Elektronische Analphabeten im öffentlichen Dienst in Griechenland

18. Oktober 2013 / Aktualisiert: 30. September 2017 / Aufrufe: 1.200

Einer Erhebung zufolge sind in Griechenland fast zwei Drittel der öffentlichen Bediensteten nicht in der Lage, eine E-Mail zu versenden!

Fast fünf und zehn öffentlichen Bediensteten in Griechenland, also knapp die Hälfte der 607.516 Beschäftigten sind Absolventen von Universitäten oder Technischen Hochschulen, während parallel 40% der Bediensteten einen elektronischen Rechner bedienen können.

Wie die Zeitung „Ta Nea“ berichtet, geht aus dieser „Durchleuchtung“ des öffentlichen Sektors hervor, dass die öffentlichen Bediensteten mit hohen Qualifikationen noch deutlich weniger sind als die Universitäts-Absolventen, da von der Gesamtheit der Beschäftigten gerade einmal 9,2% (55.825 Bedienstete) einen postgradualen Studientitel und 3,4% (20.762 Bedienstete) einen Doktortitel inne haben.

6 von 10 Bediensteten haben keine Kenntnisse in Textverarbeitung

Parallel zeigte die Erhebung, dass die öffentlichen bediensteten in ihrer überwältigenden Mehrheit „elektronische Analphabeten“ sind, da 6 von 10 keine Kenntnisse in der elektronischen Textverarbeitung haben und sich auch nicht mit dem Internet verbinden können, während parallel gerade einmal 35,3% vermögen, eine E-Mail zu verschicken.

Dieser Untersuchung ist natürlich hinzuzurechnen, dass bei den Verwaltungsbeamten eine direkte Forderung nach der Nutzung eines elektronischen Rechners besteht.

Ergänzend sei angemerkt, dass gemäß der „Charta der Rechte des Bürgers in Griechenland“ per E-Mail gestellte Anfragen auf Informationen obligatorisch zu beantworten sind, was jedoch in der Praxis nicht selten schon allein daran scheitert, dass eine effiziente Kontaktaufnahme zu Behörden, Dienststellen oder Sachbearbeitern nicht möglich ist.

(Quelle: Imerisia.gr)

  1. hkohrs
    18. Oktober 2013, 14:03 | #1

    Tolle Erkenntnis, die leider etwas spät gemacht wurde! Das ist eine der Folgen, wenn Stellen nicht nach Qualifikation, sondern nach Verwandtschaftsverhältnis, Parteizugehörigkeit o.ä. besetzt werden.

  2. Robert
    18. Oktober 2013, 16:20 | #2

    Nicht schlecht, Griechenland ist damit ein weißer Fleck auf der NSA Landkarte 🙂

  3. evemar
    18. Oktober 2013, 17:03 | #3

    Traurig und mit Erschrecken in der heutigen Zeit zu Lesen..

  4. Melanie G.
    18. Oktober 2013, 19:32 | #4

    Ja, das Interent ist halt noch Neuland. Das hat Merkel auch schon festgestellt.

  5. LiFe
    18. Oktober 2013, 20:43 | #5

    Wieviel qualifizierte mussten, durchaus kompetentere draußen vor geschlossenen Türen gestanden haben? Wobei ich mich bei dieser Frage nicht nur auf Griechenland festlegen würde.

  6. Ottfried Storz
    18. Oktober 2013, 21:25 | #6

    Es gibt von der OECD mittlerweile eine Vielzahl von Studien zur VerwaltungsINeffizienz in Griechenland. Allesamt zwar englisch, aber online einsehbar. Einfach mal OECD Greece administration googeln. Das Fazit ist immer sehr drastisch: Total Ineffizient, reformunfähig, reformunwillig, elektronisch total veraltet (u.a. keinerlei elektronische Zentralverwaltung), keine Kosten- und Erfolgskontrollen, unqualifiziertes Personal etc etc etc. Alle Regierungs-Versprechungen gegenüber der Troika zum Personalabbau wurden von 2010 bis Mitte 2013 zudem gebrochen.
    Die aktuelle Regierung ist mit Änderungen nur geringfügig weniger langsam, als die vorherige. Selbst ein Schuldenschnitt oder Bankrott Griechenlands würden an der katastrophal schlechten Verwaltung (die u. a. ein wesentliches Investitionshemmnis ist!) nichts ändern. Ohne drastische und schnelle Verbesserungen hat Griechenland so keine Zukunft.

  7. V99 %
    18. Oktober 2013, 22:02 | #7

    Die „Charta“ liest sich ein bisschen wie Realsatire:
    Parallel richtete das Ministerium an die Angestellten und Beamten des Verwaltungsapparates den Appell, jede mögliche Anstrengung zur Verbesserung der Qualität der Dienstleistungen zu unternehmen, welche die öffentliche Verwaltung den Bürgern und Unternehmen bietet, und damit zu der Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der Förderung des wirtschaftlichen Aufschwungs beizutragen.
    Oder:
    Der Bürger hat die Möglichkeit, Fälle unangemessenen Verhaltens, seiner unbegründeten Nichtbedienung, nicht rechtzeitiger Abwicklung seiner Angelegenheiten, Weigerung der Bediensteten des Staates, der JPöR usw. zur Kooperation mit den KEP anzuzeigen, indem er sich an ein KEP seiner Wahl wendet und ein spezielle Antrags- / Beschwerdeformular ausfüllt.

    Dann sollen doch einfach die Beamten Leistungsgerecht bezahlt werden und nicht einfach die Gehaelter aller gnadenlos gekeuerzt werden. Alle die Bedarf haben muessen eine Weiterbildung mitmachen, oder bekommen weniger bis sehr wenig Geld … und schon klappt es mit der Verwaltung! Schoen getrauemt, oder?

  8. Panhellene
    19. Oktober 2013, 09:21 | #8

    Ich konnte desöftern beobachten, daß in griechischen Amtszimmern wohl jeder Mitarbeiter einen PC auf seinem Schreibtisch stehen hatte, aber im Raum meistens nur eine Person in der Lage war, am Computer zu operieren. Ständig mußte dieser „Spezialist“ seinen Kollegen Support leisten. In einem Fall habe ich erfahren, daß gerade diese Person das niedrigste Gehalt hatte …

  9. Wildkatze
    20. Oktober 2013, 17:30 | #9

    Und da wird von allen griechischen Bürgern verlangt, ihre Steuererklärung online zu machen! Ich lach mich schief! Es ist wirklich zum tot lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

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