Griechenland: Penthäuser zum Preis eines Kleinwagens

30. Dezember 2013 / Aktualisiert: 23. Januar 2016 / Aufrufe: 5.245

Wirtschaftskrise und Überbesteuerung der Immobilien in Griechenland führen auch in Thessaloniki zur Gestaltung neuer Gegebenheiten auf dem lokalen Immobilienmarkt.

Penthäuser zum Preis … eines Kleinwagens. Eigentumswohnung mit 55 Quadratmetern für 8.000 Euro. Geschäftslokal mit 600 qm, in dem der Mieter dem Vermieter keine Miete (oder bestenfalls einen minimalen Betrag) zahlt und nur die Ausgaben für die Immobilie (Steuern, Umlagen, Wartung usw.) übernimmt oder einen Prozentsatz auf die Gewinne seines Unternehmens entrichtet.

All dies mag sich übertrieben anhören, stellt jedoch reale Fälle für den Immobilienmarkt in Thessaloniki dar, auf dem sich – auch wegen der wirtschaftlichen Krise – neue Gegebenheiten gestalten. Bisher mag es sich um Einzelfälle handeln, jedoch mit der Tendenz zu einer immer weiteren Verbreitung.

Preisrückgang in Vorstadtbezirken erreicht bis zu 70%

Im Verhältnis zu Athen sind diese Phänomene hier eingeschränkter, es gibt sie jedoch tatsächlich, sei es auch vereinzelt. Neulich hatten wir beispielsweise eine Immobilie mit 55 Quadratmetern im Stadtteil Polichni, die für 8.000 Euro verkauft wird. Der Marktwert einer Immobilie bestimmt sich natürlich auch aus ihren technischen Merkmalen, aber früher zu höheren Preisen angebotene Immobilien mit ein, zwei technischen Mängeln werden heute imposant billiger feilgeboten„, erklärt der Präsident des Verbands der Makler von Thessaloniki, Konstantinos Tzaros.

Weiter fügt er an, dass auf Angebotsebene die zur Vermietung praktisch … ohne Mietzahlung anstehenden Wohnungen in Thessaloniki derzeit zwar Einzelfälle darstellen, sich in letzter Zeit auf dem Niveau der Nachfrage dennoch eine Dynamik entwickelt. „Wir erhalten immer mehr Anfragen von Leuten, die bereit sind, die Makler-Courtage zu zahlen, damit die Makler für sie eine Immobilie finden, die ohne Miete und nur mit der Verpflichtung zur Zahlung von Steuern, Umlagen usw. zur Verfügung gestellt wird. Bisher entspricht jedoch das Angebot nicht der Nachfrage„, erklärt Herr Tzaros und merkt an, dass derartige Geschäfte in den meisten Fällen „von Mund zu Mund“ unter Eingeweihten abgewickelt werden, ohne über ein Maklerbüro zu laufen.

Nach dem Verlauf der Immobilienpreise in Thessaloniki während der Periode der Krise (2008 und nachfolgend) gefragt, merkt Herr Tzaros an, dass diese im Durchschnitt um 50% – 60% gesunken sind, wobei der größte Rückgang in den peripheren Gemeinden (unter Ausnahme von Panorama) verzeichnet werden. „In neuen Siedlungen der östlichen und westlichen Vorstadtbezirke kann der Preisrückgang sogar auch 70% erreichen. Als beständiger erweisen sich die ‚traditionellen‘ Wohnbezirke und das Zentrum von Thessaloniki, wo der Rückgang zwar groß ist, jedoch im Durchschnitt 40% – 45% nicht übersteigt„, erläutert Herr Tzaros.

Fülle an Immobilien zu Preisen von unter 15.000 Euro

Die – sei es auch bisher beschränkte – Tendenz zu entweder übermäßig billigen oder mietfreien Immobilien verzeichnet auch der Immobilienmakler Nikos Manomenidis, ehemaliger Vorsitzender des Maklerverbands von Thessaloniki und heute – unter anderem – Mitglied des Vorstands der Gewerbekammer Thessaloniki (EETH) und im Netzwerk der Real-Estate-Verbände Zentraleuropas (CEREAΝ), und merkt an:

In diesem Augenblick gibt es sehr viele bis zum Preis von 15.000 Euro zum Verkauf anstehende Immobilien, z. B. für 12.000 Euro. Neulich hatten wir ein Penthaus im Bezirk Faliro mit einem Verkaufspreis von unter 15.000 Euro. Ebenfalls interessieren sich nun mehr Leute für Immobilien, die früher nur bei Personen niedrigerer Einkommensschichten auf Widerhall stießen. Die Tendenz ‚miete meine Immobilie und zahle nur die Steuern‘ gibt es bisher zumindest in den meisten Fällen nur als Gerede. Es trifft jedoch zu, dass viele Eigentümer sehr niedrige Mieten akzeptieren und erhalten, die gerade einmal die Ausgaben der Immobilie decken.

