Der – wem? – nützliche Finanzminister in Griechenland

13. Dezember 2013 / Aufrufe: 821

Finanzminister Giannis Stournaras in Griechenland scheint sich mehr den Gläubigern des Landes als dem Volk gegenüber verpflichtet zu fühlen.

Ich habe eine schwere Aufgabe, ich kann die Politik nicht ändern, weil wir uns zu konkreten Zielen verpflichtet haben. Ich will nützlich sein und nicht angenehm.“ Dies äußerte am 08 Dezember 2013 der griechische Finanzminister Giannis Stournaras in einem Interview mit der Zeitung „Vima“. Was er – vielleicht, weil die Antworten inzwischen offensichtlich und selbstverständlich sind – nicht sagte, hat damit zu tun, welche die Ziele sind, zu denen er sich verpflichtet hat, und für wen er letztendlich nützlich sein möchte.

Der „reductio ad absurdum“ folgend ist jedoch leicht erkennbar, welche die schwere Aufgabe ist und gegenüber wem Giannis Stournaras und die Partner in der Regierung Samaras und Venizelos sie übernommen haben. Einfach gesagt, aus den nachfolgenden Zahlen ist offensichtlich, wem die in Rede stehenden Herren Rechenschaft ablegen und wer ihnen buchstäblich … (sagen wir es elegant) am Knie vorbeigeht.

Griechenlands Kaiadas

Wie Nikos Chatzinikolaou bei Real schreibt, ist „in den Jahren des Memorandums das Lebensniveau der Griechen buchstäblich in eine Schlucht geworfen worden, und zwar in einem Grad, wie es niemals in einem anderen europäischen Land zu Friedenszeiten stattgefunden hat. Ungefähr 450.000 Haushalte haben inzwischen keinerlei Einkommen mehr, 250.000 Kinder sind unterernährt und 1.000.000 unserer Mitbürger entbehren jeglicher gesundheitlichen Versorgung und medizinischen Deckung.

Samaras, Venizelos und Stournaras empfinden offensichtlich nicht, gegenüber all diesen Menschen irgendeine schwere Aufgabe und Verpflichtung zu haben. Ebenfalls am Knie vorbei geht den in Rede stehenden Herren auch „einer von drei Einwohnern des Landes, der entweder als arm gilt, also Einkommen von unter 60% des durchschnittlichen nationalen Einkommens hat, oder unter Verhältnissen der Not lebt, also grundsätzlicher Konsumgüter entbehrt oder nicht vermag, elementaren wirtschaftlichen Verpflichtungen zu entsprechen„.

Die obigen erschreckenden Fakten gehen aus einer von dem Europäischen Amt für Statistik (Eurostat) veröffentlichten Untersuchung in Zusammenhang mit der Anzahl der Bürger Europas hervor, die unter Verhältnissen der Not und der gesellschaftlichen Ausgrenzung leben (Referenzjahr 2012). Laut dieser Untersuchung:

  • leben 23% der Bevölkerung in Griechenland in Armut (EU-Durchschnitt: 17%),
  • leiden 19,5% der Bevölkerung in Griechenland Not (EU-Durchschnitt: 9,9%),
  • leben 14% der Bevölkerung in Griechenland in einer von Armut bedrohten Familie, also einer Familie, in der mehr oder weniger kein Mitglied eine „reguläre Arbeit“ hat.

Laut der selben in Rede stehenden Untersuchung sind in Griechenland 34,6% der Bevölkerung mit wenigstens einer der drei problematischen Situationen konfrontiert. In einer noch schlimmeren Lage als Griechenland – hinsichtlich des Anteils der Bevölkerung, die als unter Bedingungen der Armut oder gesellschaftlichen Ausgrenzung lebend gelten – befinden sich Rumänien, Bulgarien und Lettland.

Unbußfertig verpflichtet!

