Griechenland: Das Land, das die Investitionen vorbeiziehen sah

17. Oktober 2013 / Aktualisiert: 06. Mai 2021 / Aufrufe: 1.931

Das Fiasko mit der DEPA und der „Verkauf“ des DESFA

Selbst als die Regierungs-Spezies diese Botschaft (der Katarer) erhielten, brachten sie es nicht besser fertig, da sich ihnen gegenüber keine träumerischen Investoren, sondern die härtesten Unternehmer der Welt befanden. Dies bestätigte das Fiasko mit der Öffentlichen Gesellschaft (DEPA). TAIPED und Regierung ließen sich bei der internationalen Ausschreibung über den Verkauf der DEPA von dem … Reiz der Gazprom mitreißen. Und anstatt die Angebote aller Interessenten zu untersuchen, fanden sie sich „plötzlich“ in der Situation wieder, dass Samaras nur mit einem (den Russen) Gespräche führt und ihren Vorstandsvorsitzenden Alexei Miller als „Freund“ im Megaro Maximou (Anmerkung: gemeint ist der offizielle Regierungssitz) empfängt. Dort stellte der Russe besonders harte Bedingungen, die der griechische Premierminister akzeptierte.

Trotz allem zogen die Russen sich wenige Stunden vor dem Auslaufen der Frist zurück und ließen Samaras gleich doppelt bloßgestellt: nämlich mit dem Makel behaftet, bei einer internationalen Ausschreibung einen bevorzugten Gesprächspartner empfangen zu haben, aber auch, dass dieser Gesprächspartner sich … beschwingt hüpfend verabschiedete.

In der Regierung wurde also offensichtlich nicht verstanden, dass die russische Seite ab einem gewissen Punkt ein Spiel mit der Zeit und den rechtlichen Aspekten trieb, um sich … heldenhaft zurückziehen zu können, wie sie es dann auch tat. Und weiter begriffen sie erst damals, dass es für die Gazprom in dieser Periode sehr viel wichtiger war, den laufenden Vertrag des (fast) exklusiven Lieferanten der DEPA bis 2016 sicherzustellen, anstatt Geld zu zahlen um letztere aufzukaufen. Und damit ihren in Griechenland um 30% überteuerten Tarif aufrecht zu erhalten.

In der Regierung wurde versucht, das Fiasko mit der DEPA durch den Verkauf des Verwalters des Nationalen Erdgassystems (DESFA) für 400 Mio. Euro auszugleichen, was das – theoretische – Angebot der SOCAR aus Aserbaidschan war. Jedoch ist auch dieser Verkauf ins „Stocken“ geraten und es wird etlicher Monate bedürfen, damit das Rätsel gelöst wird, ob der DESFA letztendlich verkauft werden kann.

Grundsätzlich wurde die SOCAR nicht zum vorläufig zu bevorzugenden Investor erklärt, weil sie nicht den einschlägigen Garantiebrief über 40 Mio. Euro eingereicht hat. Selbst wenn sie ihn eingereicht hätte, griff jedoch die EU in Bezug darauf ein, ob die Gasgesellschaft eines Drittlandes den Betreiber eines Mitgliedslands der EU aufkaufen kann. Die griechische Regierung unterzeichnete derweilen den Ankauf der ersten Gaskontingente, welche die – unser Griechenland durchquerende – Aserbaidschaner TAP-Pipeline passieren werden … . Die Vereinbarung über die Bezahlung des Gases ist so gestaltet, dass die Aserbaidschaner den Kauf der DESFA in drei, vier Jährchen amortisiert haben werden …

Verramschung hochwertiger Immobilien

Die Überlassung der 50 Hektar bei Kassiopi auf Korfu in Form der langfristigen Verpachtung für 99 Jahre an den einzigen aufgetretenen Interessenten (die amerikanische NCH Capital) wurde gegen 23 Mio. Euro genehmigt. Der TAIPAD … bejubelte sogar, die gesamte Investition der Amerikaner in der Region werde 75 Mio. Euro erreichen – wobei es sich natürlich nicht um mehr als Gebäude für touristische Unterkünfte und Villen handelt, welche die Ausländer verwerten werden. Das Geld befindet sich jedoch noch … auf der langen Bank, weil – damit die Auszahlung voranschreitet – der Investitionsplan zu genehmigen ist, der Verzögerungen bei den Baugenehmigungen, aber auch dutzenden Klagen lokaler Träger begegnet. Aus ähnlichen Gründen wurde außerdem auch die Ausschreibung über das Areal bei Afandou auf Rhodos storniert.

