Neonazis in Griechenland: Vermagst Du einer von uns sein?

26. September 2013 / Aufrufe: 1.282

In einem provokanten Schreiben werden die Anhänger der rechtsradikalen Chrysi Avgi unter anderem gefragt, ob sie für Ihre Idee zu sterben bereit sind.

Ourania Michaloliakou, Tochter des Parteivorsitzenden der Chrysi Avgi in Griechenland
Ourania Michaloliakou

Der Ideologie der Familie treu, antwortet Ourania Michaloliakou, Tochter des Parteivorsitzenden Nikos Michaloliakos der rechtsextremistischen Chrysi Avgi und Leiterin der „Front der Frauen“ der Organisation, auf die Attacken, welche die Partei in den letzten Tagen wegen des Mordes an Pavlos Fyssas erlebt, mit einem Motivationstext und stellt den Anhängern der Organisation die Frage, wie weit sie für „ihre Idee“ zu gehen bereit sind.

In ihrem Text führt die Michaloliakos-Tochter unter anderem – wie sie sagt, an die „Wenigen“ gerichtet – an: „Frag Dich, wie sehr Du bereit bist, Opfer zu bringen, und wie viel Du praktisch zu verlieren hast. Frag Dich, wie weit Du zu gehen bereit bist. Ihr Wenige wisst genau, was ich meine. Frag Dich, ob Du alles, wirklich alles, für eine Idee, unsere Idee zu verlieren vermagst. Frag Dich einfach und entscheide Dich. Vermagst Du einer von uns zu sein? Vermagst Du allein für eine Idee zu leben? Ich kann es. Wir können es. DU?

Nachstehend folgt der in Rede stehende Text in deutscher Übersetzung.

Wie weit bist Du für Deine Ideen zu gehen bereit?

Bei all dem, was in letzter Zeit um uns herum geschieht, haben wir, die wir uns an die Chrysi Avgi erinnern bevor sie mit ihrem Einzug in das Parlament allen bekannt wurde, einige Anmerkungen zu machen. Dieser Text ist folglich nicht für die Gesamtheit der Anhänger der Bewegung bestimmt, sondern für die Wenigen, die bereits selbst sehr gut wissen, wer sie sind.

Viele Male haben wir uns selbst dabei ertappt, uns darüber zu fragen, wer all diese Leute sind, die in unsere Büros kommen, dass wir sie bei unserer Tätigkeit etwas Positives über die Bewegung sagen hören, dass wir niemals so viele Menschen bei Veranstaltungen sahen, oder die Tatsache, dass unsere Ideen in der Gesellschaft jetzt sehr viel freier zum Ausdruck gebracht werden. Legitime und natürliche Überlegungen von Leuten, welche die Ideen in Jahren mit anderer Schwierigkeit und unter Umständen einer anderen Art von Krieg lebten.

Indem wir die Chrysi wachsen und praktisch riesengroß werden und bei jedem unserer Feinde Panik hervorrufen sehen, empfinden wir Stolz und Freude. Wir sehen eine Art von Belohnung für die Mühe, die Opfer und das Blut, die wir dem Kampf schenkten. Nach den letzten Geschehnissen ertappte ich mich dabei, eine andere Art von Überlegungen anzustellen. Ich beschloss also, diesen Text zu schreiben, um ihn mit den Wenigen zu teilen, die genau verstehen was ich meine.

Und wenn die Chrysi Avgi ihre Leute verliert? Und wenn ihre (Stimm-) Anteile zurückfallen? Und wenn sie uns für illegal erklären? Und wenn schließlich die Propaganda des Systems gewinnt? Sicherlich Überlegungen, die wir alle anstellten. Danach traten jedoch gewisse noch düsterere Syllogismen in Erscheinung. Und wenn wir wieder wenige werden? Und wenn sie uns ins Gefängnis stecken? Und wenn sie uns in angeblicher „Vergeltung“ töten?

Um Missverständnisse zu vermeiden, diese konkreten Überlegungen erfolgten ohne jede Spur von Panik in meinen Gedanken. Sie erfolgten in Verwunderung, Unruhe und auch einer Art von Erregung. Ich werde nachstehend erklären, was ich meine.

Uns in die Umarmung der Chrysi Avgi begebend und uns persönlich dieser heiligen Ideologie widmend, haben wir viele Dinge gelernt. Aus der alltäglichen Lebensweise, der Bewältigung der Schwierigkeiten, und wir setzen unsere Seele in den Strudel der Gefühle und des Wissens, die uns diese heilige Ideologie übergibt. Wir werden EINS mit dieser.

Die Zeit verstreicht und ändert sich jedoch. Manche mögen vergessen. Sicherlich sind wir alle in irgend einem Augenblick von unserem Enthusiasmus mitgerissen worden, als wir unsere größten Wünsche langsam Realität werden sahen. Niemand darf jedoch vergessen. Weder den Grund unseres Beitritts zur Bewegung, noch die Opfer, die wir immer für unsere Ideen zu bringen glaubten. Noch wichtiger ist jedoch, nicht zu vergessen, dass der Kampf eine eigenständige Energie und Existenz ist. Bestätigung zu erfahren, ist etwas Optionales, und alle, denen es zuteil wurde, sie zu kosten, haben Glück. Andere haben sie jedoch nie gekostet. Und diese Mitstreiter dürfen wir nicht vergessen.

