Griechenland soll Altertümer privatisieren

22. Januar 2014 / Aktualisiert: 24. August 2018 / Aufrufe: 683

Der amerikanische Archäologe Stephen Miller vertritt, Griechenland soll Erhaltung und Nutzung seiner Altertümer und archäologischen Stätten dem privaten Sektor antragen.

Stephen Miller, der heute 72-jährige amerikanische Archäologe, der seit 4 Jahrzehnten Ausgrabungen in Nemea durchführt, schlägt der griechischen Regierung vor, der Staat solle die Nutzung – sprich Entwicklung, Promotion und Bewachung – griechischer antiker Stätten Privatleuten überlassen und sie als Gegenleistung an den sich ergebenden touristischen Einnahmen zu beteiligen.

Stephen Millers Vorschlag wurde in einem ausführlichen Artikel der amerikanischen Zeitschrift Time beherbergt.

Kürzungen führen zu Schließungen antiker Stätten und Museen

Viele Gegenstände, die aus der Erde hervorgeholt worden sind oder sich auf die Legenden von Nemea beziehen, können für die Promotion der antiken Seite Griechenlands genutzt werden: der mythologische Löwe, den Herakles bei seinen ersten Heldentaten tötete, die Gewichte, welche die antiken Athleten hoben, die Bronze-Statue des Knaben Opheltes, dessen Tod laut der Sage die Inspiration zur Schaffung der athletischen Wettkämpfe darstellte, die mit denen in Olympia konkurrierten„, lautet es in der Einleitung des Artikels.

Die Tatsache, dass es keine Repliken gibt und der Souvenirladen an der Seite des Museums stattdessen Kopien kykladischer Idole verkauft, erzürnt den amerikanischen Archäologen Stephen Miller, der während der letzten vier Jahrzehnte die Schätze von Nemea ausgräbt„, wird in dem Artikel angemerkt. „Nichts davon hat mit Nemea zu tun„, meinte Miller gegenüber Time. Ein analoges Ärgernis stellt für den 72-jährigen Archäologen auch das Fehlen von Hotels und Restaurants für die Besucher an der Stätte dar: „Das Kultusministerium macht viele Dinge sehr gut: sie machen hervorragende Erhaltungsarbeiten und sehr gute Ausstellungen. Als Unternehmer sind sie jedoch Nieten.

Miller hat die Lösung, die – wie er anmerkte – Arbeitsplätze schaffen und den archäologischen Reichtum Griechenlands vor den Folgen einer wirtschaftlichen Krise schützen wird, die zur Schließung archäologischer Stätten und Museen geführt hat. In seinem detaillierten Vorschlag, den er an die griechische Regierung schickte, schlägt er vor, privaten Firmen zu gestatten, die Entwicklung, Promotion und Bewachung bestimmter unterbewerteter archäologischer Stätten zu übernehmen, mit Gegenleistung einen Anteil an den Gewinnen, die von den Touristen herrühren werden.

40 Jahre lang habe ich geschwiegen …

Der Vorschlag – betont der Artikel – mag für die Stunde nicht besonders radikal erscheinen, wo zu einer Stunde, wo die Etats sinken, Italien einer Textilfirma gestattet, das Kolosseum zu sponsern, England Dienstleistungen in berühmten Museen privatisiert und andere europäische Länder etliche historische Gebäude außerhalb der Betriebszeiten vermieten. Jeder Vorschlag, der gestattet, dass der ungeheure kulturelle Reichtum Griechenlands aus den Händen der Regierung gerät, stört jedoch das tief verwurzelte nationalistische Empfinden eines Landes, das von wiederholten Plünderungen durch fremde Staaten gekennzeichnet ist.

In Nemea bedeutete die plötzliche Streichung der Bezahlung der Überstunden im Jahr 2012 für zehn Wächter, dass die Stätte zehn Wochen lang geschlossen blieb. Die an den Wochenenden eintreffenden Touristen konnten nicht den wundervollen Zeus-Tempel bestaunen oder die antiken Inschriften lesen, welche Athleten vor über 2.500 Jahren auf ihrem Weg zu dem Stadion über Nemea in dem Tunnel eingeritzt hatten„, fährt der Artikel fort.

Nach Verhandlungen mit der Regierung kehrten sie schließlich an ihre Arbeitsplätze zurück, jedoch sind sie laut Miller nicht für die Sonntage bezahlt worden, an denen sie seitdem arbeiteten„, wird angefügt und parallel ergänzt, dass ähnliche Geschichten auch bei vielen der 9.000 archäologischen Stätten in Griechenland und 228 Museen beobachtet worden sind. „Und diese Vergraulung der nach Griechenland geströmten Touristen trieb Miller dazu, seinen Vorschlag zu unterbreiten„, berichtet Time.

40 Jahre lang habe ich geschwiegen, aber jetzt werde ich mit der Faust auf den Tisch schlagen – ein so großes Vermögen wird vertan„, erklärt Miller, der sich offiziell im Ruhestand befindet, jedoch bei den Arbeiten zur Erhaltung der Stätte mitwirkt.

Im weiteren Verlauf beherbergt der Artikel Erklärungen des Kultusministers Panos Panagiotopoulos, der die Möglichkeit zurückweist, dass die Verwaltung der archäologischen Stätten in die Hände von Privatleuten übergeht: „Der archäologische Reichtum wird unter staatlicher Kontrolle bleiben, da er dem griechischen Volk gehört.

Wie die Zeitschrift unterstreicht, schließt Panos Panagiotopoulos jedoch eine größere private Beteiligung auf anderen Sektoren nicht aus und betont dabei, das Parlament habe neulich eine Maßnahme verabschiedet, die Tourismus-Firmen gestatte, archäologische Stätten für eine Veranstaltung oder für konkrete Besuchszeiten zu mieten. Die Unternehmen können nun ihre Werbungen vor dem Hintergrund der griechischen Monumente drehen.

(Quelle: Ethnos, Time)

  1. bur
    22. Januar 2014, 11:41 | #1

    Warum privatisieren die Amerikaner eigentlich nicht das weisse Haus, mit samt den Präsidenten und Bediensteten und machen daraus Disneyland ??!! 😉

  2. LiFe
    22. Januar 2014, 23:52 | #2

    So was nenne ich skrupellose Ausnützung. Griechenland verteidigt eure Schätze. Die Kolonialzeit hat viele Länder in die Armut gebracht. Denkt an Alexandria, wo Griechen und Ägypter immer gute Freunde waren bis die Römer kamen.

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