Tourismus in Griechenland lässt den Kleinen nur Krümel

28. August 2013 / Aktualisiert: 11. Dezember 2016 / Aufrufe: 4.157

Kreta: Zum ersten Mal mehr Russen als Deutsche

Die … Invasion der Russen, die sich als erste touristische Macht auf der Insel zeigen, und die systematische Arbeit, die in letzter Zeit auf dem Bereich der Bewerbung Kretas – mit Höhepunkt die Kampagne „Incredible Crete„, die den Stempel des bekannten Regisseurs Theodoris Papadoulakis trug – erfolgte, bescherten den Hotels in Chania eine Auslastung von 96% und den touristischen Unterkünften in Iraklio, Rethymnos und Lasithi eine Auslastung von ungefähr 90%.

Mit den Direktflügen von Moskau, England und skandinavischen Ländern als „Waffe“ zeigten die Ankünfte auf dem Flughafen von Iraklio „Nikos Kazantzakis“ gegen Ende Juli 2013 einen Anstieg um 16,5%, und es wird erwartet, dass sie wenigstens bis Mitte Oktober 2013 auf hohen Niveaus verbleiben werden. „Auf dem russischen Markt tangiert der Anstieg heute 45% und in der Ukraine 150%. Es ist das erste Mal, dass die russischen Besucher die Deutschen übersteigen„, betont Nikos Chalkiadakis, Präsident des Verbands der Hoteliers von Iraklio.

Die „Explosion“ der Anzahl der ausländischen Touristen gleicht auch die Verluste aus dem griechischen Markt mehr als aus, die bei den kleinen Unterkünften im südlichen Iraklio 30% tangieren. „Die Griechen sind sehr viel weniger geworden, aber die Hotels und Fremdenzimmer sind fast voll belegt. Ungefähr das selbe Bild zeigt sich auch in den übrigen Präfekturen, wobei Chania etwas besser abschneidet, weil die Verluste aus dem griechischen Markt sich auf ein Minimum beschränkt haben„, erklärt Herr Chalkiadakis.

In den Hotels von Chania sind auch die meisten Buchungen für September und Oktober 2013 erfolgt. „Die Signale aus den Reservierungen sind positiv, die Öffnung auf dem russischen Markt zahlt sich aus, während angesichts der Gegebenheiten der inländische Tourismus in Chania sich in diesem Jahr auf befriedigenden Niveaus befindet„, merkt der Präsident des Verbands der Hoteliers der Präfektur, Manolis Giannoulis an.

Santorin: Brände und Blackouts führten nicht zu Stornierungen

Santorin spielte mit … dem Feuer, wurde – im Zweig des Tourismus – jedoch nicht „zur Kasse gebeten“, da trotz der andauernden Stromausfälle, die Einheimische und Touristen strapazierten, die ausländischen Besucher der Insel ein „Vertrauensvotum“ gaben und die Schönheit von Fira und Ia bei Kerzenlicht genossen.

Die … Flammen erreichten unsere Höfe, glücklicherweise brannten jedoch unsere Häuser nicht ab. Der Schlag für den Ruf der Region und des gesamten Landes war natürlich groß, jedoch erkannten die Leute unsere Bemühungen an, den Problemen zu begegnen, die sich nach dem Defekt in der Stromversorgung ergaben, und blieb auf der Insel„, meint der ehemalige Präsident des lokalen Hotelier-Verbands Santorini, Evangelos Fytros.

Santorin erlebt in diesem Jahr eine der besten Saisons seiner Geschichte und „flirtet“ mit dem Rekord von 2.000.000 Besuchern (ungefähr 300.000 mehr als im vergangenen Jahr und 100.000 mehr als 2011), hauptsächlich wegen des steilen Anstiegs der Anzahl der chinesischen und russischen Besucher.

Für Restaurants und Tavernen bleiben nur „Knöchelchen“ übrig

Ein neues Modell der … Verköstigung, mit sich in Grenzen haltenden und hastigen Besuchen in Tavernen, häufigeren Besuchen in den Supermärkten zur Beschaffung der Zutaten für die Zubereitung einer bescheidenen Mahlzeit, aber auch „Handfutter“ vor den Souflaki-Grills gestalten in der diesjährigen Saison griechische und ausländische Touristen an den Sommerzielen des Landes.

