Schwarzer Montag für Griechenlands Wirtschaft

18. September 2013 / Aufrufe: 2.048

Industrieverband SEV an einer kritischen Wende

Die Lage, in welche die griechische Industrie geraten ist, wird Auswirkungen auch auf die Vertretung der Branche mittels des Arbeitgeber-Dachverbands, sprich des SEV haben.  Es gibt eine anschwellende Anzahl von Unternehmern – Mitgliedern des Verbands, die Kritik an der Weise ausüben, auf welche die Leitung unter Dimitris Daskalopoulos die Situation angeht, in welche die Industrie gelangt ist. Die am häufigsten zu hörende Kritik lautet, der SEV beschäftige sich mehr damit, Politik auszuüben, als Lösungen für die Probleme aufzuzeigen und einzufordern, mit denen die Industrie konfrontiert ist.

Laut den bisherigen Informationen ist die laufende Amtsperiode die letzte des heutigen Präsidenten. Somit haben „Gärungen“ bezüglich der Konvergenz der jeweiligen Ansichten der Mitglieder des SEV auf gemeinsam akzeptierte Personen begonnen. Es werden bereits Namen verlautbar, wie von Spyros Theodoropoulos der Chipita, aber auch des Evangelos Mytilineos des gleichnamigen Konzerns. Jedoch sind sich beide überhaupt nicht sicher, sich in die Gewerkschaftsbewegung der Arbeitgeber einmischen zu wollen, obwohl sie die meisten der Voraussetzungen erfüllen, welche die Mitglieder des SEV zur Bewältigung der Umstände stellen.

Soweit euro2day.gr bekannt ist, antwortet Herr Mytilineos – zumindest derzeit – auf alle einschlägigen Ermunterungen und den auf ihn ausgeübten Druck negativ, erkennt dabei jedoch gleichzeitig an, dass unter den gegenwärtigen Umständen in der Vertretung des griechischen Unternehmertums die beste Lösung gefunden werden muss. Was die Kandidatur Theodoropoulos betrifft, wird ihr von einigen mit dem Argument skeptisch begegnet, er vermöge nicht der angestrebten harten Linie zu dienen.

Die Probleme der VIOHALCO

Zu dem Fall der VIOHALCO zurückkommend ist zu unterstreichen, dass sie einen höchst bedeutsamen Schlag durch die Einebnung der inländischen Bautätigkeit erfuhr, wobei das größte Opfer der Sache ihre Tochtergesellschaft SIDENOR ist. Letztere versuchte die verlorenen Inlandsumsätze durch Exporte zu ersetzen, jedoch hatte sie in diesem Punkt das … dreifache Unglück, sich in Griechenland zu befinden.

  • Erstens, weil sie aufgefordert war, ihre Produkte in Zentraleuropa zu vertreiben und dabei viel höhere Transportkosten als ihre Konkurrenten auf sich genommen hat.
  • Zweitens, weil die griechischen Exportunternehmen mit sehr viel höheren Energiekosten als die Konkurrenten der Europäischen Union und noch höheren im Vergleich zu Ländern außerhalb der EU belastet werden.
  • Drittens, weil die griechischen Unternehmen mit doppelt so hohen Kosten des Geldes wie ihre europäischen Konkurrenten belastet werden.

Mit diesen Energiekosten und solchen Zinssätzen exportieren wir nur für die Spediteure und die Banken„, hatte in der Vergangenheit ein hoher Funktionär des Konzerns in Bezug auf die SIDENOR erklärt und wollte damit die Tatsache betonen, dass die Exporte zu keinem wesentlichen Gewinn führen.

Die schwierige Gleichung

Die VIOHALCO schloss das diesjährige erste Halbjahr mit einem Verlustergebnis und einer Nettoverschuldung bei den Banken von 1,31 Mrd. Euro ab. Ihre Beziehungen zu dem Banksenktor bleiben sehr gut, jedoch kann niemand übersehen, dass der Liquiditäts-Umlaufindex leicht unter einem Punkt liegt, und natürlich auch nicht die Herausforderungen, denen sie wegen der hohen Ausgaben für Energie und Zinsen begegnet.

Abgesehen von dem Kostenproblem (nach den letzten Entwicklungen in der griechischen Wirtschaft erfolgen Vorstöße zur Senkung der Zinsen) stellt sich zusätzlich auch das Thema der Finanzierungsfindung auf mittel- bis langfristiger Basis. Konkret will die VIOHALCO nicht nur Liquidität, um mit der Realisierung von Investitionen fortzufahren, aber wird in der unternommenen Bemühung um eine Erhöhung ihrer Umsätze auf alten und neuen Märkten zusätzlich auch Betriebskapital benötigen.

Laut dem börsennotierten Unternehmen fokussiert sich darauf auch der Grund für die Verlegung seines Sitzes. Erstens hält es eine zukünftige Schöpfung eigenen Kapitals mittels der Brüsseler Euronext für möglich und zweitens wird es Anleihen- und sonstige Emissionen durch ausländische Träger anstreben. Jeder Euro dem Konzern zufließender neuer Liquidität gilt als positives Element, und ebenfalls bedeutet jede Senkung des Zinssatzes um 100 Basispunkte (1%) eine jährliche Kosteneinsparung von 14 Mio. Euro!

Es bleibt allerdings natürlich die Frage, inwieweit die ausländischen Kreditgeber – Investoren sich dafür entscheiden werden, einen Konzern – und zwar zu relativ günstigen Konditionen – zu finanzieren, dessen meiste Produktionsanlagen sich in Griechenland befinden (und befinden werden). Kreise der VIOHALCO bestätigen sogar, nichts Greifbares in der Hand zu haben, fokussieren ihre Bewegungen, die sie schrittweise entwickeln werden, jedoch in diese konkrete Richtung.

(Quelle: euro2day.gr)

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