Deutsche und Russen trieben Rüstungs-Schmiergelder in Griechenland hoch

23. Januar 2014 / Aktualisiert: 17. Juli 2018 / Aufrufe: 1.070
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Deutsche und Russen trieben die Schmiergelder in die Höhe

Gab es eine „Preisliste“ für die Schmiergelder?

Amerikaner, Franzosen, Briten usw. hielten die Höhe der Schmiergelder relativ niedrig. Die Russen und die Deutschen trieben sie in die Höhe, und deswegen sind die meisten der heute untersuchten Waffenkäufe von ihnen.

Grob veranschlagt bewegten die Schmiergelder sich bei 8% – 10% des Wertes eines jeden Vertrags. Für ein Rüstungsprojekt im Wert von 20 Mrd. Dr. wusste die Firma also, dass es nötig sein könnte, bis zu 2 Mrd. Dr. für Schmiergelder bereitzustellen. Die absolute Verwaltung der schwarzen Kassen hatte natürlich der griechische Repräsentant. Er sagte „ich will 1 Mio. Euro für den Vermittler, der uns den Zuschlag des Projekts sicherstellt„, und die Firma gab das Geld.

Ich verstehe immer noch nicht, warum der Repräsentant der Firma nicht direkt eine Vereinbarung mit dem Verteidigungsminister traf und Vermittler brauchte …

Aus zwei Gründen. Der eine war, dass nicht alle Vertreter direkten Zugang zum Minister hatten. Der zweite war, dass der Minister persönlich das Vorhandensein von Vermittlern vorzog, weil er so einen Sicherheitszaun um sich herum schuf, damit man nicht bei ihm angelangen und ihn mit dem Schmiergeld identifizieren kann und ihn parallel nicht jeder Vertreter für Rüstungssysteme direkt in der Hand hat. Sogar auch, wenn der Repräsentant direkt eine Vereinbarung traf, musste es also weiterhin die Vermittler geben. Es war wie die Tinte der Sepia, sie trübten die Wässer.

Der Vermittler war also ein enger Mitarbeiter des Ministers?

Meine persönliche Einschätzung ist, dass der Vermittler der Minister selbst war. Ein „Vorgeschalteter“, der zu einer Vereinbarung mit dem Repräsentanten schritt, regelte also die Entgegennahme seiner Provision von 2% – 3% mittels irgend einer Offshore-Gesellschaft, tatsächlich nahm er sie jedoch für Rechnung des Verteidigungsministers entgegen.

Das Thema ist, dass dies mittels eines labyrinthischen Offshore-Systems geschah und somit sehr schwer ausfindig zu machen ist. Ich rufe Ihnen in Erinnerung, dass die Aktivität des Akis Tsochatzopoulos jahrelang nicht bewiesen werden konnte, bis die Karambolage mit der Offshore-Gesellschaft geschah, die auch in die Vatopedi-Geschichte verstrickt war.

Wie erfolgte die Aufteilung des von Ihnen auf 8% – 10% veranschlagten Schmiergelds?

Laut der herrschenden Ansicht gingen 3% an den „Großen“, sprich besagten Vermittler, 1% an Großfunktionäre der GDE, und der Rest wurde zwischen den übrigen Verwickelten verteilt, analog zu dem Schwierigkeitsgrad des Projekts.

Eine nutzlose Waffe in die Offshore-Gesellschaft der Lieferanten zu bringen und ihre Aufnahme in das EMPAE durchzubringen kostete mehr als den Kauf einer den Streitkräften unentbehrlichen Waffe voranzutreiben. Die Unterlagen, die Korrespondenz und jede beliebige sich auf das Rüstungsprogramm beziehende Information kostete von 5.000 bis zu 200.000 Euro. Ein „gezinktes“ Gutachten begann ab 150.000 Euro und erreichte bis zu 300.000 Euro. So viel kosteten ungefähr auch die technischen Spezifikationen. Die „Honorare“ der Mitglieder der Ausschüsse betrugen 150.000 – 200.000 Euro.

