Zunahme der Selbstmorde in Westgriechenland um 30 Prozent

31. Oktober 2013 / Aktualisiert: 27. August 2015 / Aufrufe: 1.278

In Westgriechenland wurde während der beiden letzten Jahre eine Zunahme der Selbstmorde um über 30 Prozent verzeichnet.

In einer Sackgasse befinden sich in den beiden letzten Jahren tausende Bürger in Westgriechenland, die wegen der wirtschaftlichen Krise die Verelendung erleben. Zur selben Stunde verteilen staatliche Bedienstete und „professionelle“ Faktoren der lokalen Selbstverwaltung die öffentlichen Gelder auf undurchsichtige und skandalöse Weise an die bekannten „Unternehmer“, ohne sich dafür zu interessieren, was um sie herum geschieht.

Eigentümer kleiner Unternehmen, entlassene Beschäftigte des privaten Sektors, einfache Arbeiter, Rentner, aber auch junge Leute befinden sich inzwischen unterhalb der Armutsgrenze. Auf alltäglicher Basis „belagern“ sie mit ihren Telefonaten zu Hunderten die Büros der lokalen humanitären Organisationen und betteln um eine Tüte mit Lebensmitteln, die ihnen etwas Luft verschaffen und helfen wird, sich und ihre Familien zu ernähren. Einige von ihnen begeben sich nachts heimlich zu den Mülltonnen und suchen nach etwas Brauchbarem für ihr Überleben.

Die meisten Selbstmörder stammen aus den produktiven Schichten

Die Situation ist mehr als tragisch, und viele unserer Mitmenschen, die empfindlichsten und hauptsächlich die am meisten verwundbaren, vermögen leider nicht, ihr unerwartetes Kreuz zu tragen und folgen dem Weg der Verzweiflungstat, indem sie ihrem Leben auf tragische Weise einen Schluss setzen.

Die Äußerungen der Leiterin des gerichtsmedizinischen Instituts in Patras, Angeliki Tziola, sind erschütternd. „In den beiden letzten Jahren gibt es einen signifikanten Anstieg – von über 30% – der Selbstmordfälle in Westgriechenland, die sich hauptsächlich auf Bürger beziehen, die aus den produktiven Schichten stammen. Menschen, die bis gestern ordentlich für ihre Familien sorgten, die sich plötzlich wirtschaftlich vernichtet und einem unerträglichen Druck ausgesetzt sahen, gaben ihrem leben ein Ende. Das Phänomen hat uns alle erschüttert …„, erklärt Frau Tziola gegenüber der Zeitung „Eleftherotypia“ und fügt an, in dieser tragischen Situation gebe es keine Möglichkeit zur Reaktion, um die in einer wirtschaftlichen Sackgasse befindlichen Bürger von dem Selbstmord abzuhalten.

Drinks an Pools illegaler Villen und Gespenster an den Mülltonnen

Auf der anderen Seite können oder wollen der Staat, die Inhaber von Schlüsselpositionen in der lokalen Selbstverwaltung und der Bezirksverwaltung Westgriechenlands, die Siegelführer und Unterschriftsberechtigten das Drama ihrer zigtausend Mitbürger nicht wahrnehmen. Die tragische wirtschaftliche Lage des Landes ignorierend fahren sie darin fort, einen „Tanz“ der Millionen Euro aus öffentlichen Geldern zu veranstalten, indem sie auf provozierende Weise die Bankkonten der lokalen „Unternehmer“ der Verfilzung füttern.

Der selbe Mechanismus der staatlichen Bediensteten und Faktoren der lokalen Selbstverwaltung, der für die wirtschaftliche Krise unseres Landes verantwortlich ist, führt selbst heute noch auch in Westgriechenland das Kommando und vergibt durch skandalöse Direktvergaben oder „gezinkte“ Ausschreibungen Aufträge an befreundete Unternehmer – parteiliche Chamäleons des verfaulten politischen Systems.

Zu einer Stunde, wo dort draußen etliche unserer Mitbürger wie Gespenster zu den Mülltonnen gleiten und nach etwas Essbarem suchen, nehmen gewisse mächtige lokale Faktoren, behördliche Funktionäre und gewählte Vertreter der Selbstverwaltung an den Swimmingpools ihrer illegal gebauten Strandhäuser ihren Drink zu sich und entscheiden, an wen sie den nächsten mit öffentlichen Geldern finanzierten Deal vergeben werden – immer im Namen des Wachstums oder der Kultur …

(Quelle: Eleftherotypia)

Relevante Beiträge:

  1. 31. Oktober 2013, 13:40 | #1

    Endlich einmal jemand, der mehr als nur die Finanzen sieht. Das „achsoböse“ griechische Volk, das die letzten zwei Jahre beleidigt und als „Pleite-Geier“ und was nicht sonst noch in den Medien tituliert wurde, hat nicht umsonst solche Reaktionen hervorgebracht.
    Die Menschen leiden. Ich bin selbst Griechin und kriege die Umstände aus erster Hand mit. Die Menschen haben nicht nur Hunger: sie haben kein Geld irgendwohin zu kommen, sie haben kein Geld, ihre Familie zu ernähren, sie haben kein Geld für die Ärzte und für Medikamente. Unabhängig davon, dass Viele nur noch zuhause bleiben. Natürlich werden Menschen da depressiv und früher oder später kommen die Suizidgedanken ganz von alleine …
    In Griechenland muss sich etwas ändern, etwas Grundlegendes … Ansonsten gibt es echt keine Zukunft für Griechenland.

  2. Tinos
    31. Oktober 2013, 14:31 | #2

    Dieser Artikel liest sich schrecklich. Es zeigt aber auch, das egal, welche Reformen versucht werden, der „Filz“ immer noch in den Köpfen mancher Leute existiert. Um den da raus zu bekommen, bedarf es mit Sicherheit noch eine oder zwei Generationen. Diesen „Filz“ merkt man leider immer noch auf allen Ebenen. So lange, wie der griechische Staat immer noch als ein „Selbstbedienungsladen“ angesehen wird, wird sich leider auch nichts ändern. Man kann nur hoffen, das die arme (wirklich gemeinte arme) Bevölkerung bis dahin überlebt.
    Auf der anderen Seite ist aber auch niemand (aus der Bevölkerung) in der Lage, diese Seilschaften mal komplett abzusägen. Da dieser „Filz“ sehr weit in die Tiefe reicht, müsste man da ja schon Hundertschaften absägen … Daher kann ich Lisa hier nur Recht geben: „In Griechenland muss sich etwas ändern …“

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