Schwemme der Antifaschisten in Griechenland

12. Oktober 2013 / Aufrufe: 516

Nach den Entwicklungen rund um die Aktivitäten der rechtsextremistischen Chrysi Avgi in Griechenland treten plötzlich überall Antifaschisten auf.

Überall Antifaschisten. Und zwar sogar fanatische. Man sieht sie, hört sie und versteht, dass sie „keine Fliege auf ihrem Schwert dulden“. Sie sind kämpferisch, sie sind aggressiv, sie sind exorzierend. All dies ereignete sich plötzlich während der wenigen letzten Wochen. Der brutale Mord an Pavlos Fyssas und speziell all das, was mit den Enthüllungen über diese nazistische Ausgeburt folgte, brachte Gewissen zum Erwachen.

Letzteres ist gut. Also das Aufwachen des Gewissens gegenüber dem Faschismus, der in den letzten Jahren leider zunahm. Die sich in falscher Zuversicht Wägenden, die hinsichtlich der einen großen Teil der Gesellschaft vergiftet habenden Schlange Arglosen begriffen, verstanden, wachten auf. Und eventuell werden sie jetzt reagieren, wenn sie schwarz gekleidete Typen Immigranten jagen sehen.

Politiker und Medien verhalfen den Faschismus zum Aufstieg

Das Beeindruckende ist, dass zusammen mit dem arglosen Teil der Gesellschaft auch etliche Jener aufwachten, die dem Phänomen des Neofaschismus zum Aufstieg verhalfen. Politiker und Medien. Nicht alle Politiker, wehe uns, wenn es alle wären. Nicht alle Medien, aber die meisten und speziell jene, die in einem hohen Maß die Bevölkerung beeinflussen. Die Hauptverantwortung bezüglich ersterer, also der Politiker, betrifft die Regierung. Diese folgte – mittels des Mundes des Premierministers – der Agenda, welche die „Chrysi Avgi“ gestaltete und ihr immer mehr Wähler in die Arme trieb.

Lassen wir es anhand eines Beispiels erklären. Das Fehlen einer konstituierten Politik bezüglich des Themas der Immigration, das die nazistische Organisation ausnutzte, wurde durch Parolen des Typs „wir werden die Städte zurückerobern“ substituiert. Dies verkündete Samaras von den Balkons, wie überzeugend war er jedoch für jene, welche die Dinge irrig deuten und die Immigranten als die Quelle des Bösen betrachten?

Lassen wir es auch anhand eines zweiten Beispiels erklären. Die kleinparteiliche Einschätzung, die Wähler der Chrysi Avgi kämen aus dem „Reservoir“ der Nea Dimokratia (ND) – und könnten somit zurückkehren – machte viele Regierungsfaktoren zaghaft. Sie vermieden es, von einem der Chrysi Avig folgenden rechtsextremistischen, faschistischen Teil der Gesellschaft zu sprechen. Und damit zusammen vermieden sie es, sich mit den Verbrechen der Organisation zu befassen. Morde, Mordversuche, Waffengebrauch, Verbindungen zu der Polizei usw.

Medien informierten die Gesellschaft nicht

Für letztere, also die Medien, sind die Dinge noch schlimmer. Sie agieren unter kommerziellen Bedingungen, die Nachricht ist eine Ware, und wenn die Ware sich nicht verkauft, wird sie nicht reproduziert. Einige im Zentrum der Stadt abgeschlachtete Immigranten waren eine Nachricht kurz vor den Wetterberichten (wert). Später gab es sie nicht einmal dort. Sie zogen die Wohltätigkeitsveranstaltungen reicher Damen aus Ekali vor. Somit beschränkten sich die Meldungen über Verbrechen der nazistischen Organisation auf kleine Medien geringer Reichweite. Die Gesellschaft, von ein großer Teil Informationen aus mächtigen (TV-) Kanälen, Radiosendern schöpft, wurde nicht informiert.

Der Grad der Verantwortung der Medien beschränkt sich jedoch nicht nur darauf. Einige von ihnen betrachteten Kassidiaris als eine interessante Person, um ihn unter Life-Style-Bedingungen zu einer Ware aufzubauen, die „verkauft“. Beschönigung, Schuldbefreiung, ein konsumfertiges Produkt. Nehmen wir die Opportunitäten der Promotion aus Gründen politischer Identifizierung aus und beschränken wir uns auf die von den Medien erfolgte Verwertung.

Der Mord an Fyssas stürzte alles um. Sogar auch Medien, die sich bisher nicht sei es auch im Geringsten mit dem Phänomen des Faschismus befasst hatten, verhalten sich überraschend, als ob sie das Schießpulver erfunden hätten. „Sie sind gefährlich“, rief ein TV-Kommentator aus – der selbe, der sie vor wenigen Jahren in seine Sendungen einlud und in den Himmel lobte.

Es scheint etwas in Gang geraten zu sein

Aber auch die Politiker, die bisher gefährliche Spiele mit ihnen spielten, beschlossen, dass das Problem ernsthaft ist. Ich weiß nicht, wie glaubhaft sie noch sind, vielleicht beruht der Grad der Einflussnahme der Neonazis auch auf diesem Vertrauensverlust. Wenn wir sogar auch einige Verschwörungstheorien einbeziehen (die uns so wie so gefallen), dann ja, ein Teil der Gesellschaft ist nicht der Ansicht, dass dieses Phänomen zu entwurzeln ist, sondern führen es auf diverse merkwürdige Szenarien einer Verschwörung zurück.

Sei es drum, das Resultat zeigt, dass etwas im Gange ist. Wir erfuhren, worum es sich handelt, wir wissen nun Bescheid, wir wissen, wie gefährlich sie sind. Und ebenfalls erfuhren wir so klar wie möglich, dass eine respektable Anzahl von Griechen ihre Ideen und Handlungen umarmen. Hoffen wir wenigstens, dass die (verspäteten und arglosen) Antifaschisten begreifen, dass all dies nichts Momentanes war …

(Quelle: Protagon.gr, Autor: Giannis Pantelakis)

Relevante Beiträge:

Kommentare sind geschlossen