Schwarzer Montag für Griechenlands Wirtschaft

18. September 2013 / Aufrufe: 1.954

Der Beschluss der VIOHALCO, ihren Hauptsitz von Griechenland nach Belgien zu verlegen, wird von Insidern als die Spitze des Eisbergs charakterisiert.

„Wer ist der Nächste?“ lautete die am vergangenen Montag (16 September 2013) in Unternehmerkreisen vorherrschende Frage, nachdem die Verlegung des Sitzes der VIOHALCO bekannt gegeben worden war – eines Konzerns mit einem ungeheuren spezifischen Gewicht, da er seit langer Zeit der größte Industrieproduzent Griechenlands und für 12% der griechischen Exporte verantwortlich ist!

Die Gründe, welche den Konzern dazu führten, den Sitz der Muttergesellschaft nach Belgien zu verlegen, wurden inzwischen mehr oder weniger ausführlich analysiert und haben mit den hohen Finanzierungskosten, aber auch mit der Belastung der Produktionskosten durch jede Art von Steuern und Abgaben und den hohen Energiepreisen zu tun.

Regierung stellt sich für die Probleme der Industrie taub

Was die inländische Industrie beunruhigt, ist dass alle diese Probleme bekannt sind und breite Auswirkungen auf die griechische Industrie haben, jedoch bisher keinerlei Kursänderung erfolgte, obwohl die Probleme den Mitgliedern der Regierung von ihren höchsten bis hin zu ihren niedrigeren Rängen wiederholt in Einzelheiten dargelegt worden sind.

Charakteristisch ist die gestrige Stellungnahme des Verbands der griechischen Industriellen (SEV), „es kann nicht angehen, dass die gesamte Regierung sich ein Jahr lang mit dem Thema der Mehrwertsteuer in den Restaurants beschäftigt, während sie gleichzeitig das Thema der Sonderverbrauchssteuern bei der Energie ignoriert„. Steuern, die – wie anzumerken ist – um das Fünffache über dem Durchschnitt in Europa liegen.

Vorherrschende Ansicht unter den Industriellen ist, dass die Kombination der Überbesteuerung bei den Produktionskosten und der hohen Kosten, aber auch allgemeinen Schwierigkeiten bei der Finanzierung ein explosives Gemisch für die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Verarbeitung bilden, während als Krönung das investitionsfeindliche Umfeld hinzukommt.

Nachdenklichkeit bezüglich der Rolle der Troika

Industriekreise betonen, dass abgesehen von den Versprechungen praktisch nichts Wesentliches zur Erhaltung der Produktions-Infrastruktur geschieht. Und wenn die griechischen Industriellen einerseits bei ihren Kontakten mit Regierungsfunktionären Versprechungen erhalten (charakteristischer Fall ist die Senkung der Energiepreise), rufen die Begegnungen mit den Vertretern der Gläubiger bzw. der Troika Fragen auf.

Die griechische Unternehmergemeinschaft begegnet den Gläubigern inzwischen mit heftigem Misstrauen. Und hat dazu auch einen Grund. Charakteristisch ist, dass als bei der vor wenigen Wochen erfolgten Begegnung der Vertreter griechischer Top-Unternehmen mit Jörg Asmussen, geschäftsführender Direktor der EZB und laut etlichen Stimmen Wolfgang Schäubles Nachfolger im deutschen Finanzministerium, das Thema der Auswirkungen gestellt wurde, welche die von der Troika durchgesetzte Politik auf die reale Wirtschaft hat, Informationen zufolge die Antwort lautete, „die Troika gibt die allgemeinen Richtungen (Guidelines) vor und die Regierung ist es, welche die von ihr als geeignet beurteilten Maßnahmen beschließt„.

Wie sich jedoch auch im Fall der Griechischen Rüstungsbetriebe (EAS) zeigte, trifft etwas derartiges nicht zu. Aus den an das Licht der Öffentlichkeit gelangten E-Mails ging hervor, dass sogar auch rangniedrigere Funktionäre der Troika in Einzelheiten bestimmen, wie sich der zuständige Minister sogar auch in sehr speziellen Fällen zu bewegen hat. Es herrscht sogar der Eindruck vor, dass die Leute der Troika die selbe Taktik auch in jedem auftretenden Thema befolgen, indem sie Politiken aufzwingen, deren Umsetzung die Schrumpfung selbst solcher Unternehmen verursachte, die von der inländischen Krise normalerweise gar nicht hätten beeinflusst werden dürfen, da sie hauptsächlich exportorientiert sind.

Somit wird in griechischen Unternehmerkreisen immer häufiger die Ansicht zum Ausdruck gebracht, die Taktik der Leute der Troika gehorche möglicherweise einem Plan zur Abwertung der inländischen Verarbeitung und speziell der Exportbetriebe, und zwar entweder zum Vorteil von Konkurrenten oder zur Erleichterung potentieller Aufkäufer.

Dieser Eindruck verstärkte sich speziell nach der Begegnung, die vor dem Sommer 2013 Vertreter energieintensiver Industriebetriebe mit dem bis vor kurzem Vertreter des IWF in Griechenland, Bob Traa hatten. Es sei in Erinnerung gerufen, dass damals auf die Anmerkung eines griechischen Managers, er habe wegen der hohen Erdgaskosten drei Produktionslinien von Griechenland in ein Nachbarland verlegt, Herr Traa ihn – ohne auf die Essenz des Themas einzugehen – ermunterte, auch die letzte noch hier den Betrieb fortsetzende Linie zu schließen, wenn ihr Betrieb für ihn unrentabel sei!

Die Liste ins Ausland abwandernder Unternehmen wächst

Die Verlegung des Sitzes der VIOHALCO ins Ausland, wie es im vergangenen Zeitraum auch mit FAGE und Coca Cola geschah, ist trotz der Tatsache, dass die Produktionseinheiten sich weiterhin innerhalb der Landesgrenzen befinden werden, ein lautstarkes Signal.

Die Verlegung von Produktionslinien kann von der Kostenseite je nach Fall und Art schwieriger oder leichter sein. Die Aufrechterhaltung aller negativen Faktoren für die inländische Produktion, mit dem politischen Personal Unvermögen oder Desinteresse für die Verbesserung des Klimas zeigend, wird vermutlich schrittweise auch solche Verarbeitungsbetriebe außer Landes führen, denen dies möglich ist.

Soweit euro2day.gr bekannt ist, ziehen etliche Unternehmer, die meinen, die Kosten der Verlegung ihrer Produktionsinfrastruktur können relativ bald abgeschrieben werden, ernsthaft in Erwägung, sie in Nachbarländer – sogar auch die Türkei – zu verlagern, da sie dort von den niedrigen Steuersätzen und den unvergleichlich niedrigeren Energiekosten begünstigt werden.

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