Ende der Industrie in Griechenland

18. September 2013 / Aufrufe: 1.465

Die Abwanderung griechischer Industriebetriebe dokumentiert das Unvermögen der Politiker, die Krise zu handhaben und sich gegen Interessen Dritter durchzusetzen.

Der Beschluss der VIOHALCO, ihren Sitz nach Belgien zu verlegen, überraschte nicht. Nach der 3E (Coca Cola) und der FAGE (Milchindustrie) ist sie die dritte große griechische Verarbeitungsindustrie, die Griechenland den Rücken kehrt, da sie nicht die Kosten des Geldes bezahlen, aber auch nicht die sich ständig ändernden Umstände ertragen kann, die – mit Verantwortung der Regierung – ihre Kosten beeinflussen.

Premierminister Antonis Samaras hatte sich in diesem Jahr (2013) persönlich zweimal mit Vertretern der energieintensiven Industriebetriebe getroffen und eine Lösung des Problems des teuren elektrischen Stroms versprochen. Eine Lösung wurde jedoch immer noch nicht gegeben, weil diejenigen, die das Problem zu lösen haben, scheinbar abgesehen von Herrn Samaras auch die übrigen Faktoren berücksichtigen müssen, die auf dem Energiemarkt mächtiger als der Premierminister sind.

Wer möchte an einem Spiel mit unbekannten Regeln teilnehmen?

Die VIOHALCO wandert allerdings nicht wegen der Energiekosten ab, da ihre Fabriken im Land bleiben und sie so also weiterhin ungefähr 90 Millionen Euro im Jahr für Stromrechnungen entrichten wird. Dass jedoch nicht einmal der Premierminister des Landes in der Lage ist, ein Problem eines der emblematischsten Industriebetriebe des Landes zu lösen, ist ein Indiz für das Unvermögen der politischen Klasse, die Krise zu handhaben.

Im Sommer wurden mit dem Gesetz 4141, Artikel 38, neue steuerlich absetzbare Abschreibungssätze für die Betriebsmittel festgesetzt. Nicht für die neuen, sondern für die älteren. Wenn somit ein Industrieller damit kalkuliert hatte, auf seine Industrieeinrichtungen einen Abschreibungssatz von 8% geltend machen zu können, sinkt dieser jetzt auf 4%. Bei den Maschinen von 15% auf 10%.

Diese beiden Sätze zeigen, dass die steuerwirksamen Abschreibungen um 50% beschnitten werden, und wenn ein Unternehmen Gewinne erzielt, wie beispielsweise die konzerneigene Gesellschaft VIOHALCO ELVAL, landen diese dann in der Tasche des Finanzministers. Ein typisches Beispiel dafür, die Regeln zu ändern, während das Spiel im Gang ist. Wünscht jemand, an einem solchen Spiel teilzunehmen?

(Quellen: Protagon.gr)

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  1. Papajoannou
    18. September 2013, 12:29 | #1

    Manche scheinen immer noch nicht begriffen zu haben, dass es sich um einen planmäßigen Schluss- bis hin zum Ausverkauf handelt, was in Griechenland stattfindet. Von wegen „Unvermögen der Politiker, die Krise zu handhaben“ – so großes Unvermögen kann man gar nicht haben und deshalb kann man nur noch davon ausgehen, dass die Zugrunderichtung Griechenlands ein abgekartetes „Spiel“ ist, von wo genau ausgehend sei dahin gestellt (vielleicht von den Bilderbergern?).

  2. juls
    18. September 2013, 15:31 | #2

    @Papajoannou
    Wer genau diese Spiele spielt, ist mir persoenlich noch unbekannt, ansonsten stimme ich genau mit Dir ueberein … . Fuer die Rolle, die Griechenland in Zukunft zu spielen hat, sind die Weichen laengst gestellt.

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