Griechenland: Die Troika, die Drachme und der Euro (1)

29. November 2013 / Aktualisiert: 12. Dezember 2015 / Aufrufe: 4.664

Der Wirtschaftswissenschaftler Vasilis Viliardos untersucht im ersten Teil einer Analyse die ungeheuren Probleme, welche die Politik der Troika in Griechenland verursachte.

Die „Austeritäts-Politik“, besser gesagt die „Memoranden“, wie die Griechenland von der Troika aufgezwungenen Business-Pläne genannt werden, sind ohne den geringsten Zweifel vollkommen gescheitert.

Diese Tatsache lässt sich nicht nur aus dem haarsträubenden Rückgang des BIP, der größer als jener der großen Rezession von 1930 ist, oder aus dem dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit einschließlich des Bankrotts tausender kleiner und mittlerer Unternehmen schlussfolgern, sondern auch aus dem nicht erfolgten veranschlagten Rückgang der öffentlichen Verschuldung sowie ebenfalls aus der nicht erfolgten Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit.

Dies gilt erst recht, wenn trotz der wiederholten Steuererhöhungen, der „Konfiszierungen“ von Vermögenswerten sowie ebenfalls der ungeheuren Beschneidungen der Löhne die öffentliche Verschuldung von ungefähr 128% des BIP im Jahr 2009 auf 180% gegen Ende 2013 anstieg, obwohl zwei Schuldenschnitte vorausgingen.

Die Troika wird vor nichts zurückschrecken

Die sozialen Folgen der Austeritäts-Politik sind erschreckend, da ungefähr 40% der Bevölkerung unter oder nahe an der Armutsgrenze leben. Abgesehen davon hat die drastische Senkung der öffentlichen Ausgaben unser nationales Gesundheitssystem an den Rand des Abgrunds geführt, während die Schulen sich in einem elenden Zustand befinden und ebenfalls die Emigration der Griechen ungeheure Dimensionen annimmt (allein nach Deutschland wurde 2012 ein Anstieg von 73% im Vergleich zu 2011 festgestellt).

Selbstverständlich wird die Schrumpfung der griechischen Wirtschaft nicht auf immer und ewig weitergehen, sodass zu irgend einem Zeitpunkt zwangsläufig das Wachstum folgen wird – wenn auch von einem sehr niedrigen „Startpunkt“ aus. Erwartungsgemäß werden dann die Verfechter der Memoranden und der Troika in Jubelschreie ausbrechen und behaupten, ihre Politik sei von Erfolg gekrönt worden – und folglich einfach nur Zeit und Geduld nötig war, damit die „strukturellen“ Änderungen das erwartete Resultat haben.

Wir halten für völlig sicher, dass sie sich nicht auf die riesigen wirtschaftlichen Schäden beziehen werden, die bis dahin verursacht worden sind – und erst recht nicht darauf, dass viele Jahrzehnte erforderlich sein werden, damit erneut die hunderttausende Arbeitsplätze geschaffen werden, die in einem minimalen Zeitraum zerstört wurden. Ebenfalls ist sicher, dass absolut keinerlei Erwähnung des menschlichen Leids, welches völlig grundlos die kriminellen Maßnahmen verursacht haben, und auch nicht der Verelendung tausender Bürger oder der vorhergegangenen Suizide erfolgen wird.

Schließlich ist absolut sicher, dass die Troika sich heftig gegen jeden Versuch ihrer Vertreibung wehren wird, bevor sie ihre Mission zu Ende gebracht hat, und sogar auch nicht davor zurückschrecken wird, Verbrechen oder „Provokationen“ anderer Art zu „organisieren“ um die Gesellschaft zu terrorisieren, damit diese nicht reagiert.

Dennoch ist unmöglich, dass die Bürger nicht begreifen, wer und zu welchem Zweck die heimtückischen Angriffe gegen ihr Vaterland „orchestriert“, und werden erst recht nicht die Einnahme Griechenlands zulassen, nachdem die von den Invasoren geplante Destabilisierung und der gesellschaftliche Zusammenbruch vorausgegangen ist.