Für 2014 wird eine Intensivierung des Phänomens erwartet

Mit der Besteuerung auch der nicht elektrifizierten Immobilien ab 2014, erläutert Herr Manomenidis, „glaube ich, dass wir sehen werden, wie sich dieses Phänomen sehr viel intensiver äußern wird, weil bei den großen gewerblichen (nicht elektrifizierten) Immobilien mit über 500 Quadratmetern die Eigentümer aufgefordert sein werden, Steuern in Höhe von 2.000 Euro oder auch 10.000 Euro zu zahlen, obwohl die Räumlichkeiten nicht vermietet sind„.

Praktisch bedeutet dies, dass die Eigentümer „inaktiver“ Gewerbe-Immobilien dieser Art (Ladenlokale, Büros, Manufakturanlagen usw.), wie beispielsweise an den Straßen Monastiriou oder Giannitson, die keinerlei Einkommen daraus haben, aufgefordert sein werden, vom einen auf den anderen Tag erhebliche Beträge zu errichten, und somit irgendeinen Weg finden müssen, ihre Ausgaben zu decken. Und dies zu einer Zeit, wo – laut Herrn Manomenidis – an den vorstehend angeführten Verkehrsachsen 60% der Gewerberäume wegen der Krise keine Mieter mehr haben und leer stehen.

Er selbst charakterisiert die gleichzeitige Forcierung der automatischen Mehrwert- / Wertzuwachssteuer als einen „ausweglosen Cocktail“ (Anmerkung: gemeint ist sogenannte Mehrwertsteuer von 15%, die ab 2014 jeden Immobilienverkäufer belasten und auf den Mehrwert erhoben werden wird, der sich aus der Differenz zwischen Kaufpreis und Verkaufspreis ergibt). „Diese Maßnahme ist praktisch undurchführbar„, meint Herr Manomenidis und fügt an, dass, wenn diese Steuer obligatorisch gelten muss, es zwingend erforderlich ist, dass sie nicht über 5% liegt, während die Steuer im Fall des Kaufs einer neuen gleichartigen Immobilie von Befreiungen begleitet werden muss (z. B. beim Verkauf eines Hauses bei gleichzeitigem Kauf eines Hauses, auf Basis des amerikanischen Modells).

Gewinnbeteiligung anstatt Miete

Der Makler Kostas Georgakos betont seinerseits gegenüber der Athener Nachrichtenagentur ANA-MPA: „Menschen der Unternehmerwelt, Eigentümer gewerblicher Immobilien, die sehen, dass diese Objekte nicht vermietet werden können, oder befürchten, dass sie im Fall einer Vermietung die Miete nicht erhalten werden, suchen nach Unternehmern mit einem guten strategischen Plan, z. B. für den Aufbau eines Handelsunternehmens, und vermieten ihnen die Immobilie entweder gegen eine Beteiligung an ihren Gewinnen oder gegen einen symbolischen Mietzins, jedoch bei gleichzeitiger Deckung der Ausgaben für Umlagen, Wartung usw.

Kostas Georgakos merkt ebenfalls an, dass bis neulich als unterbewertet geltende Immobilien (wie beispielsweise Souterrains, Wohnungen ohne Aufzug usw.), die sich hauptsächlich an Personen mit beschränkten finanziellen Mitteln richteten, inzwischen ein breiteres Interessentenpublikum anziehen und zu Preisen verkauft werden, die nicht über 300 – 400 Euro pro Quadratmeter liegen.

(Quelle: Sofokleous10.gr)

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  1. Realist
    30. Dezember 2013, 11:58 | #1

    Und irgendwann werden Baracken und Lager errichtet, in denen man die Leute „konzentriert“. Wäre nur allzu logisch …

  2. uri125
    30. Dezember 2013, 16:44 | #2

    Die EZB unter Draghi, sowie IWF und EU haben es geschafft, mit Hilfe der falschen Berechnungen von Goldmann Sachs, bei Einführung des Euro in Griechenland, hat man die Menschen dort nun Enteignet, Verarmt und Versklavt. Viele müssen sich mit Billigjobs über Wasser halten, wenn diese überhaupt eine Arbeit bekommen. Der grosse Ausverkauf von Land und Eigentum hat begonnen. Der Raubtierkapitalismus frisst seine Kinder.
    Ein Europa , das keiner will und wollte.

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