7 Wege der Steuerhinterziehung in Griechenland

28. September 2013 / Aufrufe: 2.497

Das Finanzministerium in Griechenland kodifiziert in einem internen Schreiben an alle Kontrolleinheiten die gebräuchlichsten Methoden der Steuerhinterziehung.

Der an der Front der innergemeinschaftlichen Mehrwertsteuer beobachtete starke Anstieg der Steuerhinterziehung hat Alarm bei dem griechischen Finanzministerium ausgelöst, das die Methoden kodifiziert, auf welche die Betrügereien verübt werden, damit die zuständigen Kontrolleure ihre Maßnahmen ergreifen.

In erster Reihe befinden sich mittlerweile der sich anbietende Bereich der Energie, Emissionsrechte für Kohlendioxid, Metalle, Erdgas u. a., wie ein dienstliches Schreiben des Finanzministeriums enthüllt, in dem die sieben am meisten verbreiteten Techniken verzeichnet werden, mit denen sich in Griechenland insgesamt die Steuerhinterziehung bewegt.

Das an alle Kontrolleinheiten des Ministeriums verschickte Schreiben hat zum Ziel, dass mit der Kodifizierung der charakteristischsten Fälle die zuständigen Behörden bei den Kontrollen auf dem Laufenden sind, die zur Bekämpfung des „schmutzigen Geldes“ und der aus illegalen Aktivitäten herrührenden Einnahmen erfolgen.

Fiktive Immobilientransaktionen, Dreiecksgeschäfte, Insolvenzbetrug

Zu den von „findigen“ (natürlichen und juristischen) Personen genutzten Methoden zählen aufeinanderfolgende Immobilientransaktionen zu ungewöhnlich hohen Preisen, fiktive Dreiecksgeschäfte unter Nutzung von Tochter- und Offshore-Gesellschaften zur Sicherstellung von Liquidität mittels Bankkrediten und des Transfers des durch Kredite geschöpften Kapitals zu ausländischen Offshore-Gesellschaften.

Eine weitere – ein Produkt der Krise darstellende – Methode sind die Insolvenzanträge, die „problematische“, also Gesellschaften mit hohen Schulden an den Fiskus und die Kreditinstitute stellen. Worin der Betrug liegt: Die in Rede stehenden Gesellschaften haben vorher dafür Sorge getragen, ihr Gesellschaftskapital auf Konten von Tochter- oder Offshore-Gesellschaften zu transferieren, die sie in Steuerparadiesen rund um die Welt haben.

Eine andere charakteristische Form des Betrugs ist die, wo Gesellschaften mit hoher Steuerhinterziehung zur Abwendung der sich aus ihrem deliktischen Verhalten ergebenden rechtlichen Konsequenzen zu ihrer imaginären Übertragung auf neue Gesellschaften schreiten, deren Gesellschaftskapital sehr viel geringer als die Summer der Verbindlichkeiten der alten Unternehmen ist. Auf diese Weise werden die Gläubiger dieser Gesellschaften gezwungen, signifikante Kürzungen oder sogar auch Streichungen ihrer finanziellen Forderungen aus den in Rede stehenden Gesellschaften hinzunehmen.

Detaillierter sind die genutzten Methoden Folgende:

1. Serielle Immobiliengeschäfte zu ungewöhnlich hohen Preisen

In diesen Fällen bedient sich der Endkäufer einer Immobilie zum Zweck der Maximierung des Immobilienpreises und der Generierung „schwarzen“ Geldes diverser Zwischenkäufer. Konkret wird eine Immobilie von dem tatsächlichen Verkäufer zu einem über dem „objektiven“ (= nach dem sogenannten System der objektorientierten Wertbestimmung festgesetzten) Wert liegenden Vertragswert gekauft.

Für den Kauf wird ein Mittelsmann (1. Käufer) eingesetzt, der für Rechnung des 2. Käufers handelt. Der Mittelsmann (1. Käufer) verkauft die Immobilie fast sofort nach dem Kauf zu einem vielfachen Preis an den 2. Käufer weiter. Auf diese Weise scheint der 2. Käufer einen großen Betrag „locker“ gemacht zu haben, während er in Wirklichkeit nur den Preis der 1. Transaktion entrichtet hat.

Dieser Differenzbetrag zu dem Kaufpreis der Immobilie stellt Schwarzgeld dar, welches der 2. Käufer – der eine juristische Person ist – für verschiedene legale oder auch illegale Zwecke verwenden kann. Der selbe Fall kann aber auch von dem Mittelsmann genutzt werden, um selbst schwarze Gelder zu waschen, die aus einer illegalen Aktivität geflossen sind. Grundvoraussetzung ist, dass der Mittelsmann den Kaufpreis steuerlich rechtfertigen kann.