Restaurants und Tavernen, sogar auch in populären Inselregionen, zählen alltäglich mehr leere als besetzte Stühle und Tische und rechnen mit einem Rückgang ihrer Umsätze. Wie sie hinsichtlich des sommerlichen Menüs erklären, erscheint der frische Fisch dem griechischen Familienvater, aber auch den ausländischen Touristen, die sich auf „billige“ kleine Fische, Snacks und Salate beschränken, inzwischen als ein Luxusgut Die Gastwirte sprechen von einem Aufblühen des All Inclusive, mit dem Ergebnis, dass ihre Geschäfte verwaist sind und die lokale Wirtschaft letztendlich keinen Nutzen aus dem diesjährigen Anstieg bei dem eingehenden Tourismus zieht.

Der Umsatzrückgang wird 20% tangieren. Die Lage in den Restaurants und Tavernen erinnert in nichts an die vergangenen Epochen. Die Leute mit Familien sind in diesem Jahr nicht verreist, aber auch all jene, die Urlaub machen, schränken ihre Ausgaben für die Verpflegung auf ein Minimum ein. Besser ist das Bild in den Zielgebieten, wo Ausländer mit Charterflügen oder Kreuzfahrten eintreffen, wie Mykonos, Syros, Santorin und Rhodos„, meint gegenüber der „Kyriakatiki Dimokratia“ Giannis Papadopoulos, Präsident des Verbands für Massengastronomie von Naxos und den Kleinen Kykladen, der 700 Unternehmen umfasst.

‚Geschlossen‘ wird zur neuen Ladenkette!„, ergänzt Herr Papadopoulos mit einer Portion Humor, bezieht sich jedoch hauptsächlich auf die Verkaufsgeschäfte und betont, das sogenannte „Take Away“ sei zum „Knaller“ geworden. „Das eine Gewohnheit der Italiener darstellende ‚Handfutter‘ (sie machen in den Restaurants niemals hohe Rechnungen) hat auch andere ausländische Besucher und natürlich den unter Druck stehenden Griechen ‚gewonnen‘„, fügt Herr Papadopoulos an.

Ithaka und Ägina

Enttäuschung herrscht auch auf Ithaka, wo die Gastwirte die im Hafen liegenden Schiffe sehen, deren Besitzer jedoch … suchen! „Wir suchen mit dem Fernglas nach Kunden. Die Bootsleute und die in Fremdenzimmern wohnenden Touristen kaufen in den Supermärkten ein und kochen selbst„, meint ein Gastwirt der Insel, der seinen Betrieb nur in den Sommermonaten öffnet.

Was konkret die griechischen Reisenden betrifft, „haben sie sich in diesem Jahr sehr eingeschränkt. Die meisten gehen nicht zum Essen aus, sondern begnügen sich mit schlichten Mahlzeiten auf dem Zimmer oder mit einem Sandwich„, erklärt die Präsidentin des Gästezimmer-Verbands „I Xenia“, Evgenia Kamolinou.

Laut dem Präsidenten des Hotelier-Verbands, Stavros Kalamakis, erreicht auf Ägina seit 2009 der Rückgang bei dem Betrieb in den Restaurants 50%: „Wir kehren zur Logik des 70er und 80er Jahrzehnts zurück, wobei Etliche Hotels vorziehen, die ihnen Halbpension anbieten.“ Die Unternehmer in der Branche der Gastronomie hoffen, dass der Sozialtourismus im September den Betrieb „aufwärmen“ wird, während Herr Papadopoulos von Naxos bezüglich der Senkung der Mehrwertsteuer erklärt, „wir haben Recht bekommen, aber in vielen Fällen existiert inzwischen für eine Senkung der bereits komprimierten Preise kein Spielraum mehr„.

Die Gewalt in Ägypten schickt zusätzliche Kreuzfahrtschiffe

Es wird erwartet, dass der touristische „Strom“ nach Griechenland auch im September 2013 erhalten bleibt. Die Betreiber luxuriöser Unterkünfte in populären Zielgebieten (Chalkidiki, Mykonos, Rhodos, Kefalonia usw.) sind für die ersten fünfzehn Tage des Monats fast ausgebucht und die anormale Situation, die in den letzten Monaten in Ägypten herrscht, schickt Dutzende Kreuzfahrtschiffe in die griechischen Häfen.

Laut Reiseagenten werden den größten Nutzen Rhodos, Santorin und Kreta haben, wobei der Hafen von Iraklio in den kommenden Monaten wenigstens 15 Kreuzfahrtschiffe „empfangen“ wird, die nach Ägypten fahren sollten, während auch die benachbarte Türkei zu den Gewinnern zählen wird.

(Quelle: DimokratiaNews.gr)

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  1. Götterbote
    28. August 2013, 11:30 | #1

    Kann mir jemand erklären, was es mit dem „Sozialtourismus“ auf sich hat, der für September angekündigt wird? Vielen Dank!

