Griechenland und die Raserei gegen den Euro

11. September 2013 / Aufrufe: 1.805

7. Betrachten wir jedoch einige Themen konkreter:

Wettbewerbsfähigkeit: Nachdem Griechenland dem Euro beitrat, wurde die laufende Handelsbilanz BESSER. Das Auslandsdefizit sank von 7,80% des BIP im Jahr 2000 auf 5,7% im Jahr 2003, eine Verbesserung von über zwei Prozentpunkten des BIP (Daten des IWF, WEO Database). Dies mag nicht spektakulär sein, jedoch verschlechterte die Wettbewerbsfähigkeit sich mit Griechenlands Beitritt zum Euro jedenfalls NICHT.

Ebenfalls wäre, wenn der selbe Rhythmus sich auch während der folgenden Jahre bis 2009 fortgesetzt hätte, das Auslandsdefizit praktisch auf Null gebracht worden. Als es sich jedoch nach 2005 zu verschlechtern begann, geschah dies nicht wegen des Euro, sondern wegen der erschreckenden Aufblähung der öffentlichen Ausgaben, die von 31 Mrd. Euro im Jahr 2003 auf 62 Mrd. Euro im Jahr 2009 stiegen.

Angenommen, zum Ausgleich wären Abwertungen der Währung erfolgt, wäre das einzige sichere Resultat die Schrumpfung der realen Löhne und nicht der Anstieg der Exporte gewesen. Wir sehen es im übrigen auch heute mit der inländischen Abwertung: 2012 waren die Mindestlöhne seit 2010 um 23% gesenkt worden, die Exporte stiegen jedoch mit Müh und Not gerade einmal um 3% an (Griechische Bank, Daten ohne Treibstoffe).

Korruption: In Griechenland besteht ein signifikantes Problem, auch wenn einige Indizes von den subjektiven Ansichten gestaltet werden, die jedermann äußert, und die Tendenz multipliziert üblicherweise die tatsächlichen Vorfälle.

Dies ist etwas, was in anderen Ländern nicht geschieht. Beispielsweise werden manche Länder – sogar auch innerhalb der Europäischen Union – von Offshore-Gesellschaften überschwemmt, das Banksystem ist intransparent und von Zeit zu Zeit brechen viele Skandale aus, jedoch entsteht keine solche Tendenz der Über-Beanstandung, um nur das Hässliche und ständig mit der Vergrößerungslupe zu sehen.

Dass Griechenland sich in der Eurozone befindet, bedeutet jedenfalls mehr – und nicht weniger – Möglichkeiten zur Bekämpfung der Korruption. Von der strengeren Kontrolle des Finanzsystems und der Inanspruchnahme der europäischen Bekämpfungssysteme bis hin zum Ausschluss spekulativer Angriffe gegen die Währung, die in der Vergangenheit manchmal zum Gegenstand brutaler Ausnutzung und Korruption wurden.

Investitionen und Unternehmertum: Offensichtlich gibt es auch hier viele Probleme. Wenn es jedoch mit dem Euro eine gewisse Änderung gab, dann zum Besseren und nicht zum Schlechteren. Niemand bezweifelt, dass Griechenland im Euro etliche Reformen schneller adoptierte, auch wenn es noch merklich von den weiter entwickelten Ländern entfernt ist.

Außerhalb des Euro wären nicht einmal diese Schritte erfolgt, und zwar genau deswegen, weil mit einer autonomen Währung die verschiedenen Unternehmer-Lobbys und Seilschaften sehr viel mehr Druck ausüben, da sie wissen, dass es immer den vorläufigen Ausweg einer Abwertung gibt, ohne dass sie bei ihren Interessen nachgeben. Rufen wir uns in Erinnerung, was vor wenigen Jahrzehnten in Griechenland und anderen Ländern des Südens geschah.

Der Euro ist nicht nur einfach eine Währung

Die Lehre ist, dass eine Wirtschaft, wenn sie für Druck anfällig ist, unter fehlendem Wettbewerb leidet, starre Institutionen hat und allgemein Schwächen zeigt, genau dann noch mehr einer stabilen Währung und der Eingliederung in eine Familie entwickelter Länder bedarf, um ihre eigene Angleichung und Verbesserung zu beschleunigen.

