Handel in Griechenland auf Niveau von 1997

7. Dezember 2013 / Aktualisiert: 10. Dezember 2013 / Aufrufe: 736

Der enorme Rückgang der Beschäftigung im Handel in Griechenland ist von der immer skrupelloseren Ausnutzung der Arbeitnehmer begleitet, die um ihre Jobs fürchten.

Vollständige Deregulierung der Arbeitsverhältnisse, Entlassungen, Unternehmensschließungen und Anstieg der Arbeitslosigkeit bestimmen das Bild im griechischen Handel, der inzwischen das sechste Jahr einer tiefen Rezession durchschreitet.

Parallel ist die Branche zu einem „Versuchstier“ für die verschlimmernden Änderungen in den Arbeitsverhältnissen geworden, wobei sie in dem Versuch der Arbeitgeber, die Verluste auf die Schultern der Arbeitnehmer zu laden, der Vorreiter bei der Reduzierung der Arbeitsplätze und dem Anstieg der unbezahlten Überstundenarbeit ist.

Beschäftigung im Handel ist auf das Niveau von 1997 gesunken

Wie aus den Daten des am 02 Dezember 2013 von dem Nationalen Griechischen Handelsverband ESEE präsentierten Jahresberichts über den griechischen Handel hervorgeht, hat sich in der Branche die Teilzeitbeschäftigung mehr als verdoppelt und erreicht inzwischen 8,2% der Gesamtbeschäftigung, gegenüber 4,5% im Jahr 2008, während sieben von zehn im Handel beschäftigte Männer und sechs von zehn Frauen unter Kurzzeit-Arbeitsverträge mit einer Dauer von 1 bis 6 Monaten fallen.

Die unbezahlten Überstunden erfahren eine Explosion. Laut dem Bericht gingen zwischen 2008 und 2013 die vom Arbeitgeber vergüteten Überstunden um 53,3% zurück, während die unbezahlten Überstunden um 76,4% zunahmen, mit Opfer hauptsächlich die beschäftigten Frauen. Heute werden 77,4% der von den Beschäftigten erbrachten Überstunden nicht bezahlt, wogegen der entsprechende Anteil im Jahr 2008 bei 47,6% lag.

Allein der Anstieg der Überstundenbeschäftigung in der Branche hat seit 2008 zum Verlust von schätzungsweise 5.000 Vollzeit-Arbeitsplätzen geführt. Zusätzlich wird ein sehr großer Anstieg der Anzahl der Firmen beobachtet, die nicht vermögen, ihrem Personal rechtzeitig Löhne zu zahlen, während laut dem Bericht auch die Unfähigkeit der Arbeitnehmer verzeichnet wird, „wegen der Angst vor dem Verlust der Arbeit oder der Schließung des Unternehmens“ selbst auch gegen willkürliche Entscheidungen der Arbeitgeber zu protestieren. Aus dem Bericht geht ebenfalls hervor, dass der Rückgang der Arbeitsplätze im Handel sich fortsetzt, mit Hauptopfern die Arbeitnehmer und Selbständigen. Im Jahr 2013 gingen insgesamt 23.191 weitere Arbeitsplätze bei Arbeitgebern, Selbständigen, Arbeitnehmern und Aushilfspersonal verloren.

Entwicklung der Anzahl der Arbeitsplätze im Handel in Griechenland)
Verlauf der Beschäftigung im Handel in Griechenland 1997 - 2013

Die Gesamtzahl der Beschäftigten im Handel gestaltet sich inzwischen auf 656.159 Personen und ist die niedrigste, die seit 16 Jahren, sprich seit 1997 verzeichnet worden ist. Im Vergleich zum Jahr 2008, in dem die Beschäftigung im griechischen Handel mit 832.558 Beschäftigten einen Höhepunkt erreichte, sind 21,2% der Arbeitsplätze, also 176.400 Arbeitsplätze verloren gegangen. Ein sehr großer Anteil (ungefähr 75.000) entspricht Entlassungen von Beschäftigten. Während der fünf Jahre der Krise sind schätzungsweise ungefähr 130.000 Handelsunternehmen geschlossen worden, während weitere 45.000 eröffnet wurden, womit sich laut dem ESEE unter dem Strich die Anzahl der Unternehmen, die den Markt verließen, auf ungefähr 85.000 gestaltet.

Griechische Wirtschaft für zwanzig Jahre im Gips

Die Signale sind auch für das kommende Jahr überhaupt nicht zuversichtlich, so sehr auch die Vertreter der Händler Hoffnungen kultivieren mögen, der Rückgang der Umsätze und Gewinne der Firmen werde sich verlangsamen. Trotz der Einschätzungen auf positive Wachstumsrhythmen sehen 66,7% der AG und GmbH und 75% der OHG – KG eine Stagnation bei den Arbeitsplätzen voraus, während sich ungefähr 2 von 10 auf Entlassungen einstellen. Fast 4 von 10 der AG und GmbH und 5 von 10 Personengesellschaften und -unternehmen halten es für möglich, 2014 nicht ihren finanziellen Verpflichtungen entsprechen zu können, während die Unternehmen zu einem überwältigenden Anteil den Unwillen oder das Unvermögen erklären, Investitionen zu tätigen.

Laut den Wirtschaftsprofessoren Savvas Rompolis und Apostolos Dedousopoulos, die sich bei der Präsentation des Jahresberichts über den Handel einfanden und beide von zwei verlorenen Jahrzehnten bei der Beschäftigung sprachen, sind alle Einschätzungen bezüglich des Anstiegs der Beschäftigung in der Wirtschaft sogar auch unter den optimistischsten Wachstums-Szenarien außerordentlich Unheil verkündend.

Apostolos Dedousopoulos schätzte ein, es werden 20 Jahre erforderlich sein, damit die griechische Wirtschaft die 1 Million Arbeitsplätze wiedererlangen wird, die während der Dauer der sechsjährigen Krise verloren gingen. Wie er meinte, tritt Griechenland in eine Periode sehr niedriger Rhythmen des Anstiegs des nationalen Produkts ein, während der Aufschwung zumindest in den beiden ersten Jahren nicht von einem Anstieg der Beschäftigung begleitet sein wird, da die Unternehmen sich eilen werden, die Lücke durch Intensivierung der Arbeit, Erhöhung der Arbeitszeiten usw. zu decken.

Savvas Rombolis, wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Arbeit der gewerkschaftlichen Dachverbände GSEE-ADEDY, schätzte von seiner Seite ein, sogar auch mit dem optimistischen Szenarium über Wachstumsrhythmen bei 3,5% – 4,5% werden wenigstens 20 Jahre erforderlich sein, damit die Arbeitslosigkeit auf das Niveau des Jahres 2009 zurückkehrt, Er schätzte ebenfalls, das Land werde nur 15% der während der Jahre der Rezession verlorenen 25% des BIP wiedererlangen. Weiter merkte er an, dass fortan „unkonventionelle Maßnahmen“ zu ergreifen sein werden, weil die Arbeitslosigkeit und die Alterung der Bevölkerung das Versicherungssystem hoffnungslos unter Druck setzen werden.

(Quelle: Zeitung der Redakteure)

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