Steuerhinterziehung mit Quittungs-Trick in Griechenland

24. November 2013 / Aktualisiert: 01. Oktober 2017 / Aufrufe: 1.330

In Griechenland wurde ein bekannter Unternehmer wegen Steuerhinterziehung mittels Ausgabe geklonter Quittungen verhaftet.

Von der Dienststelle der Wirtschaftspolizei und des Dezernats für Cyber-Kriminalität wurde wegen Steuerhinterziehung ein 65-jähriger Unternehmer festgenommen, der auf dem Bereich der Gastronomie und Unterhaltung tätig ist.

Konkret handelt es sich um den bekannten Unternehmer und Eigentümer nächtlicher Unterhaltungsbetriebe und Restaurants, Vlassis Stathokostopoulos. Aus der Kontrolle in der Firma, in der er Geschäftsführer ist, wurde festgestellt, dass ein Mechanismus existierte, der mit einer speziellen Computer-Software funktionierte und die Ausstellung „geklonter“ Quittungen ermöglichte.

Insgesamt wurden 13.671 „gefakte“ Quittungen mit einem Nettowert von insgesamt 79.000 Euro festgestellt, denen eine (hinterzogene) MwSt. von über 18.000 Euro entspricht.

„Innovativer“ softwaregestützter Steuerhinterziehungs-Mechanismus

Laut den Behörden ist es das erste Mal, dass ein solcher illegaler Mechanismus zur erneuten Ausstellung von Quittungen gefunden wurde. In der Bekanntmachung der Polizei lautet es:

Heute Morgen (22-11-2013) wurde in Glyfada von der Dienststelle der Wirtschaftspolizei und des Dezernats für Cyber-Kriminalität ein 65-jähriger einheimischer Geschäftsführer festgenommen, der auf dem Bereich der Gastronomie und Unterhaltung tätig ist und zu dessen Lasten ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung eingeleitet wurde, die – wie sich ergab – mittels der Methode der ‚Klonung – Kopie von Quittungen‘ verübt wurde.

Spezieller führte im Rahmen der Untersuchung der Sache ein Stab von Polizeibeamten eine Kontrolle vor Ort in den Geschäftsräumen der Gesellschaft im südlichen Vorstadtbezirk durch, wo ein Mechanismus gefunden wurde, der – wie festgestellt wurde – ermöglichte, bereits in der Vergangenheit ausgegebene Quittungen erneut auszustellen.

Für den Betrieb des illegalen Mechanismus wurde ein elektronischer Rechner mit geeigneter unterstützender Software und Möglichkeiten zur Kommunikation mit dem zentralen Quittungsausgabe-Mechanismus verwendet. Mittels dieser Vernetzung bestand die Möglichkeit zur erneuten Ausstellung ‚geklonter‘ Zahlungsbelege.

Aus der durchgeführten Überprüfung der elektronischen Dateien, die von der Hilfssoftware des Mechanismus angelegt werden, ergab sich für das Geschäftsjahr 2012, dass eine große Anzahl von Quittungen mit selber laufender Nummer und unterschiedlicher Serienkennzeichnung existierte. Weiter wurde festgestellt, dass die erneut ausgegebenen Quittungen nicht in den Büchern des Unternehmens verzeichnet wurden.

Bei dem Verfahren der Überprüfung wurden insgesamt 13.671 erneute Ausstellung von Quittungen mit einem Nettowert von insgesamt 79.793,30 Euro festgestellt, denen eine MwSt. in Höhe von über 18.352,60 Euro entspricht. Aus der Recherche der Daten ergab sich, dass das Ziel der erneuten Ausstellung der Quittungen die Nichtausgabe der gesetzlich vorgesehenen Quittungen war, was die Verheimlichung der Geschäftsvorgänge, die Abgabe inkorrekter Steuererklärungen und die Nichtabführung der entsprechenden Steuern zum Ergebnis hatte.

Der Verhaftete wurde mit dem zu seinen Lasten eingeleiteten Verfahren dem Staatsanwalt des Strafgerichts Athen vorgeführt. Parallel wird die zuständige Finanzbehörde bezüglich der Durchführung des Verwaltungsverfahrens und der Verhängung der vorgesehenen Sanktionen benachrichtigt werden.

