Offener Brief an den Staat in Griechenland

9. September 2013 / Aktualisiert: 05. März 2020 / Aufrufe: 1.318

Lieber Staat in Griechenland, wenn Du glaubst, ich würde mich einfach so von Dir fressen lassen, bist Du angeschmiert!

LIEBER STAAT. Ich wollte Dir schon lange schreiben, weil es mir ein Bedürfnis ist, mit Dir zu sprechen. Ich wuchs heran und hatte immer wieder vor, Dir einen Brief zu schreiben, aber es kam etwas dazwischen und ich schob es auf. Jetzt ist jedoch die Stunde gekommen um Dir zu sagen, was ich von Dir denke.

Als ich klein war, lernte ich aus den fürchterlichen Märchen, mit denen meine antiken Vorfahren aufwuchsen, dass Du (Staat) und Deine Freundin (Gewalt) seine Gemächer hoch auf dem Olymp sorgsam bewachtet, damit nicht etwa irgend ein Unerwünschter hereinkommt und seine Ruhe stört. Danach verstrichen viele Jahre und ich erfuhr, Du seiest etwas Wertvolles und Nützliches und ich habe Dich zu respektieren und Dir zu gehorchen, wenn auch ich vorankommen und ein wichtiger Untertan von Dir werden wolle.

Ich glaubte, eine sympathische und liebevolle Person zu finden

Jedoch, mein Staat, verstand ich niemals wer Du bist, was Du bist, ich war immer neugierig, Dein Gesicht zu sehen, Deine Augen, Deine Hände. Das einzige, was ich von Dir sah, war jedoch Dein Bauch, der sich von der Völlerei immer mehr aufblähte. Du schlugst Dir den Bauch voll und ich befürchtete, Deine Wampe könne vielleicht platzen, Du fuhrst jedoch unentwegt und ohne Ende zu fressen fort.

Ich glaubte, in Dir eine sympathische und liebevolle Person zu sehen, der ich vertrauen könnte, wann immer ich es nötig hätte, die mir mit Rat zur Seite stehen würde, wenn ich etwas angestellt hatte. Das einzige was ich jedoch ständig sah, war Dein riesiger Bauch und ein Mund, der seinen Hunger nicht zu stillen vermochte.

Ich dachte mir, irgendwann würden Deine Cholesterinwerte ansteigen und die Ergebnisse Deiner Untersuchungen dermaßen schlimm ausfallen, dass Du notgedrungen mit der Diät beginnst, weil Du von dem vielen Essen platzen würdest, wenn Du so weitermachen würdest. Jedoch vergeblich. Das einzige was Du wolltest, war, ungehemmt alles in Dich hineinzustopfen was Dir in die Quere kam. Programme, Subventionen, Schmiergelder, alles hast Du in einem Bissen weggestopft.

Und es reicht nicht, dass Du nicht zu fressen aufhörtest, zur selben zeit wolltest Du auch, dass ich nichts esse, sei es auch nur um zu überleben. Und je größer Dein Appetit wurde, um so mehr ließt Du mich hungern. Anfangs machte ich mir Sorgen, dann war ich hungrig, danach verärgert, aber …

Lieber Staat, ich sehe Dich und zittere!

Du, lieber Staat, bist jedoch inzwischen ein Ungeheuer geworden. Nicht genug, dass Du alles frisst, es reicht Dir nicht, dass Du von mir nur forderst, und wenn ich Dir nichts gebe, nimmst Du es mir weg. Jetzt begann ich jedoch, Dich zu fürchten. Ja, bei Gott. Ich sehe Dich und zittere … Staat, es tut mir sehr leid es Dir zu sagen, wo ich Dich normalerweise doch respektieren und lieben müsste, aber Du hast Dich in ein Ungeheuer verwandelt, mit einem riesigen Bauch, in einen richtigen, fürchterlichen und perversen KANNIBALEN.

Du hast Dir vorgenommen, uns lebendig zu fressen. Ich weiß es, ich sehe es, ich fühle es. Ich beginne zu begreifen, dass ich es nicht mit einem Ungeheuer, sondern mit einem Kannibalen zu tun habe. Glaube jedoch nicht, ich würde tatenlos sitzen bleiben, damit Du mich einfach so als Snack verspeist. Du hast gesehen, was dem anderen, dem Zyklopen passierte. Ein Kannibale ungeheurer Dimensionen, jedoch wurde er überrumpelt. Odysseus hat ihm das … Glubschauge ausgestochen, obwohl er Poseidon zum Vater hatte. Und Du stützt Dich nun auf Deinen „Poseidon“, der Deutscher ist, aber merk Dir, ich lasse mich mit nichts fressen.

