Die hypothetische Neue Drachme in Griechenland

10. Dezember 2013 / Aktualisiert: 12. Mai 2016 / Aufrufe: 7.617

Öffentliche und private Auslandsverschuldung

Was die gesamte (öffentliche und private) Auslandsverschuldung betrifft, der leider nicht die erforderliche Bedeutung zugemessen wird, beträgt sie derzeit ungefähr 420 Mrd. Euro (siehe nachfolgendes Diagramm) – womit sie automatisch 420 Mrd. Drachmen werden würde. Im weiteren Verlauf würde sie bei Einer Abwertung der Drachme um 50% zu 630 Mrd. Euro werden – bei einer Abwertung um 100% zu 840 Mrd. Drachmen usw.

Die Abwertung würde (einleuchtende Frage) einerseits auf dem fehlenden Vertrauen in die neue Währung (dies geschieht überall, während das fehlende Vertrauen in unser Land inzwischen Tatsache ist) und andererseits auf dem vorauszusehenden heftigen Rückgang des realen BIP zumindest am Anfang beruhen – da die Währung (Quantität) üblicherweise stellvertretend für das BIP eines Landes ist.

Im weiteren Verlauf auf den Defiziten der laufenden Handelsbilanz (Diagramm), weil unser Vaterland fast vollständig deindustrialisiert worden ist – womit es in einem hohen Grad von Importen abhängig ist und nur über sehr wenige wettbewerbsfähige Produkte verfügt um zu exportieren (wir halten es für unmöglich, dass die Lücke durch den Tourismus ausgeglichen wird, der zwar wegen der billigen Währung arithmetisch zunehmen würde, jedoch aus dem selben Grund mit einem geringeren Umsatz).

Weiter ist auf jeden Fall die auf über 120 Mrd. € veranschlagte private Auslandsverschuldung (Haushalte, Unternehmen, Banken) signifikant – speziell die der Banken gegenüber der EZB und dem Mechanismus der Emergency Liquidity Assistance (ELA). Obwohl sie im Verhältnis zur Vergangenheit auf 70,36 Mrd. € (Ende Oktober 2013) zurückgegangen ist, würden die Banken wahrscheinlich pleite gehen, wenn sie von dem Staat gezwungen würden, ihre Kredite im Inland in Drachmen umzuwandeln und verpflichtet wären, ihre eigenen in Euro zu tilgen – womit sie nationalisiert werden müssten, wobei entweder der Staat ihre Verpflichtungen bricht oder die Bürger diese übernehmen (Besteuerung).

Hier schulden wir anzumerken, dass eventuelle Zahlungsverweigerungen gegenüber den Gläubigern, welche heute hauptsächlich die Länder der Eurozone sind, sowie ebenfalls gegenüber der EZB, deren Aktionäre unsere Partner sind, weder für den Tourismus noch für unsere Exporte positiv wären – womit das BIP sowie ebenfalls die Einnahmen des Fiskus einen höchst signifikanten Rückgang aufweisen, die Arbeitslosigkeit ansteigen, die Rezession sich vertiefen würde usw.

Griechenland ist nicht Argentinien

Weiter kann niemand behaupten, Griechenland würde ohne Erdöl, Medikamente usw. bleiben. Natürlich wird es auch all diese Güter in – wie wir glauben – ausreichenden Mengen geben, da sie nicht vom Staat, sondern von Privatleuten importiert werden – womit sogar auch im Fall des – vermutlich sicheren – Bankrotts des „Griechenlands der Drachme“ die Privatleute Importe tätigen könnten, natürlich in Devisen und höchstwahrscheinlich im Voraus zahlend.

Das Thema ist also in keinem Fall der Mangel an Erdöl oder Medikamenten – sondern, wie viel sie kosten werden und wer sie kaufen können wird. Außerdem ist dies der Grund, warum in bankrotten Ländern die Fahrzeuge nicht fahren, die Heizungen ausgeschaltet bleiben, die Verkehrsmittel stillgelegt werden, die Beleuchtungen in den Städten nicht angehen und die Krankenhäuser unzureichend betrieben werden, wie derzeit in Detroit – also nicht der Mangel, sondern der Kaufpreis, der üblicherweise in die Höhe schnellt.

Abschließend (wir werden mit weiteren Fragestellungen zurückkehren, sofern wir natürlich der „freiwilligen Zuflucht zur Neuen Drachme“ zuvorkommen) sind die Vergleiche mit Argentinien nicht selbstverständlich, weil das Land

  1. sich in einer aus geopolitischer Sicht völlig unterschiedlichen Region des Planeten mit praktisch inexistenten Gefahren befindet – welcher Umstand unter anderem begrenzte Rüstungsausgaben bedeutet,
  2. einmal (Ende des 19. Jahrhunderts) die weltweit sechstgrößte Wirtschaft war, während es heute weiterhin leidet,
  3. immer seine eigen Währung hatte – die „Abkopplung“ von dem Dollar war sehr leicht, zumindest im Vergleich zur Einführung einer neuen Währung durch ein (ehemaliges) Mitgliedsland einer Währungsunion, während
  4. seine öffentliche Verschuldung in einer Größenordnung von 60% seines BIP lag und es über Devisenreserven verfügte, die wir heute nicht haben.