Analyse

Wir haben uns viele Male, noch bevor die Invasion begann, aber auch später, auf die Tatsache bezogen, dass das Eintreffen des IWF in einem Land zu einem Krieg analoge Zerstörungen verursacht, da er alle gesellschaftlichen Strukturen zerschlägt, die Krankenhäuser und Schulen abreißt und Millionen Menschen ausplündert, verelendet und „ruiniert“.

Erst recht, wenn wie im Fall Griechenlands auch das preußische Deutschland beteiligt ist, das mehr als unerbittlich ist – welche Tatsache sich leicht aus der Weise folgern lässt, auf die es sich gegenüber seinen eigenen Bürgern gebärdet. Folglich ist jeder verstreichende Tag wertvoll, da er vielen Monaten entspricht, die nötig sein werden, damit die „Wunden“ unseres Vaterlands „heilen“.

In diesem Rahmen haben wir Griechen einzig und allein für eins Sorge zu tragen: nämlich ganz simpel, auf welche Weise wir die Troika zu vertreiben schaffen, ohne eine noch größere Katastrophe in unserem Land, für uns selbst, unsere Kinder und Enkelkinder zu verursachen.

Die „unartikulierten Schreie“, also die unreifen revolutionären Erklärungen gegen die Troika und ihre Memoranden, die nicht auf einen realistisch umsetzbaren Plan zu ihrer Vertreibung gestützt sind, haben offensichtlich keinerlei Resultat. Sie helfen einfach nur der „Abreagierung“ der Massen, wobei sie es den Invasoren noch leichter machen und das Problem in die Länge ziehen, wenn nicht gar verschlimmern.

Einfach ausgedrückt gestatten die inhaltslosen „Schlachtrufe gegen das Memorandum“ das kontrollierte Ablassen des Dampfs aus einem kochenden Topf und verhindern so seine Explosion. Noch schlimmer, sie fungieren wie im Beispiel mit dem Frosch, der sich langsam an das warme Wasser gewöhnt, obwohl es schrittweise immer heißer wird – mit dem Ergebnis, dass er nicht reagiert und ruhig stirbt.

Unsere Einführung abschließend, dokumentiert alles, was sich bisher ereignet hat, leider auf die schlimmstmögliche Weise unsere Schlussfolgerungen, da sich die wirtschaftlichen Größen unseres Landes Tag für Tag verschlimmern und deren „Korrektur“ immer schwerer machen. Spezieller Folgendes:

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  1. Skyjumper
    29. November 2013, 14:05 | #1

    Eine sehr treffsichere Analyse, die ihren Höhepunkt im Vergleich der Troika-Memoranden mit der Versailler Vertrag findet. Im Epilog allerdings verliert sie m.E.n. dann allerdings ihren Realismus indem der Euro als Währung nicht kategorisch ausgeschlossen wird. Wenn richtigerweise festgestellt wird, dass Griechenland einen Plan benötigt der sich ausschließlich auf griechische Kräfte stützt, dass schließt bereits dies den Euro als Währung für GR aus.
    Wenn richtigerweise festgestellt wird, dass GR sich von den äusseren Zwängen befreien muss, dann schließt auch das den Euro als Währung kategorisch aus, denn es ist unrealistisch zu fordern, ja überhaupt auch nur zu erwarten, dass bei einer Zwangsverbindung durch die Währung eine Einmischung ausbleibt.

  2. LiFe
    29. November 2013, 23:17 | #2

    Das Experiment Euro ist doch schon längst gescheitert. Das müssen Eurokraten in Brüssel langsam begriffen haben. Die Schulden sowohl im staatlichen, als auch im privaten Haushalt explodieren. Immer weniger Einnahmen und immer mehr Ausgaben. Lediglich Banken überleben, der griech. Aktienmarkt steigt und die Menschen sind arbeitslos, völlig ohne Einkommen und regelrecht pleite. Mehr geht nicht mehr. Ein wirtschaftlicher Aufschwung sei von Nöten, aber wer kann unter diesen Umständen investieren? Das Land hat sich m. E. kaputtgespart!

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