Bitte, mein Staat, mach Dir keinen Kopf, weil ich Dich nicht respektiere, Dich verabscheue und Dich in die Hölle der Geschichte schicken möchte. Du bist nichts wert, und um ehrlich zu sein, warst Du auch niemals etwas wert. Du hast einfach nur einige Deiner Günstlinge untergebracht, und die haben weggeschaut und auch ihr Bauch begann zu wachsen, zusammen mit Deinem.

Staat, ich habe Dich gewarnt …

Du sollst jedoch wissen, dass alles hier bezahlt wird. Nach so vielen Jahren der Völlerei magst Du von dem Cholesterin verschont geblieben sein, jedoch bist Du wohl falsch unterrichtet, ich würde mich tatenlos von Dir fressen lassen.

Ich schuldete, Dir dies zu sagen, damit Du Dich hinterher nicht beschwerst. Wie gesagt habe ich Dich zu füttern, weil Dein Bauch groß ist, ich gab Dir wieder und wieder, aber mich wirst Du nicht fressen. Und unter dem Strich bin ich Dir auch nicht besonders verpflichtet. Ich liebe nur das „maskuline“ Vaterland. Du bist ein „Neutrum“ und hermaphroditisches Ding, mal trägst Du die Schnauze des Alogoskoufis und mal die Fratze des Stournaras.

Staat, ich habe Dich gewarnt, damit Du Dich nicht beschwerst und meinst, ich hätte es Dir nicht gesagt. Ich habe Dich lange genug ertragen, Du kleiner freakiger Kannibale !!!

PS: Meine Geduld ist zu 2/3 ihrer Grenzen erschöpft. Erinnert Dich das an etwas?

Michalis Tzanakis

(Quelle: To Choni)

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KategorienMeinungen
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  1. Catalina
    9. September 2013, 12:21 | #1

    Und weiter? Die Konsequenz? Ich warte auf die Fortsetzung.

  2. Konstantinos
    9. September 2013, 16:55 | #2

    Netter Brief, vermutlich sehen es nun viele Innlandsgriechen ähnlich.
    Arbeitslos, zu hoch besteuert, Zwangsabgaben auf Eigentum, dann Obdachlosigkeit durch Pfändung, weil einer der nichts hat auch nichts bezahlen kann. Es wird nicht mehr lange dauern bis zum Krieg in Griechenland, ob nun ein Bürgerkrieg oder ein anderer. Der Staat hat jahrelang geschlafen, sich gemästet und nun plündert er, das geht immer nur eine kurze Zeit gut, bis es richtig knallen wird.

  3. Triffi
    10. September 2013, 15:38 | #3

    Wer alles verloren hat, hat vor nix mehr Angst … Staat, denk daran …

  4. Ludwig XIV.
    10. September 2013, 17:54 | #4

    „L’Etat c’est moi“ sagte einst Ludwig XIV. Aber der Staat, das sind wir alle. In einer Demokratie bilden die Bürger den Staat. Oder sehe ich das falsch? Seit der Türkenherrschaft, denken aber viele griechische Staatsbürger, ihr Staat sei ein Gegner und sabotieren oder nutzen ihn aus, je nach Bedarf. Dabei merkt man nicht, dass man sich sprichwörtlich ins eigene Fleisch schneidet.

  5. GR-Block
    10. September 2013, 21:36 | #5

    @Ludwig XIV.
    Nur in der Demokratie ist der Staat das Volk. Im Parlamentarismus ist es – stellvertretend für das Volk – das Parlament. Das hat profunde Vorteile: Man muss als Unternehmer nicht das ganze Volk schmieren. Die Griechen tun gut daran, ihrer Obrigkeit zu misstrauen, weil sie deren Karrieren nicht wie andere finanzieren können. Die machen deshalb schon seit Jahrhunderten eher Lobbyarbeit für die jeweiligen Eindringlinge, anstatt für die eigenen Unternehmer. So schnell kann man gar nicht neu Politiker wählen, wie jedes Mal frisches Schmiergeld ins Land kommt.

    Die Behauptung, „der Grieche“ unterstütze sein Land nicht, ist übrigens eine Mär dieser Herrschaften. Aus lauter Verzweiflung verbreiteten die Athener Lobbyisten zu Beginn der Finanzkrise, dieses Volk würde wie kein anderes in der EU die Steuern hinterziehen – was nachweislich falsch war und ist. Die Behauptung, durch höhere Steuermoral Mehreinnahmen zu erzeugen, ist eine wirtschaftswissenschaftliche Lüge, denn die großen Steuerhinterzieher in der EU sitzen natürlich da, wo viel verdient wird.

    Ich muss unbedingt diese Tabelle loswerden, damit „der Grieche“ weiß, woran er sich ein Beispiel für die Umstrukturierung seiner steuerhinterziehenden „Mentalität“ nehmen sollte, nämlich am Skandinavier, dem „glücklichsten“ aller Europäer: shadow economy Europe 2013

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