    • Team
      28. August 2013, 14:24 | #2

      @Götterbote
      Subventionierter Urlaub für sozial schwächere Bevölkerungsgruppen. Beispielsweise werden im Rahmen des Programms „Tourismus für Alle 2013 – 2014“ insgesamt knapp 39.000 Coupons für einen 6-tägigen Urlaub ausgegeben, deren je nach Art der Unterkunft ab 6,- € (Campingplatz) bis 14,- € (Hotel) pro Übernachtung betragende Wert bei dem Programm angeschlossenen Betrieben mit den Unterkunftskosten verrechnet werden kann.
      „Κοινωνικός Τουρισμός“ – Τουρισμός Για Όλους 2013-2014

  2. GR-Block
    28. August 2013, 13:15 | #3

    Vorbei die Zeit, als ein Großteil des Tourismus aus griechischen Familien bestand. Vorbei die Zeit, wo der Tavernen-Gast mit Bedacht sein Essen komponierte und Qualität und Frische erwartete. Vorbei die Zeit als der Koch sich täglich selbst übertraf. Als er es nicht wagte den Gästen gefrorene Zustaten aufzutischen, weil sie es sofort merkten. Dafür aber wurde er vernünftig bezahlt. Qualität war den Griechen etwas wert und deshalb erhielten sie nach dem Essen selbstverständlich noch eine Schale Obst und Kaffee spendiert, so als Bestechung. Der WIRT zahlte Trinkgeld, nicht der Gast.
    Inzwischen ist in den Orten der ausländischen Touristen der Gyros frischer, das Souvlaki appetitlicher als das Massenessen der „Restaurants“. Da kann man getrost sagen: der Imbissstand hat nur „beste“ Zutaten, in Hotels und Restaurants ist dagegen „all“ inclusive. Ja jetzt gebe ich mich in der Taverne immer sofoert als Grieche zu erkennen, dann verrät mir der Kellner, wovon ich besser die Finger lassen soll und informiert den Koch, dass da ein Grieche is(s)t.

    Es kommen mir die Tränen, wenn ich lese, dass die traumhaften, abgelegenen Urlaubsorte der Griechen auf Pilion inzwischen von Ausländern überbevölkert sind. Dass Kreta und Korfu fest in der Hand der Touristikkonzerne war, damit hatte man sich abgefunden. Und WIE die Gäste immer wieder geschwärmt hatten von der „Schönheit“ jener Orte, denn sie wußten ja nicht. Nur der junge Rucksacktourist konnte erahnen, wo die echten Paradise waren. Aber jetzt ist der erwachsen geworden und erwartet an jenen idyllischen Stränden seiner Jungend ein AI-Hotel. Schließlich hat er jetzt selbst Familie und die Knochen machen das Campen nicht mehr mit.
    Seine Kinder werden als Teenager den Zauber versteckter ägäischer und ionischer Strände nicht mehr erleben. Vorbei die Zeit als man mit ein paar Flossen bewaffnet um Hügel herum schwimmen konnte, die vom Land her steil ins Wasser stürzten und dahinter unzugängliche Strände verbargen. Der Teenager sucht die Unberührtheit der Natur und erkennt sie sofort wenn sie ihm begegnet an ihrer archaischen Anziehungskraft. Wo der abgebrühte Tourist vergebens nach exklusiver Austattung und Bettenburgen Ausschau halten würde, legt der Teenager alles ab, was an seine High-Tech-Welt erinnert, bevor er vorsichtig den unberührten Strand betritt. Wenn er dann unter seinen Füßen spürt, wie die salzverkrustete Oberfläche des Sandes mit jedem Schritt knirschend einbricht, dann sehen seine Augen den Zauber des Pilion. Etwas, das andere als Mythos abtun. Er sieht wie Neraiden, im Wasser spielen und Kentauren wild umhergaloppieren. Er hört wie sie rufen: „mach mit!“ wenn er sich unsicher nach seiner Freundin umdreht, als diese gerade aus dem Wasser steigt… wie die Schaumgeborene… Göttin der Schönheit und der Liebe. Und als ob es das Selbstverständlichste wäre, fügen sie sich ein in den mystischen Reigen.
    Na ja, aber was ist das schon gegen eine Woche 5* all-inclusive Paket mit Antikenbesuch und einen „Griechischen Abend“ mit Zaziki-Musik, freilich nach „örtlichem“ Standard.

  3. Götterbote
    29. August 2013, 10:43 | #4

    @Team
    Danke für die Erklärung.

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