Analog war ebenfalls die Überlassung des „International Broadcasting Centers“ (IBC) an den Latsis-Konzern gefeiert worden. Die Lamda Development brachte es fertig, entsprechend für 90 Jahre die gesamte Immobilie in Marousi für 81 Mio. Euro zu bekommen, also zu einem viel geringeren Preis, als sie für die Anmietung eines Teils davon (das Einkaufszentrum Golden Hall) zahlte. Während sie also jedes Jahr um die 8 Mio. Euro für das Golden Hall entrichteten und dem Staat insgesamt 720 Mio. Euro zu zahlen gehabt hätten, erhielten sie als Mitgift auch noch weitere 15.000 Quadratmeter für Läden, die ihnen Mieten einbringen werden, und geben insgesamt gerade einmal 81 Mio. Euro aus. Hier existiert wenigstens die Pachtzahlung …

Lotterie und Wettspiele – OPAP

Bei der Staatslotterie gab das (ebenfalls) einzige Konsortium, das den Erwerb des Projekts anstrebte [also die Formation OPAP (34%), Lottomatica (33%), Scientific Games und Intralot (mit jeweils 16,6%)] verfolgte, ein Angebot über eine einmalige Zahlung von 190 Mio. Euro und die garantierte Entrichtung von 580 Mio. Euro während der Dauer des 12-jährigen Vertrags) ab. Die Anzahlung wurde jedoch von dem Ausscheiden der Lottomatica begleitet. Und jetzt ist der OPAP mit 67% an dem Lotterie-Konsortium aufgefordert, aus seiner eigenen Kasse umgehend … 125 Mio. Euro an den Staat zu entrichten. Also 65 Mio. Euro mehr, als er in seinem anfänglichen Gebot veranschlagt hatte. Eine Entwicklung, die mit der verfügbaren Liquidität als gegeben die neue Leitung des OPAP – die das Thema seit Monaten monierte – sehr wahrscheinlich zur Aufnahme neuer Kredite führen wird.

Auch im Fall des OPAP verliefen die Dinge jedoch nicht viel besser. Praktisch war das Angebot ein solches, das die beiden griechischen Interessenten (MelissanidisCopelouzos) an dem Träger mit einem starken ausländischen Geldgeber (Smets von der PPF) in einer Formation zusammenfasste. Die beiden Griechen garantieren hier dem Ausländer die Sicherheit seiner Investition und der Ausländer garantiert im Gegenzug den Griechen das Bargeld, um bei dem OPAP … an den Ball zu kommen.

Nebenbei bemerkt: Der Third Points Fund des Daniel Loeb wurde in Griechenland als der Investor gepriesen, der gewann … indem er auf Griechenland setzte. In Wirklichkeit war es nichts anderes als eine spekulative Wette auf die griechischen Anleihen (als ob man sein gesamtes Geld auf „2“ im Mundial-Spiel Brasilien gegen Griechenland setzen würde), die Loeb einfach nur aufgrund seiner speziellen Informationen gewann. Von da an bildete Loeb seinen griechischen Zweig, Hellenic Recovery Fund, der (fast) keinerlei Aktivitäten außer dem Dienst hatte, den er der griechischen Regierung erwies, indem er ein „Blanko“-Angebot für den OPAP abgab.

Die Chinesen

Die Chinesen unterzeichneten die Vereinbarung bei der Betriebsgesellschaft des Hafens von Piräus OLP zu dermaßen lukrativen Konditionen, dass sie in zwei, drei Jahren außerordentliche Gewinne aus der Verwaltung des Hafens von Piräus zu verzeichnen beginnen würden, und hinterließen den Eindruck, zu seinem Aufkauf schreiten zu werden und dabei „warmes“ Geld fließen zu lassen. Letztendlich führten jedoch die schlechten Berechnungen und das … wirkliche Gesicht der Chinesen zu einem Stocken, womit praktisch speziell der Verkauf des größten Hafens des Landes bis auf weiteres „auf Eis“ gelegt wurde.

Während im Juni 2013 all jene, die sich hinsichtlich ihrer Informierung auf … die Regierung Samaras verließen und glaubten, Samaras habe den Deal mit den Chinesen bereits unter Dach und Fach gebracht, erweist sich somit das Gegenteil: Die Wechsel in der Firmenleitung der COSCO, die kontinuierlich hochgeschraubten Forderungen der Chinesen, aber auch das „Stopp“ der Kommission haben ein negatives Umfeld geschaffen. Und da die chinesischen Investoren den Russen (wie auch früher die Russen den Arabern) zu ähneln anfingen, begann bei der Regierung das Lächeln zu erstarren, das … gelbe Lösungen für die Investitions-Rätsel des Landes sah. Und etwa so begannen sie darüber nachzudenken, dass die Kanadier der PSP vielleicht eine bessere Wahl als Shenzen und HNA darstellen, die bis neulich als die Favoriten für den Kauf des Atheners Flughafens galten.

(Quelle: To Pontiki)

Artikel weiterlesen: Seite 1 Seite 2

  1. Bisher keine Kommentare
Kommentare sind geschlossen