Die ihren (zu den im Wahlkampf geleisteten offensichtlich widersprüchlichen) Zusagen gewidmeten Herren Samaras, Venizelos, Stournaras (und die übrigen, von denen sie zur Erreichung der Ziele mit ihrer Stimme unterstützt werden) interessieren sich augenscheinlich nicht für die 26.000 Haushalte in Griechenland, denen jeden Monat der elektrische Strom abgeschaltet wird.

Dank der Zielvorgaben und Verpflichtungen, welche die Mitglieder der Koalitionsregierung eingegangen sind, bleibt Griechenland EU-Champion bei der Arbeitslosigkeit, wobei die Anzahl der Arbeitslosen im vergangenen August (2013) 1,365 Millionen Personen erreichte.

Offensichtlich erachten die Herren Samaras, Venizelos, Stournaras nicht, eine Verpflichtung oder Zusage gegenüber all diesen Menschen eingegangen zu sein, da sie mit unverminderter Intensität die Politik fortsetzen, die zu Entlassungen, Ausverkäufen, Schließungen, Versteigerungen und Pfändungen führt … .

Lakaien der Gläubiger

Man braucht kein Spezialist zu sein, um Rückschlüsse zu ziehen und Antworten auf die simplen alltäglichen Fragen zu geben:

  • Was hat die Politik des Herrn Stournaras (bzw. der Koalitionsregierung Samaras – Venizelos) verursacht?
  • Wer sind diejenigen, die aufgrund dieser Politik vernichtet werden und jeden Tag in die Not abrutschen?
  • Wer sind diejenigen, welche die Zielvorgaben gesetzt haben, die Stournaras und das übrige Kasperle-Schattenensemble der Regierung vorantreibt?
  • Gegenüber wem sind die in Rede stehenden Präsidenten, Vizepräsidenten, Minister und „Herren“ verpflichtet und wem wollen sie nützlich sein?

Wir nehmen an, dass die offensichtlichen und selbstverständlichen Antworten sehr bald und praktisch gegeben werden: an der Wahlurne …

(Quelle: To Pontiki, Autor: Dimitris Milaks)

Relevante Beiträge:

  1. Panhellene
    13. Dezember 2013, 13:54 | #1

    Die Partei, die Griechenland aus dem Dilemma führen kann, gibt es (noch) nicht. Das Land braucht neue Köpfe, die uneigennützig und objektiv arbeiten und sich nicht scheuen, von anderen erfolgreichen Staaten zu lernen und deren Erfahrungen in die griechische Politik, Verwaltung und Wirtschaft integrieren. Ich weiß, das ist aus heutiger Sicht praktisch unmöglich, aber auch unumgänglich.

  2. hkohrs
    13. Dezember 2013, 14:05 | #2

    Ihr habt Recht: eigentlic benötigt Griechenland zur Zeit eigentlich keinen Finanzminister, weil a) die Finanzbeamte nur zögernd – widerwillig? – ihre Arbeit machen, er mangels verfügbarer Mittel kaum Politik betreiben kann, weil c) von der EU / Troika die Forderungen hoch gehalten werden. Dass sich bei der nächsten Wahl daran deutlich etwas ändert, glaube ich erst wenn ich den Weihnachtsmann mit dem Osterhasen auf dem Rücken gesehen habe.
    Ich glauge auch, wenn Syriza die Wahl gewinnen sollte, sich an den politischen Möglichkeiten / Spielräumen nicht ändern wird. Auch sie werden mit krummen Buckel ihre Ideen über Bord werfen müssen, weil ein weiterer Schuldenerlass zu Gunsten Griechenlands in den anderen EU-Staaten politisch gegenüber der Bevölkerung nicht durchsetzbar ist. Siehe hierzu Euren treffenden Beitrag: hypothetische neue Drachme in Griechenland.
    Vielleicht sollte Gr. die vielen griechischen Finanzflüchtlinge anzapfen, oder ?

Kommentare sind geschlossen