Ein weiteres Mal betonend, dass wir nicht gegen die Drachme, sonder für die Wahrheit, die korrekte Informierung und den Realismus sind, vertreten wir die Ansicht, dass Griechenland trotz unserer wie auch immer gearteten Kontrapositionen einen Plan für seine eventuelle Rückkehr zur nationalen Währung parat haben muss – da deren unkontrollierte Einführung mehr als katastrophal sein würde.

(Quelle: Sofokleous10.gr, Autor: Vasilis Viliardos **)

** Vasilis Viliardos ist ein moderner Volkswirtschaftler, Absolvent der Universität Athen ( AUEB), mit postgradualem Studium an der Universität Hamburg – wo er auch mit eigenen Unternehmen über etliche Jahre aktiv war.
Ergänzend sei auf die nachstehend verlinkten Artikel „Die Troika, die Drachme und der Euro“ verwiesen.

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  1. Happy-go-lucky
    10. Dezember 2013, 11:13 | #1

    Es gibt ökonomische Wahrheiten, die viele nicht wahr haben wollen. – Ich frage mich, wer hat die Rückkehr zur Drachme tatsächlich im Rucksack? Wer würde die vom Autor klipp und klar dargelegte folgende Aussage der Bevölkerung offenbaren: „Was die öffentliche Verschuldung betrifft, die in einer Größenordnung von 300 Mrd. € liegt (gegen Ende 2013 liegt die öffentliche Verschuldung bei 330 Mrd. €, wobei sich jedoch ein Teil davon im Inland befindet) und nach der Unterzeichnung des PSI nicht in Drachmen umgewandelt werden kann, würde sie zu 300 Mrd. Drachmen werden (oder wie viel auch immer sie bis dahin sein würde) – jedoch mit der Verpflichtung zur Tilgung in Euro.„?
    Die derzeitige Regierung? – Da würde sich mancher doch fragen: Wozu haben wir die bisherigen Opfer eigentlich gebracht? Syriza? – Würde da nicht das bisher aufgebaute Aristophaneische Wolkenkuckucksheim nicht einstürzen wie ein aus Altpapier konstruiertes Ein-Raum-Haus?

  2. Heho
    10. Dezember 2013, 13:33 | #2

    Ich kann nur sagen, daß das, was hier geschrieben wurde, eine Milchmädchen Rechnung und auch nur Wunschdenken ist. 1 Euro = 2 Drachmen? Da wird der größte Besitzer griechischer Staatsanleihen (eine Bank in Amerika) nicht mitmachen.
    Wenn es zu einer Abwertung kommen sollte würde die wahrscheinlich bei 1 Euro = 6-8 Drachmen liegen, was 2 – 3 Generationen der griechischen Bevölkerung schwer schaden würde. Es würden sich nur die Griechen freuen, die ihre Euros ins Ausland geschaft haben, denn diese Person würden dadurch alles, was sie in Griechenland bekommen können, an sich reissen und dem griechischen Volk würde es weiter noch sehr viel schlechter ergehen

  3. CYR
    10. Dezember 2013, 15:41 | #3

    Eigentlich eine Horrorbotschaft. Die Schulden bleiben in Euro und die neue griechische Währung wird dann massiv abgewertet. Für mich wäre das ausreichend als Grund, das GR im EURO Raum bleibt. Allein die Schuldendeklaration der griechischen Banken gegenüber dem Inland, EU-Raum, EURO-Raum und Rest der Welt ist komplex und voller juristischen Tretminen.
    Bezahlen die Banken ihre Schulden in Euro oder in Drachmen Sind Forderungen in Euro oder in Drachmen zu begleichen. Ist die Drachme frei konvertierbar oder nicht. Der Autor geht überhaupt nicht auf die juristische Problematik ein. Er reduziert das Problem nur auf die Frage wie bezahle ich meine Schulden zurück, als ob die Problematik nur die eines schlecht geführter Haushalt sei.
    So nebenbei gesagt, es gibt überhaupt keine Prozedur wie das austreten aus dem EURO-Raum von statten gehen soll.

