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Die Griechen wissen, was die Chrysi Avgi ist

22. September 2013 / Aktualisiert: 24. Januar 2014 / Aufrufe: 1.819

Den Bürgern in Griechenland ist bekannt, was die neonazistische Chrysi Avgi ist und verkörpert, zumal es die Faschisten auch schon vor der Krise gab.

Ehrlich gesagt verstehe ich nicht die Überlegungen hinter den Ermunterungen zu einer „einmütigen Verurteilung“ und „Isolierung“ der „nazistischen Ausgeburt“, aber auch nicht der Klischee-Phrasen über die „Abscheu“ über die tragischen Ereignisse der vergangenen Tage. Den griechischen Bürgern ist bekannt, was die Chrysi Avgi ist, sie bedürfen nicht unserer Politiker, um sie daran zu erinnern. So oft wir auch die Faschisten bei ihrem Namen nennen, wird es absolut nichts nutzen.

Unseren Mitbürgern ist all das sehr gut bekannt, weil die Chrysi Avgi sich niemals versteckte. Trotzdem wählten hunderttausende von uns diese Partei bei den Wahlen im vergangenen Mai und Juni 2012, und seitdem steigen ihre Anteile bei den Demoskopien ständig an.

Niemand wird plötzlich Faschist, wenn er es nicht bereits in sich trägt

Ich rufe in Erinnerung, dass zwischen den beiden Wahlgängen des vergangenen Jahrs (2012) der heutige parlamentarische Fraktionsvertreter der Chrysi Avgi gegen zwei Abgeordnete Selbstjustiz verübte und die Anteile seiner Partei bei den Demoskopien (trotzdem) stiegen und nicht fielen, was sich danach auch an den Wahlurnen bestätigte. Sputen wir uns also nicht, die Chrysi Avgi bloßzustellen, da sie sich selbst bloßstellt.

Und die schwarze – pechschwarze – Wahrheit ist, dass obwohl keinerlei Zweifel an dem Charakter der Chrysi Avgi besteht, sie sich in diesem Moment als die drittgrößte Fraktion in Griechenland erweist, während erfahrene Politiker und Analytiker prognostizieren, sie könne bei den anstehenden Eurowahlen sogar auch auf den zweiten Platz gelangen, hinter der SYRIZA und vor der Nea Dimokratia.

Die meisten Erklärungen, die über das Phänomen verlautbar wurden, sind meiner bescheidenen Meinung nach unzureichend. An der Explosion der Anteile der Neonazis ist nicht die Austerität des Memorandums schuld. Entsprechende Arbeitslosigkeitsquoten gibt es auch in Spanien, eine harte Austerität wird auch in Portugal umgesetzt, eine Chrysi Avgi gibt es jedoch nirgendwo anders in Europa.

Man wird nicht innerhalb von zwei Jahren zum Faschisten, wenn man es nicht bereits in sich trägt. Weder die illegale Immigration noch die Kriminalität ist die Wurzel des Problems. Die Kriminalitätsraten in Griechenland zählen trotz ihres jüngsten Anstiegs weiterhin zu den niedrigsten in Europa, währen die Chrysi Avgi sich auch in der Provinz ausbreitet, wo es keine Ghettos illegaler Immigranten gibt. Chrysi Avgi wählen sie auch in meiner Heimat, auf Serifo, wo die Kriminalitätsraten seit Jahren bei Null liegen.

Die Faschisten gab es auch vor der Krise

Die Folgerung ist also, dass es diese Faschisten auch vor der Krise gab, nur dass sie zwischen den anderen Parteien versteckt waren, die sie mit Positionen auf dem öffentlichen Sektor und sonstigen Gefälligkeiten fütterten. Jetzt, wo kein Geld mehr da ist um die Schlangen zu füttern, begannen diese zu rasen und beißen. Und wie sich erweist, sind die Schlangen viele. Rechtfertigungen, die meisten Leute, die erklären, diese Partei wählen zu werden, teilen nicht deren Antisemitismus und Faschismus, basieren nicht auf tatsächlichen Erfahrungswerten, sondern stellen wahrscheinlich fromme Wünsche dar. Diese vielen Leute sind es nur wert, angespuckt zu werden, es gibt keinerlei mildernden Umstand.

Gestehen wir, die ständigen Lobredner unseres unbefleckten Volkes es endlich ein: die Homophobie, die Xenophobie, der Antisemitismus, der dreist-feige Hang zur Gewalt (nur wenn wir wissen, dass es keine Konsequenzen geben wird, und wenn die Zahlen zu unseren Gunsten stehen), der fehlende Respekt vor dem öffentlichen Raum und dem Mitbürger, die Gesetzlosigkeit, die Minderwertigkeitskomplexe und die Intoleranz charakterisieren einen großen Teil unserer Gesellschaft seit der Gründung des griechischen Staates auch bis heute. Dass wir überhaupt noch in der entwickelten Welt verbleiben, schulden wir ausschließlich den Bemühungen des starken patriotischen Demokratischen Zentrums, das in diesem Land immer die Dinge im Zaum hielt, und dem ungebrochenen Beistand des Westens.

Sollte Griechenland in Finsternis versinken, geschieht es ihm zu Recht

Und um zur vorliegenden Frage zu kommen, die einzige Weise, die Chrysi Avgi in dieser Phase zu bekämpfen, ist ihren Anhängern ohne jeden Spielraum für Zweifel zu beweisen, dass eine eventuelle weitere Stärkung dieser Partei eine schlechte Sache für ihr Portmonee ist. Weil die Leute sich nur für ihren persönlichen Vorteil interessieren.