Schließlich – um es nicht zu vergessen – ist der Euro nicht einfach nur eine Währung, um zu sagen, was macht es aus, die eine oder die andere (Währung) zu haben, die auch „national uns gehören“ wird. Er ist ein Pass für die Beteiligung an dem europäischen Kern. Griechenlands Platz ist dort, und dort muss es bleiben.

Einige mag es betrüben, dass Griechenland sich nicht im Boot der USA befindet, andere, dass wir uns nicht der UDSSR oder Russland anschlossen, einige gar, sich nicht organisch mit den arabischen Regimes oder Regimes vom Typ Milosewitsch und Zivkov verbündet zu haben. Man kann sich leicht vorstellen, was Griechenland alles erspart blieb, indem nichts davon geschah.

Damit Obiges auch in Zukunft nicht geschieht, muss Griechenland sich im Euro und im europäischen Kern befinden. Alles andere bezeugt entweder realitätsfremde Starrköpfigkeit oder Unkenntnis der Gefahr.

(Quelle: Protagon.gr, Autor: Nikos Christodoulakis)

Relevanter Artikel:

Artikel weiterlesen: Seite 1 Seite 2

  1. anders wählen
    11. September 2013, 10:44 | #1

    Reines Wunschdenken von Herrn Christodoulakis. An den korrupten Eliten hat sich in Hellas nichts geändert. Vormals lebten diese alleine auf Kosten der eigenen Bevölkerung, und bewirkten die schwache Drachme. Jetzt lebt diese „Kaste“ auf Kosten der Bevölkerungen der noch zahlungsfähigen Nordländer. Nur das griechische Volk selbst kann sich von diesem Joch befreien, es ist zu einfach zu sagen, die EU solle es richten. Das bewirkt nur noch mehr Unfrieden. Jedes Land ist für sich selbst verantwortlich.

    Hellas hat im Euro KEINE Chance, KEINE! Die realen Produkt- und Dienstleistungspreise müssten um 40% auf türkisches Niveau fallen. Löhne müssten mit Bulgarien und Rumänien mithalten. Das ist sozial nicht zu schaffen. Unternehmen gehen pleite und verschwinden für immer. Wäre Hellas 2010 aus dem € ausgeschieden, und hätte einfach abgewertet, wäre diese dann wieder wettbewerbsfähigen Unternehmen noch da! Die lateinische Münzunion hat es vor gemacht: Währungsunionen unter ungleichen sind nicht stabil. Das Griechenland und Italien den Goldgehalt ihrer Münzen einseitig zu Lasten der ehrlichen Mitglieder senkten, darf wohl wieder in Erinnerung gerufen werden. Ähnliches passiert auch heute (ELA Programm der griechischen Notenbank plus Target 2).

  2. Alex Frei
    11. September 2013, 11:13 | #2

    Warum verwertet Griechenland nicht seine riesigen Öl-und Gasvorkommen und könnte somit leicht alle Schulden bezahlen???
    Wer hat da wohl seine Hand drauf

  3. Germanos
    11. September 2013, 15:42 | #3

    @Alex Frei
    Darum die Privatisierungensdrohungen gegen Griechenland, damit dann deutsche – amerikanische – französische Firmen daran verdienen und nicht mehr der griechische Staat

    @anders wählen
    Es geht um Hochheitsrechte in der Agais und darum, die Russen nicht in EU Hoheitsgewässer zu lassen.

    Die Rosinen rauspicken was der Binnenmarkt bringt, aber keine Verwantwortung für ein friedvolles Europa …

  4. Rudi
    11. September 2013, 18:12 | #4

    Der Dollar wird genau so gegen die Wand fahren, wie der Euro. Der Fehler liegt ganz einfach im System. Hier wie dort wird mit großer Beschleunigung immer mehr Geld mit Geld, anstatt mit Arbeit gemacht. Zum Schluss werden wir alle in dem vielen Geld und den zwangsläufig dazu gehörenden Schulden ertrinken.

Kommentare sind geschlossen