Beträgen von unter 1 € zu geben. Letztendlich wurde die in Rede stehende „ungeheure“ Schuld glücklich gestrichen, die unter dem Strich nicht einmal eine Schuld des Antragstellers an das Finanzamt war, da er die konkrete Verpflichtung schließlich fristgerecht in Ordnung gebracht hatte.

Absurde Geldstrafen anstatt Reformen

Wäre die in Rede stehende Verbindlichkeit nach dem 01/01/2014 geschaffen worden, wäre gegen den Steuerzahler gemäß den seit Anfang 2014 in Kraft gesetzten neuen Bestimmungen zusätzlich eine pauschale Geldstrafe von 1.000 € (im Fall der Verpflichtung zu einfachen Buchführung) oder von 2.500 € (im Fall der Verpflichtung zur doppelten Buchführung) verhängt worden. Zusätzlich wäre er abgesehen von der laufenden Verzinsung bis zur Begleichung dieses Betrags auch alle zwei Monate mit einem Strafzuschlag von 10% belastet worden.

Frage eines Unwissenden: Wie schwer ist es, Verbindlichkeiten von bis zu 1 € (oder warum nicht auch 5 €?) aus den elektronischen Mühlen des Finanzamts zu löschen? Wie viel kostete den Fiskus dieser ganze Zyklus der verlorenen Zeit des Kassierers, der Dienststellenleiterin, des Angestellten des Taxisnet, der Bank und nicht zuletzt des einsamen Kaufmanns? Bis wann wird diese substanzlose Bürokratie weiter galoppieren?

Manche werden natürlich bereits die einfache Lösung in dem in Rede stehenden Thema im Sinn haben. Hätte der Antragsteller also 0,80 € an die Post gezahlt, wäre die Sache für ihn erledigt gewesen! Dies ist jedoch eine falsche Entscheidung! So sehr es auch wirklich irrwitzig klingen mag, wird das Land nur vorankommen, wenn wir alle beginnen, uns den kleinen und großen Problemen entgegen zu stellen, denen wir begegnen. All das, was wir durchleben und uns gefangen hält, ist einfach nur das Produkt der Gleichgültigkeit, der elektronischen Bürokratie der „Rutsch-mir-den Buckel-runter-Mentalität“ und so vieles anderen, was uns ein unbeschreibliches System der Barone der Politik vererbte, die in ihrer eigenen Vorstellung intelligent, unverdorben und hauptsächlich effizient sind!

(Quelle: tvxs.gr)

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  1. Rudi
    27. Februar 2014, 07:03 | #1

    Außer Tekmiria, Luxussteuer, höheren KFZ-Steuern, Immobiliensteuern etc. fällt den Verantwortlichen, meinem Gefühl nach, nichts ein. Mir graut vor jedem Verwaltungsgang. Tausende Fahrzeuge verstopfen täglich Griechenlands Straßen, weil die Menschen irgendwelche irrwitzigen Behördengänge absolvieren müssen, die locker per Bankeinzug oder übers Internet erledigt werden könnten. Aber dann würde ja die Existenzberechtigung unzähliger Staatsdiener wegfallen. Also greift man lieber schamlos dem kleinen Mann in die Tasche und erleichtert ihm um die letzten Kröten, als endlich mal die eigene Verwaltung auszumisten.

  2. manne
    27. Februar 2014, 08:59 | #2

    ja es sind diese „Barone“ die uns seit tausenden von Jahren zur Kasse bitten, in Kriege hetzen und noch vieles mehr. Wenn ihr es nicht glaubt, schlagt doch eure alten Geschichtsbücher auf, da ist alles nachzulesen und vieles dazu gelogen und weggelassen. Aufgewacht und nachgedacht, ihr Schlafmützen und Träumer, in der eigenen Begehrlichkeit gefangen und zu manipulierten Sklaven verkommen, so sind wir.

  3. Panhellene
    27. Februar 2014, 09:28 | #3

    Sowas gibts fast überall auf der Welt. In Deutschland hat einer wegen 1 Pfennig Steuerschuld eine Mahnung bekommen. Wo Beamte sind, ist auch Bürokratie.

  4. Kleoni
    28. Februar 2014, 19:09 | #4

    leider halten sich diese Sesselpupser weltweit für unfehlbar und vor allem für unverzichtbar, dabei könnte man viel Geld sparen, wenn dem Beamtenunwesen eine Schlankeheitskur verpasst würde.

  5. V 99%
    28. Februar 2014, 22:47 | #5

    Dieses Thema wird wohl nie zu Ende gehen. Erst vor Zwei Wochen bin ich in einem griechischem Amt von Pontius zu Pilatus geschickt worden. Wichtig ist, dass man dorthin mit der Erwartung geht, mindestens noch zwei mal wieder kommen zu müssen und sich wenigstens 2 Stunden Zeit pro „Amtsgang“ einräumt. Als ich dann zum Dritten mal bei derselben Person anstehen musste, war ich, zum Entsetzen oder Unverständnis, der anderen Wartenden, der einzige der nur gelacht hat (vielleicht, weil ich immer an den Film „Asterix erobert ROM“, Stichwort: Passierschein A38, denken musste..). Ich wünsche den allermeisten Beamten nicht weggekürzt zu werden, da sie ja auch eine Art Opfer des Systems sind. Ich wünsche mir, dass hart umgeschult und weitergebildet wird und endlich etliche Vorgänge von zu Hause aus im Netz, oder per Post erledigt werden können, wie in anderen EU Ländern auch.

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