Genesungsbrief an Angela Merkel

8. Januar 2014 / Aufrufe: 1.640

Ein vermutlich aus dem Süden Europas abgesandter Brief hat in Berlin Nervosität und viele Fragen hervorgerufen.

Nervosität und viele Fragen hat in Berlin ein Brief hervorgerufen, der am Dienstagmorgen (07 Januar 2014) im Kanzleramt per Kurier mit der Kennzeichnung „Gebühr zahlt der Empfänger“ eintraf und von dem angenommen wird, dass er von einem verzweifelten Memorandums-Fan aus einem Land des Südens geschickt wurde, höchstwahrscheinlich von einem Minister oder einem die öffentliche Meinung gestaltenden Journalisten.

In seiner Aufregung vergaß der Regierungssprecher den Brief auf der Theke des griechischen Lieblings-Gastwirts der deutschen Kanzlerin, als er ihr eine Portion ihrer geliebten „Keftedakia“ (Hackfleischbällchen) zum Mitnehmen kaufen gegangen war, weil sie selbst auf Anraten der Ärzte das Bett hütet. Danach war es natürlich, dass der Brief auch an die Presse durchsickerte:

Liebe Angela

Ich bin aus dem Süden, war allerdings immer ein treuer Bewunderer von Dir. Mein Name spielt keine Rolle. Ich versichere Dir jedoch, dass ich Deinen Worten glaubte und versuche, tugendhaft und gemäß dem Memorandum zu leben. Das Schicksal brachte, dass meinen Wünschen für das Jahr 2014 auch jene für Deine schnelle Genesung folgen müssen. Ich erfuhr über Deinen Ausrutscher in den Alpen. Ich hoffe, dass Du schnell gesund wirst und wir Dich bewundern können, wie Du uns wieder Predigen über die Sittlichkeit der Enthaltsamkeit und des Sparens halten kannst.

Ich weiß, dass Du nicht angenehm in einem Bett liegst, denke jedoch, dass Du die Ratschläge der Ärzte befolgen musst. Außerdem wird Dir abgesehen von einer schnelleren Genesung die horizontale Lage vielleicht die Zeit geben, auch über einige Dinge in Zusammenhang mit der (unserer) Zukunft nachzudenken. Ich weiß nicht, wie sehr Du an die „Zeichen des Schicksals“ glaubst, jedoch ist der Dir widerfahrene Knochenbruch vielleicht eine Warnung, dass Du einem falschen Pfad folgst.

Erinnere Dich nur daran, wie sehr Europa sich innerhalb einiger Jahre wegen auch Deines Beharrens änderte, sich für alle als Lehrmeisterin aufzuspielen. Ich rufe mir Dich mit Deinen bunten Sakkos auf den Tribünen der Stadien bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 ins Gedächtnis zurück. Damals, als die Leute meinten, in den „Arenen“ und auf den Plätzen Deutschlands ein gastfreundliches und weltoffenes Land entdeckt zu haben. Damals, als sogar auch Eure misstrauischsten Nachbarn begonnen hatten, von dem freundlichen und lächelnden Deutschen zu sprechen. Sogar der Egoist Sarkozy meinte, Euch ähneln zu wollen. All dies ist nun zusammengebrochen. Der Planet hat begonnen, wieder den „hässlichen“ Deutschen, den notorischen Besserwisser zu fürchten.

Nicht nur, dass Du und die um Dich Herumscharwenzelnden uns andauernd sagen, was wir zu tun haben, damit wir wie auch Ihr erfolgreich werden. Mal abgesehen davon muss ich Dir – so sehr ich Dich auch verbittere – gestehen, dass wir Euch nicht ähneln können. So sehr wir es auch versuchen. Es ist auch nicht, dass Du jedes Mal vor uns für uns Entscheidungen triffst und uns dann in Brüssel Lösungen „Klappe halten und machen“ servierst und wir danach unsere eigenen Leute davon zu überzeugen versuchen, wir hätten die Idee gehabt und sie sei zu unserem Wohl.

Der Punkt ist, dass Du Deinen Leuten gestattet hast, uns kontinuierlich zu verhöhnen und herunterzuputzen. Deine Abgeordneten und Journalisten haben es zu einer Mode gemacht, Ironie-Geschosse gegen die unfähigen und unzivilisierten, an Länder der Dritten Welt erinnernden Südländer abzufeuern. Zu Neujahr haben sie wieder damit begonnen. Das ist ungerecht, meine Angela. Wir versuchen, Dich zufrieden zu stellen, und Du lässt uns einfach kalt im Regen stehen. Uns, die wir uns so sehr bemüht haben, Deine Befehle zu befolgen? Uns so zu verspotten?

Das ist nicht gut, meine Angela. Die Menschen sind an dem Punkt angelangt, „Deutschland“ zu hören und Pickel zu bekommen. Macht Dir das nichts aus? Oder hast Du uns vielleicht inzwischen auf immer abgeschrieben? Willst Du ohne uns zu anderen Gefilden aufbrechen? Und wie soll das gehen? Wirst Du wieder Europa zweiteilen? Wirst Du uns vielleicht wieder Visen auferlegen, wenn wir kommen wollen um Dich zu sehen?

Antworte uns jetzt nicht. Denke über all das nach, bevor Du Dich aus dem Bett erhebst. Es ist eine Gelegenheit.

Ich küsse Dich in Schlichtheit und wünsche eine schnelle Gesundung.
Dir für immer ergeben!

(Quelle: Protagon.gr, Autor: Kostas Argyros)

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