Steuervergehen in Arztpraxen, Unternehmen und Vergnügungszentren

Umfangreiche Steuerkontrollen in Arztpraxen, Unternehmen und Vergnügungsbetrieben führte auch die Wirtschaftspolizei Attika durch, wobei etliche Verstöße in Zusammenhang mit der Nichtausstellung von Rechnungen, Beschäftigung ohne Versicherung usw. festgestellt wurden.

Spezieller waren in zwei Vergnügungszentren in Nea Smyrni und Metamorfosi insgesamt 21 Personen ohne Sozialversicherung beschäftigt, während in einem anderen – obendrein ohne Genehmigung betriebenen – Vergnügungsbetrieb in Glyfada festgestellt wurde, dass für 99 Gäste die selbe Anzahl von Eintritts-Quittungen ausgestellt wurde, auf denen nur 1/3 des tatsächlich entrichteten Eintrittsgelds ausgewiesenen war. Ebenfalls wurden keine Quittungen für Blumen ausgestellt und es gab auch keine Quittungsblocks mit den vorgesehenen steuerlichen Angaben. In diesem Betrieb wurde der 46-jährige Verantwortliche verhaftet und den Staatsanwalt vorgeführt.

Weitere Steuervergehen wurden zu Lasten von zwei Ärzten – einem Gynäkologen in Acharnes und einem Zahnarzt in Piräus – festgestellt, gegen die Verfahren eingeleitet wurden, während bezüglich aller Fälle auch die zuständigen Finanzämter (DOY), die Versicherungsanstalt IKA-ETAM und die Arbeitsaufsicht (SEPE) informiert wurden um die entsprechenden verwaltungstechnischen Sanktionen zu verhängen.

(Quellen: Imerisia.gr, Kathimerini.gr)

  1. Werner Wimmer
    24. November 2013, 15:05 | #1

    Die Steuerhinterziehung in Griechenland war und bleibt scheinbar Volkssport Nummer eins. Eine abschreckende Wirkung hat die Androhung vor Strafverfolgung noch nicht. Ist doch in der Bevölkerung bekannt, dass der Staat derzeit noch nicht in der Lage ist, eine flächendeckende Kontrolle gegen Steuerhinterziehung durchzuführen. War es doch in der Vergangenheit nicht unüblich sich durch Schmiergeldzahlungen vor Steuerverfolgung (durch Steuerbeamte, Richter) freizukaufen. Der Respekt vor dem Staat und den Gerichten ist in den letzten 20 bis 30 Jahren in Griechenland durch das schlechte Vorbild des Staates verloren gegangen.

  2. Skyjumper
    24. November 2013, 19:01 | #2

    Wenn man sich die Meldungen über die präventiven Pfändungen und den sonstigen, scheinbar alltäglichen, Wahnsinn des griechischen Staates so durchliest, kann man eigentlich nur jedem Griechen dringlichst empfehlen sämtliche legalen und illegalen Möglichkeiten auszuschöpfen um am Staat vorbei zu agieren.
    Die griechische Bevölkerung befindet sich in einem Krieg. In einem Krieg gegen einen gnadenlosen Gegner, nämlich den eigenen Staat.

  3. GR-Block
    25. November 2013, 00:20 | #3

    @Werner Wimmer
    Ihre Schätzung 20-30 Jahre ist richtig. Vor 32 Jahren wurde GR in die EWG reingetreten. Vor 20 Jahren wurden seine Grenzen entfernt (Maastricht). Seitdem hat sich die Steuerhinterziehung auf das Durchschnittsniveau der EU gesteigert. Leider nicht aber das BIP. Die Steuerhinterziehung pro Kopf ist in den Industriestaaten weit höher als in GR. Klar wird Herr Stournaras die Wirtschaftsfehlplanung jener Jahre durch eine Reduzierung der Steuerhinterziehung nicht in den Griff bekommen. Dazu fehlt dem griechischen Staat der passende Polizei- und Finanzapparat. D hat hat pro Kopf der Bevölkerung mehr öffentliche Angestellte in der Verwaltung, aber trotzdem mehr Steuerhinterziehung.

    @Skyjumper
    Nein, es ist der griechische Staat, der sich im Krieg gegen seine Bevölkerung befindet – und zwar als Lobbyist der Kriegsgewinnler in der EU.

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