Neue Ohrfeige für Regierung in Griechenland

19. Oktober 2013 / Aktualisiert: 07. April 2020 / Aufrufe: 3.113

Die Zentralbank in Griechenland verpasste Finanzministerium und Regierung eine weitere Ohrfeige bezüglich des bejubelten angeblichen primären Haushaltsüberschusses.

Laut den am 15 Oktober 2013 von der Griechischen Bank veröffentlichten Daten gestaltete sich in der Periode Januar – September 2013 das laufende Kassendefizit des Haushaltsplans auf 3,31 Mrd. Euro.

Im selben Moment vertritt jedoch das Finanzministerium, Griechenland präsentiere in dem besagten Zeitraum einen primären Überschuss der Größenordnung von 3,01 Mrd. Euro, mit der Aussicht, dass das Jahr 2013 mit einem Überschuss in Höhe von 350 Mio. Euro abschließen wird, der (sofern sich dies bestätigen wird) im Frühjahr 2014 offiziell bestätigt werden wird.

Fiktiver Überschuss auf Basis kreativer Logistik

Die große Entfernung, die den primären Überschuss von dem primären Defizit trennt, ist laut der Griechischen Bank auf einer Reihe von Gründen zurückzuführen, die – sich auf ersteres auswirkend – zu letzterem führen. Laut der Zentralbank beruht das Umschlagen des Defizits in einen Überschuss auf:

  1. der Einbeziehung von Einnahmen in Höhe von 1,5 Mrd. Euro aus dem Transfer der Gewinne aus griechischen Staatsanleihen von den Zentralbanken des Eurosystems an Griechenland und
  2. der Ausklammerung von Aufwendungen in Höhe von 4,82 Mrd. Euro, die sich auf die Begleichung fälliger Verbindlichkeiten (des griechischen Fiskus) beziehen.

Aus den selben Daten der griechischen Zentralbank geht weiter hervor, dass in dem Zeitraum Januar – September 2013 das Kassenergebnis der Zentralregierung ein Defizit von 8,88 Mrd. Euro präsentierte, gegenüber einem Defizit von 6,53 Mrd. Euro des entsprechenden Zeitraums des Jahres 2012.

Finanzminister hofft auf Reduzierung der Verschuldung

Die Einnahmen des regulären Haushalts während der revidierten Periode, in denen die Einnahmen in Höhe von 1,5 Mrd. Euro aus dem Transfer der Gewinne aus griechischen Staatsanleihen von den Zentralbanken des Euro-Systems nicht enthalten sind, gestalteten sich auf 32,74 Mrd. Euro, gegenüber 34,06 Mrd. Euro im vergangenen Jahr.

Was die Ausgaben des regulären Haushalts betrifft, in denen auch Aufwendungen in Höhe von 4,82 Mrd. Euro umfasst sind, die sich auf die Begleichung fälliger Verbindlichkeiten beziehen, gestalteten sie sich auf 42,68 Mrd. Euro, gegenüber 40,47 Mrd. Euro im Zeitraum Januar – September 2012.

Laut Finanzminister Giannis Stournaras wird Griechenland, sofern es in diesem Jahr (2013) einen – sei es auch nur marginalen – Überschuss erzielt, jedenfalls aus einer besseren Position heraus eine neue Reduzierung der öffentlichen Verschuldung fordern können.

(Quelle: DimokratiaNews.gr)

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  1. Skyjumper
    21. Oktober 2013, 02:03 | #1

    Will heißen: Ohne Berücksichtigung der buchhalterischen Tricks liegt der Saldo für die ersten 9 Monate 2013 bei rund 10 Mrd. €, und hochgerechnet auf´s Jahr bei 13 Mrd. €. Und das ist trotz aller durchgeführten Sparmaßnahmen und ihrer sozialen Auswirkungen dann etwa soviel wie in 2012. Durch das auch in 2013 weiter gesunkene BIP steigt die Neuverschuldung in Relation zum BIP also weiter.

    Wenn keine positiven Überraschungen eintreten, dürfte die Verschuldungsquote Griechenlands also Ende 2013 einen neuen Rekord aufweisen … rund 50 %-Punkte höher als Ende 2009. Und die Verschuldungsquote per Ende 2009 nahm man im Mai 2010 zum Anlass für das 1. „Rettungspaket“.

    Und heute, nach bisher 3 „Rettungspaketen“ und 50 %-Punkten höherer Verschuldungsquote
    und grottenschlechter Lebensbedingungen für die Menschen in Griechenland … heute erzählt man uns weiterhin, dass Griechenland auf dem Weg der Gesundung sei und kein Zwang für einen weiteren Schuldenschnitt besteht … einfach lächerlich.

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