Frag Dich also, ob Du bereit bist, ins Gefängnis zu gehen, obwohl Du unschuldig bist, einfach nur, weil Du Nationalist bist. Frag Dich, ob Du bereit bist, für das zu sterben, was Du glaubst, jedoch ohne ein Held mit Ruhm und Ehre zu werden. Ein anonymer Toter des Kampfes bleibend. Frag Dich, wie sehr Du bereit bist, Opfer zu bringen, und wie viel Du praktisch zu verlieren hast. Frag Dich, wie weit Du zu gehen bereit bist.

Ihr Wenigen wisst genau, was ich meine. Frag Dich, ob Du alles, wirklich alles, für eine Idee, unsere Idee zu verlieren vermagst. Frag Dich einfach und entscheide Dich. Vermagst Du einer von uns zu sein? Vermagst Du allein für eine Idee zu leben? Ich kann es. Wir können es. DU?

Ourania Michaloliakou

(Quelle: To Pontiki)

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  1. Pavlos
    26. September 2013, 10:29 | #1

    Zum Teufel mit diesen verheerenden Ideologien. Immer sterben Viele für den Vorteil Weniger. Ist es wirklich so schwer demokratisch pragmatisch von Fall zu Fall zu entscheiden?

  2. Realist
    26. September 2013, 12:36 | #2

    Das liest sich wie Wallhall total, dennoch hat der Text einen ernsthaften Hintergrund. Hier geht es darum, dass irregeleitete Leute ein aus ihrer Sicht marodes und dekadentes System beseitigen wollen. Hier geht es darum, die letzten Reste der Sozialsysteme zu retten und den Mittelstand vor dem Untergang zu bewahren. Hier geht es um Brot und Arbeit. Es geht hier um die Verteidigung elementarer Lebensbedürfnisse.

    Das demokratische Griechenland muss endlich lernen, seinen „Wohlstand“ zu sichern und zwar gegen internationale Finanzkonzerne und ausländische Fremdbestimmung. Es sollte auch andere Länder dazu drängen, seine Migranten aufzunehmen, das würde die Verteilungskämpfe in der griechischen Gesellschaft erheblich abmildern. Hätte man diese Ratschläge rechtzeitig beherzigt, wäre die Goldene Morgenröte heute eine bedeutungslose Partei.

  3. Waltom
    26. September 2013, 22:17 | #3

    Das tut weh wenn man es liest, bitte verbreitet es nicht mehr, jede weitere Plattform ist eine zu viel. Das Mantra des Faschismus muss im Nirvana enden.

  4. Catalina
    26. September 2013, 23:10 | #4

    @Waltom
    Kann mich nur anschließen! Wozu muß der ganze „Motivationstext“ von Frau Michaloliakou hier veröffentlicht werden? Wen interessiert der genaue Wortlaut? Sollen Mitglieder in Deutschland geworben werden? An anderer Stelle wurde hier ein Text veröffentlicht, der forderte, dass die Chrysi Avgi in jeder Hinsicht zu ignorieren ist. Also fangt damit an.

  5. Papajoannou
    27. September 2013, 09:07 | #5

    @Catalina
    Ignorieren von verwerflichen, gefährlichen Kräften ist keine Lösung. In Deutschland hat man auch lange – zu lange – versucht, die Neonazis nicht ernst zu nehmen, zu ignorieren. So konnten die in aller Ruhe Netzwerke bilden, sogar in Gefängnissen und den Militärischen Abschirmdienst MAD und selbst den Verfassungsschutz infiltrieren.
    Allerdings stimme ich darin überein, dass solche Texte, wie der von dieser Michaloliakou nicht in ihrer vollen Länge abgedruckt werden sollten. Es reicht ein Berichten über dergleichen, was sein muss um das Phänomen zu thematisieren.

  6. Catalina
    27. September 2013, 10:36 | #6

    @Papajoannou:
    Vielleicht habe ich mich nicht richtig ausgedrückt, aber mir ging es einfach darum, dass dieser Truppe keine Platform gegeben wird, um ihre obskuren Gedanken in allem Umfang auszubreiten. Natürlich soll weiterhin über ihre verwerflichen Taten berichtet werden, aber eben nicht auf die Art und Weise, wie oben geschehen.

  7. Roditisa
    29. September 2013, 08:47 | #7

    Das liest sich so, als hätte sie schon von den bevorstehenden Verhaftungen gewußt.
    Ich hätte es übrigens auch besser gefunden, wenn der Text nicht komplett als Original zu lesen gewesen wäre. Eine Zusammenfassung hätte gereicht.

  8. HJM
    30. September 2013, 00:01 | #8

    @Roditisa
    Ganz meine Meinung. Sie muß rechtzeitig (?) Informationen erhalten haben. Der Text ist im übrigen so unsäglich Blut und Boden verschwurbelt, daß Rosenberg vor Neid erblasst wäre. Aber die Komplett-Veröffentlichung macht Sinn. Nur eine Zusammenfassung würde das Bild verschleiern.

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