Der Finanzminister hält folglich zur Wachsamkeit an. Wenn bei der Kontrolle Fälle aufeinanderfolgender Übereignungen von Immobilien festgestellt werden, ist zu prüfen, ob die konkreten Transaktionen real sind, speziell wenn sie innerhalb sehr kurzer Zeiträume getätigt wurden, und zusätzlich ist der tatsächliche Fluss des Geldes festzustellen.

2. Fiktive Dreiecksgeschäfte

Fiktive Dreiecksgeschäfte unter Nutzung von Tochter- und Offshore-Gesellschaften dienen der Sicherstellung von Liquidität durch Bankkredite, zum Zweck des Transfers des aus Krediten geschöpften Kapitals zu ausländischen Offshore-Gesellschaften und zum Kauf von Immobilien zu überhöhten Preisen mittels zwei- / mehrfacher Übereignungen.

Ein Unternehmer – Inhaber eines Dienstleistungskonzern schuf eine Reihe kleiner Tochter- / Satelliten-Gesellschaften, die sich im Besitz von mit ihm verwandten Personen oder Beschäftigten seiner Unternehmen befanden. Mittels imaginärer Dreiecksgeschäfte zwischen den Gesellschaften des Konzerns des Unternehmers und den Sattelitengesellschaften schuf er ein fiktives wirtschaftliches Profil, laut dem er sowohl die Gesellschaften des Konzerns als auch die Satellitengesellschaften als schwunghaft und dynamisch wachsend darstellte.

Letztere schienen Dienstleistungen der Konzerngesellschaften in Anspruch zu nehmen und erbrachten im weiteren Verlauf an andere Gesellschaften des selben Konzerns Leistungen, die zu ungewöhnlich hohen Preisen in Rechnung gestellt wurden, oder sie kauften – seltener – überteuerte Produkte bei den Konzerngesellschaften ein und beglichen ihre Verbindlichkeit mittels der Ausstellung von Schecks. Danach wurden die Schecks von den Gesellschaften des Konzerns bei Kreditinstituten eingereicht, um sich durch Bankdarlehen oder Anleihekredite Liquidität zu verschaffen.

Unter dem Strich schaffte der Unternehmer mittels des Netzes seiner Firmen und Partner mit der Schaffung eines großen, jedoch fiktiven Umsatzes die Bonität seiner Unternehmen zu erhöhen und bei den Kreditinstituten seinen Konzern allgemein als dynamisch und wachsend zu präsentieren. Auf diese Weise schöpft er Liquidität aus Bankkrediten sowohl für die Gesellschaften des Konzerns als auch die Satellitengesellschaften. Diese Liquidität sichergestellt habend, kann der Unternehmer zu den beiden folgenden Zügen schreiten:

  • Entweder er schreitet zu Immobilientransaktionen mittels zweifacher Übereignungen (am selben Tag oder innerhalb weniger Tage) unter Einsatz von Mittelspersonen zu dem Zweck, zur Sicherstellung hoher Kredite erhöhte Erwerbskosten zu präsentieren. Die Kredite können auch zur Deckung vorheriger Kreditverbindlichkeiten verwendet werden.
  • Oder er bringt das aus Krediten geschöpfte Kapital und die übrigen verfügbaren flüssigen Mittel aus Griechenland heraus und speziell zu den mit seinen Gesellschaften in Verbindung stehenden Offshore-Gesellschaften, zwecks Beteiligung an imaginären Erhöhungen ihres Gesellschaftskapitals. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein Teil dieser Gelder in der Form der Investition auf dem griechischen Immobilienmarkt durch die Offshore-Gesellschaften nach Griechenland zurück fließt.

In diesem Rahmen teilt das Finanzministerium den Prüfern mit, wachsam zu sein, wenn sie Fälle von Unternehmenskonzernen mit einer signifikanten Anzahl an Tochtergesellschaften feststellen, die überteuerte Handelsgeschäfte mit der Muttergesellschaft des Konzerns durchführen und parallel eine erhöhte Aufnahme von Bank- oder Anleihekrediten aufweisen. In diesen Fällen ist der gesamte Kreis der internen Gesellschaftsgeschäfte sowie auch die tatsächliche Bonität der Gesellschaften des Konzerns zu überprüfen.

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  1. Juri
    28. September 2013, 20:37 | #1

    Kreativ sind sie ja, die Griechen 🙂

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