  4. nathan
    11. Dezember 2013, 02:09 | #4

    Eine Neue Drachme mit 2:1 Euro zu fixieren, soll doch nur die Wahrheit verschleiern. Es muß der Wechselkurs der Euroeinführung wieder hergestellt werden, denn so ist damals jeder Grieche in den Euro eingetreten, mit seinem Gehalt, seiner Rente und seinem Vermögen. Es wird dann nämlich sichtbar, was für ein verzerrender Betrug der Euro war. In Griechenland zum Vorteil der Griechen, deswegen droht ihnen die Abwertung, die auch sichtbar und wirksam sein muß.
    Zur Erkenntnis muß man sich nur den gegenteiligen Fall, nämlich den Betrug am Volk, nur hier im Falle Deutschlands ansehen:
    Es wurde die DM 2:1 in Euro umgetauscht. Damit wurden alle Verträge zu diesem Kurs eingefroren: Renten, Gehälter, Vermögen. Die DM konnte kein neues Verhältnis zum tendenziell schwachen Mischkalkulations-Euro bilden, nicht floatend aufwerten wie Schweizer Franken oder skandinavische Währungen. Sie hätte aber, parallel zum historischen Vergleichswert Franken, ca. 30% aufgewertet! Wo ist diese uns wegen der Euro-Fessel vorenthaltene Wertsteigerung geblieben? Sie wurde uns verhindert, geklaut, denn dafür hatten die notorisch schwachen Südländer plötzlich von uns geschenkte Stabilität, als hätten sie die gleiche Wirtschaftskraft. Würden wir erst heute dem Euro beitreten, bräuchten wir wegen der bis heute wahrscheinlich stattgefundenen Aufwertung statt 2,-DM nur 1,40 DM für einen Euro hergeben!
    Der Euro hat uns also bis heute 30% unsres zwangsumgetauschten Vermögens gekostet = Enteignung, ebenfalls 30% der Rente und 30% der Gehälter, nicht als Zahl aber als stärkerer Kaufkraftwert der DM, denn alles wurde 2:1 eingefroren, unsre Regierung hat uns das nicht ausgeglichen. Viele Preise in Euro(!) aber stiegen in der „freien Marktwirtschaft“, ja verdoppelten sich, aber die mit 2:1 eingefrorenen Vermögen, Renten, Gehälter sind im eingefrorenen Wert ein Diktat und nicht freie Marktwirtschaft.
    So wäre es im Falle Deutschlands ein Betrug durch eine neue Währungsreform, nicht auf den alten Wechselkurs zurüchzukehren und die DM floaten zu lassen, um die wahren Werte in Deutschland wieder erkennen zu können und in Relation zu setzen. Bei einem rein willkürlich festgesetzten neuen Währungsverhältnis wäre nämlich die Enteignung der Deutschen um ca. 30% perfekt und keiner hat es bemerkt! Auf diese Dummheit der Wähler und Bürger vertraut nämlich unsere Regierung, die uns natürlich nicht darüber aufklärt! Mit dem Euro hat sie uns betrogen und mit einer, wie hier im Falle der Neuen Drachme geplanten Abwicklung, wäre für die Deutschen auch der Währungsschnitt mit 30% auch dann in der Neuen DM perfekt. Und die Regierung ist zufrieden, uns über das Ohr gehauen zu haben!

  5. Sven
    11. Dezember 2013, 05:28 | #5

    Totaler Schwachsinn. Es gibt keinen einzigen logischen Grund zur Rückkehr aber 1000 logische Gründe beim Euro zu bleiben. Also warum sollte die Regierung oder irgendwer ein Rückkehr-zur-Drachme-Szenario bereit halten? Die Lösung für das Schuldenproblem heißt Schuldenschnitt und das geht nur mit einer SYRIZA-Regierung, denn die ist einzig und alleine in der Lage Druck auf die Troika auszuüben. Die Troika wird auch ein Griechenland unter SYRIZA nicht fallen lassen, allerdings eine andere Gangart einlegen müssen.

  6. H. Kohrs
    11. Dezember 2013, 22:32 | #6

    Auf Grund welcher Logik sollte die EU oder die Troika ihr Verhalten gegenüber Griechenland ändern müssen? Seit wann interessiert es die europäische Finanzwirtschaft, wie die griechische Bevölkerung das Geld aufbringt? Das griechische Kapital ist sicher in der Schweiz oder in deutschen Immobilien angelegt, sicher ist sicher, ob mit oder ohne Drachme.

  7. tyrannus sex
    12. Dezember 2013, 22:46 | #7

    1. Schuldenschnitt
    2. Langsames Einführen / Abwerten von Eigenwährung (zunächst) in GR, CY, P unter Deckung der Europäischen Zentralbank
    3. Haftung der Aktionäre der Pleitebanken
    4. Befriedigung der Bankengläubiger über debt-equity-swaps (bitte googeln) nach Abschlag
    5. Konkurs und Abwicklung von Pleitebanken (nach Feststellung ECHTER Systemrelevanz)
    6. Regulierung des Bankensektors

    SO SÄHE MAL GROB DIE DEMOKRATISCHE LÖSUNG DER EUROKRISE AUS.
    Sicher wird es lang und auch nicht billig. Hierzu wenden Sie sich bitte an Ihre BT-Abgeordneten von 1998-2013)
    DIE SCHON HALB BESCHLOSSENE UNDEMOKRATISCHE VARIANTE ERFAHREN SIE STETS AUS DEN MEDIEN.

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