Griechenland: wir haben die Amerikaner abgehört

1. November 2013 / Aufrufe: 670

Die Erklärung des ehemaligen Außenministers Pagkalos, Griechenland habe amerikanische Botschafter abgehört, führte zu einem Sturm scheinheiliger Entrüstung.

Zu einem beachtlichen politischen Thema wurden die Äußerungen des ehemaligen griechischen Außenministers und Funktionärs der PASOK-Partei, Theodoros Pagkalos hochgespielt, der nach der Enthüllung des deutschen Magazins „Spiegel“ über ausgedehnte Telefonabhörungen, die von der Botschaft der USA in Athen für Rechnung der amerikanischen Geheimdienste NSA und CIA durchgeführt werden, freimütig erklärte, während seiner Amtszeit habe der griechische Geheimdienst (EYP) die amerikanischen Botschafter in Athen und Ankara abgehört, und sogar betonte, „die Amerikaner haben getan was sie konnten, zu unser aller Wohl!„.

Von Seite der griechischen Regierung wurde unter Berufung auf die „nationale Sicherheit“ das Thema zu vertuschen versucht, jedoch wurden auch stimmhafte Differenzierungen verzeichnet, wie die des ehemaligen Präsidenten des Parlaments und PASOK-Abgeordneten Apostolos Kaklamanis. Die Opposition, aber auch die übrigen Parteien reagierten heftig, wobei die SYRIZA die Regierung des Versuchs der Verbergung des Themas beschuldigte.

Theodoros Pagkalos: Wir haben sie auch abgehört!

Die EYP hatte es geschafft, nicht nur den amerikanischen Botschafter in Athen, sondern auch den amerikanischen Botschafter in Ankara abzuhören„, erklärte Th. Pagkalos bezüglich der Periode während der er Außenminister war. Im Gespräch mit dem Radiosender VIMA FM enthüllte Herr Pagkalos, „die EYP hörte die beiden Botschaften – in Ankara und Athen – mit Geräten ab und nahm sie auf Tonbänder auf„.

Weiter betonte er, „die Amerikaner haben getan was sie konnten, zu unser aller Wohl„, ohne aus Gründen der Geheimhaltung die Europäer zu informieren, aber auch, weil sie über eine höher entwickelte Technologie verfügen.

Kein Kommentar von Regierung, YPEX und PASOK, Kritik von Kaklamanis

Es ist bekannt, dass der Nationale Informationsdienst seit Jahren mit den entsprechenden Behörden der USA und anderer Länder zur Bekämpfung des Phänomens des Terrorismus kooperiert„, erklärte Regierungssprecher Simos Kedikoglou und fügte an: „Jede weitere Analyse und Diskussion in Zusammenhang mit der Mission der EYP kann nur als Untergrabung ihres Werks aufgefasst werden und ist daher überflüssig.

„Kein Kommentar“ lautete es von Seite des Außenministeriums (YPEX), da es meint, das Thema sei so gelagert, dass es von der PASOK-Partei und nicht von dem Ministerium zu lösen sei. Natürlich wird daran erinnert, dass Herr Pagkalos lange Zeit Außenminister und Leiter der griechischen Diplomatie war, als sich die Sache mit Imia ergab, während seiner Amtszeit als Minister auch das Fiasko mit Öcalan verzeichnet wurde.

Leonidas Grigorakos, stellvertretender Innenminister und PASOK-Funktionär, vermied das Thema zu kommentieren und meinte „Pagkalos ist ein großer und seriöser Politiker, er ist sehr intelligent und fähig. Ich respektiere, was er sagt, und kommentiere es nicht.

Auf einer völlig anderen Wellenlänge bewegte sich Apostolos Kaklamanis, der gegenüber der Athener Nachrichtenagentur ANA-MPA unterstrich, „wenn es stimmt, dass die Amerikaner abhörten, hätte die Regierungen Erklärungen von der amerikanischen Botschaft verlangen müssen„.

SYRIZA: sie versuchen den Fall zu verbergen

Zu einer heftigen Attacke gegen die Regierung schritt anlässlich des strittigen Themas der Abhörungen die SYRIZA und unterstrich dabei, die Erklärungen des Herrn Pagkalos versuchen das Wasser zu trüben, indem sie ein Thema in die Lächerlichkeit ziehen und abwerten, das die nationale Souveränität des Landes betrifft.

Sputet sich möglicherweise der … ‚erfahrene‘ Herr Pagkalos mittels der Kultivierung eines Klimas der Lächerlichkeit die Bedeutung der Enthüllungen des deutschen Magazins Spiegel in Zusammenhang mit dem Vorliegen eines Schriftstücks der NSA, in dem die amerikanische Botschaft in Athen als Zentrum für Ausspionierung und Abhörung von Kommunikationen benannt wird, abzuwerten, lächerlich zu machen und schließlich zu verhüllen?„, fragte sich der SYRIZA-Abgeordnete Theodoros Dritsas.

Es geht nicht nur um die Abhörungen einzelner politischer Personen, sondern sie betreffen Millionen Gespräche von Bürgern des Landes„, unterstrich Kostas Isychos, Mitglied des Politbüros der SYRIZA, und fügte an: „Der ‚geschwätzige‘ Regierungssprecher lässt – wie auch die politische Führung des Landes – diese gefährlichen Entwicklungen unkommentiert.

Die Unabhängigen Hellenen (ANEL) betonten, es erhebe sich ein Thema nationaler Souveränität, und merken an, „es müssen diejenigen gefunden werden, die das Vaterland zu schädigen wünschen und sich dabei des ehemaligen Ministers als ‚Lautsprecher‘ bedienen„.

Diese Praktiken sind mit dem Kapitalismus verflochten„, merkte Dimitris Koutsoumpas, Vorsitzender der KKE, an und meinte: „Solange es Klassengesellschaften gibt […] wird es auch all die Folgen, die Konsequenzen geben, wie es die Abhörungen, die Ausspionierungen sind.

DIMAR fordert Protestnote an die USA

Sie sollen umgehend Erklärungen verlangen und wenigstens zu einer Protestnote an die USA schreiten„, ruft die Demokratische Linke (DIMAR) anlässlich der journalistischen Enthüllungen über Abhörungen europäischer Politiker und Bürger durch die NSA der USA die die Regierung und das Außenministerium auf. Zusätzlich spricht sie von „angemessenen Fragen, aber auch Beunruhigung„, welche die Enthüllungen hervorrufen, und betont „es ist unvorstellbar, dass die Botschaft eines Landes als ‚Abhörzentrum‘ fungiert„.

(Quelle: Avgi)

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