Wurden die Schmiergelder immer nach dem erfolgreichen Ausgang des Sache oder auch vorab gezahlt?

Es gab diverse Mittel, welche die Firma vorab für die Geschäfte gab, die umgehend zu bezahlen waren, der Hauptanteil des Schmiergelds wurde jedoch nach der Unterzeichnung des Vertrags gezahlt. Was glauben Sie, warum bei den Rüstungsprojekten die Anzahlungen 40% und 50% betrugen? Weil alle, die für den Abschluss des Geschäfts hart gearbeitet hatten, den Lohn für ihre Mühe erhalten mussten. 8% – 10% der Anzahlungen gingen für die Schmiergelder drauf, die bezahlt werden mussten.

Simitis trug Vorsorge, die Hunde an die Leine zu legen

War alles, was von Zeit zu Zeit in das Parlament gelangte, dokumentiert oder Gerüchte?

In ihrer Mehrheit waren es konkrete Fakten und geheime Unterlagen, die leider im Archiv endeten. Allgemein beschäftigten sich mit dem Thema die Abgeordneten, aber auch der Premierminister und der Leiter der Opposition überhaupt nicht. Stellen Sie sich vor, dass Anfang 2000 Giannis Smpokos dem parlamentarischen Ausschuss für Außenpolitik und Verteidigung eine Tabelle über Anschaffungen des Jahres 1999 eingereicht hatte, die zeigte, dass innerhalb eines Jahres 51 Einkäufe realisiert wurden und davon 36 per Direktvergabe erfolgten, weil sie – wie er sagt – „dringend“ waren. Und es fand sich nicht ein einziger Abgeordneter um zu sagen „Stopp! Wer hat die dringlichen Bedürfnisse beschlossen? Wer genehmigt sie?„.

Der einzige Moment, in dem die einheimischen Rüstungs-Kreise sich etwas besorgten, war nach den Wahlen des Jahres 2004, die Kostas Karamanlis gewann, als er den ehemaligen Staatsanwalt Giorgos Zormpas in die GDE brachte. Da waren die Dinge düster und die Türen hermetisch geschlossen. Die Regierung des Kostas Simitis hatte jedoch 2003 dafür Sorge getragen und sichergestellt, dass „die Hunde“ an die Leine gelegt würden und somit absolut nichts geschah.

Wie hatte die Regierung Simitis dafür gesorgt?

Mit dem Gesetzes über Ministerhaftung. Es ist sicher, dass die „Party“ bei der Rüstung nicht ein solches Ausmaß angenommen hätten, wenn es nicht die Offshores gegeben hätte, welche die Anonymität all jener gewährleisteten, die Schmiergelder annahmen. Entsprechend wären 2004 wenigstens zwei Minister ins Gefängnis gegangen, wenn es nicht das Gesetz über Ministerhaftung von Simitis gegeben hätte.

Ich nehme an, dass der eine Akis Tsochatzopoulos ist, der inzwischen im Gefängnis sitzt. Der andere?

Gibt es jemanden, der nicht wahrnimmt, wer der andere ist?

Sie lassen jedenfalls durchklingen, dass die „Party“ der Schmiergelder 2004 endete …

Ich glaube nicht, dass sie zu Ende ging, rufe Ihnen aber in Erinnerung, dass in Griechenland ab 2000 auch eine andere „Party“ begann, nämlich die der Vorbereitung der Olympischen Spiele, womit die ausländischen und einheimischen „Luden“ ihre Aufmerksamkeit auf diese richteten.

Deswegen begann auch ab der zweiten Regierung unter Simitis, ab 2000 und nachfolgend, wegen der Olympiade 2004 das Verteidigungsministerium langsam nicht mehr als „Filet“ betrachtet zu werden und andere Ministerien übernahmen diesen Titel.

Würden Sie zur Justiz gehen und alles aussagen, was Sie wissen?

Ich weiß nichts, was der Justiz nicht bereits bekannt ist. Das Thema ist, dass die Beweise für die verübten Wirtschaftsverbrechen gefunden werden müssen.

(Quelle: Real.gr, Autor: Kostas Chardavellas)

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