Heben wir also den Mangel an Vorschlägen der Funktionäre der Chrysi Avgi und ihre absolute Ahnungslosigkeit bezüglich eines jeden technischen oder anderen Themas hervor (Versicherungssystem, Gesundheitswesen, Finanzsektor usw.). Darauf muss sich die Kritik fokussieren, sowie auch auf die Bekämpfung der kriminellen Verhaltensweisen, damit bewiesen wird, dass die für viele attraktive „Triebhaftigkeit“, welche die Mitglieder der Chrysi Avgi ausstrahlen, papieren ist und von den Mechanismen des demokratischen Staates leicht geknickt werden kann.

Meines Erachtens befindet die Lösung sich dort und nicht in heuchlerischen Beschwörungen über die Notwendigkeit der Verteidigung des Regimes, spezieller wenn diese von verachtenswerten Politikern kommen, die sich um die Verfassung und die Gesetze wiederholt einen feuchten Kehricht gekümmert haben, um ihre eigenen Leute unterzubringen.

Natürlich kann die von mir vorgeschlagene Taktik auch fehlschlagen und das Land schließlich in der Finsternis versinken. Wenn etwas derartiges geschieht, geschieht es uns jedenfalls zu Recht. Weil unabhängig von Interpretationen und Erklärungen, so ernsthaft auch die Gründe gewesen sein mögen, die einmal konkrete Völker zur Entscheidung für den Faschismus geführt haben, ihre – politische, strafrechtliche und historische – Verantwortung weder verjährt noch vergeben wird.

Ich hoffe, dass wir das Selbe nicht irgendwann auch über Griechenland sagen werden.

(Quellen: Kathimerini, Autor: Nikos Chrysoloras)

Relevante Beiträge:

  1. Herr Schmitt
    22. September 2013, 10:54 | #1

    Der Wunsch der breiten Masse eines Volkes, nach einer bestimmten Regierung, hat recht wenig Einfluß auf das schließliche Endergebnis. Das gilt auch, oder gerade für den Faschismus. Im vergangenen Jahrhundert als die NSDAP von der Burgeoisie an die Macht gehievt wurde, war ihr Zenit bereits überschritten und die Kommunisten wurden immer stärker. Der Faschismus ist stets die burgeoise Wahl der Gewalt, wenn nach ihrer Ansicht kein anderes Mittel mehr ausreicht, die herrschaftliche Ordnung zu bewahren oder auszubauen.

  2. V99 %
    22. September 2013, 11:01 | #2

    Ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll.. das ist mit Abstand der beste Artikel ueber dieses Thema. Ausgezeichnete Analyse, besonders der Satz hat es in sich: „Man wird nicht innerhalb von zwei Jahren zum Faschisten, wenn man es nicht bereits in sich trägt.“
    Zugegeben hat jeder, wahrscheinlich, diese Gedanken schon gepflegt, dennoch zwingt man sich, wegen besseren Wissens, diese zu verwerfen. Sicherlich ist das manchmal nicht leicht. Nur wenn die ganze Gesellschaft dies tut kann sie den Kampf gegen das Braune gewinnen. Den Vorschlag, auf die „Ahnungslosigkeit bezüglich eines jeden technischen oder anderen Themas“, der Neonazis besonders Aufmerksam zu machen, ist, zumindest momentan auch gut. Geschickte Politiker, die in der Lage waeren, die Situation des Landes zu verbessern, kann die kackbraune Morgenroete sicher nicht stellen. Das sollte in den Focus der Oeffenlichkeit gestellt werden, da hat der Autor sicher recht, und die Frage: Wollen wir, dass unser Land als faschistisches Griechenland in die Geschichte eingeht, mit allen „politischen, strafrechtlichen und historischen“ Konsequenzen?

  3. Deutscher
    22. September 2013, 11:14 | #3

    Es ist immer traurig, wenn der Grund falsch eingeschätzt wird. Natürlich ist der wirtschaftliche Niedergang, Armutsmigration und das Versagen der herrschenden Klasse der Grund für den Aufschwung der Chrysi Avgi. Den wichtigsten Grund hat der Schreiberling der Zeitung allerdings nicht erkannt oder verschwiegen. Wie in Weimar war der Grund des Aufschwungs das Versailler Diktat nach dem verlogenen kriege mit all seinen konsequenzen und die damit verbundene Demütigung des deutschen Volkes. Heute werden die Griechen von dem Brüsseler Diktat gedemütigt und erniedrigt. Und da keine der anderen Parteien in Griechenland sich dem entgegenstellt, sondern ganz im Stil der Weimarer Demokraten sich diesen System unterwerfen, wird es mit dem Aufschwung der Chrysi Avgi weitergehen. Wird auch in Spanien und anderen Ländern noch kommen. Griechenland hat schließlich 2-3 Jahre Vorsprung, was das Brüsseler Diktat betrifft.

  4. Rudi
    22. September 2013, 12:15 | #4

    Hut ab vor Nikos Chrysoloras für seine ehrliche Einschätzung und den Mut sie öffentlich zu äußern. Dafür wird er sicher von vielen „ehrenwerten“ Mitbürgern als Nestbeschmutzer hingestellt werden.

  5. Jorgo
    24. September 2013, 02:37 | #5

    Es ist doch klar das die Leute so ihrer Wut bei den Wahlen zeigen wollen. Wo sind die Politiker, wenn Scheinasylanten Griechen ermorden? Warum werden Kriminelle nicht ausgewiesen?

Kommentare sind geschlossen