Tourismus in Griechenland lässt den Kleinen nur Krümel

28. August 2013 / Aktualisiert: 06. April 2020 / Aufrufe: 4.202

Die Success Story des Tourismus in Griechenland mag mit imposanten Zahlen aufwarten, den Kuchen teilen sich jedoch die Großen und lassen den Kleinen nur Krümel übrig.

Bis Ende der Saison wird in Griechenland damit gerechnet, die „Marke“ der 17 Millionen Ankünfte zu überschreiten und die Eigentümer luxuriöser Unterkünfte reiben sich in Befriedigung über die „Success Story“ der 5-Sterne-Hotels und des All Inclusive die Hände

Die Kleinunternehmer – Eigentümer von Fremdenzimmern in populären sommerlichen Zielgebieten warten dagegen noch immer auf die „verschwundenen“ griechischen Touristen, lernen jedoch auch … Türkisch, um den Besuchern aus dem Nachbarland zu Diensten zu stehen, die in den letzten Tagen Chalkidiki, Thrakien und die griechischen Inseln geradezu überschwemmen.

Russen und Türken

Mykonos, Santorin, Rhodos, Kos, Kefalonia und Zante „versinken“ vor ausländischen Touristen, gleichen damit die Verluste an der („schwarzen“) Front des Inlandstourismus aus und haben als zusätzlichen Trumpf die guten Flugverbindungen zu etlichen europäischen Ländern, aber auch nach Russland.

Speziell die Russen erweisen sich als aufsteigende Macht des eingehenden Tourismus, wobei der Verband der griechischen Tourismus-Unternehmen (SETE) von einem Rekord an Ankünften, also 1.200.000 Russen spricht (gegenüber 874.787 im Jahr 2012).

Spektakulär ist auch der Anstieg der Anzahl der türkischen Touristen, von denen geschätzt wird, dass sie 800.000 tangieren werden. Nach Griechenland „zurückgekommen“ ist auch der deutsche Markt und der englische und skandinavische Markt bewegen sich ebenfalls ansteigend, während die Ankünfte aus der Ukraine jede Erwartung übertroffen haben.

Rückstand bei den Einnahmen

Trotz des Optimismus, der in letzter Zeit in Bezug auf Einnahmen in Höhe von 11,5 Mrd. Euro aus dem Tourismus herrscht, spiegelt der imposante Anstieg bei den Ankünften aus dem Ausland sich nicht bei den Einnahmen der meisten Hotels, Restaurant und touristischen Geschäfte wieder.

Mit den uns derzeit vorliegenden Daten scheint das Ziel der 17.000.000 Touristen übertroffen zu werden. Bezüglich der Einnahmen vermag jedoch niemand eine sichere Prognose zu stellen. Die Leute werfen ihr Geld nicht mehr weg, achten auf ihr Portemonnaie und rechnen bis hin zum letzten Euro„, meint gegenüber der Zeitung „Kyrakatiki Dimokratia“ Spyros Galiatsatos, Mitglied des Panhellenischen Verbands der Hoteliers (POX) und Präsident des Verbands der Hoteliers von Kefalonia.

Gewinner sind die Großen

Die Hoteliers unterstreichen, das sogenannte All Inclusive sei „riesengroß geworden“, mit billigen Paketen, die ab 14 Euro pro Übernachtung beginnen, und betonen, dass hauptsächlich die Unternehmer einen Unterschied in ihren Kassen sehen, die sich an „gut betuchte“ Touristen richten.

In diesem Jahr haben wir einen Tourismus mit zwei Geschwindigkeiten. Bei den großen Hoteleinheiten läuft es gut, wobei sie jedoch ihre Preise sehr drücken, während die kleinen und mittleren Unterkünfte nur Ende Juli und im August zu tun hatten„, führt der Generalsekretär des Verbands der Hoteliers von Korfu, Giorgos Zoupas an.

„Imaginäre Ankünfte“

Der touristische Verkehr auf der kosmopolitischen Insel des Ionischen Meers zeigt sich gegenüber dem Vorjahr um 11% verstärkt, die Eigentümer touristischer Unterkünfte sprechen jedoch von „imaginären Ankünften“ und einem signifikanten Rückgang der Anzahl der Übernachtungen.

Es gibt Besucher, die nach Parga, Italien oder Albanien unterwegs sind und nur wenige Stunden auf Korfu verweilen, jedoch als Ankünfte gezählt werden. Andere Mieten Villen, die Engländern gehören – es gibt ungefähr 1.000 solche Villen auf der Insel -, und schicken ihr Geld direkt ins Ausland. Was die Griechen betrifft? Wir suchen … mit der Lampe des Diogenes nach ihnen!„, fügt Herr Zoupas an.

Die Hotels hoffen, mittels des … Sozialtourismus Griechen zu sehen!

Der bei dem inländischen Tourismus beobachtete Rückstand stellt für etliche populäre Zielgebiet einen „Dorn“ dar, wobei die Eigentümer von Familienhotels und Fremdenzimmern ihre Hoffnungen auf das am 16 September 2013 beginnende Programm des Sozialtourismus setzen. „Der Anstieg der Anzahl ausländischer Touristen reicht nicht aus, um die Verluste aus dem griechischen Markt zu decken. Auf dem Pilion haben die Hotels hauptsächlich Deutsche, Engländer und Russen als Gäste, und nur in der Woche des 15 August hatten sie eine Auslastung von 95%. Wären die Preise nicht dermaßen niedrig, hätten wir nur die Hälfte der Buchungen„, betont der Präsident des Verbands der Hoteliers von Magnesien, Konstantinos Laventis.

Problemen begegnen die kleinen Unterkünfte und in Gebieten wie Tinos und Patmos, die sich ungefähr auf dem selben Niveau mit Sommer 2012 bewegen, während auch in Zielgebieten mit positivem Vorzeichen, wie Rhodos und Kos (Anstieg um 10%), wo das All Invlusive vorherrscht, Zante (10%-15%), Chalkidiki (5%-7%) und die Insel Paros, die sich um 5% – 10% „verstärkt“ zeigt, die griechischen Besucher … verschwunden sind.

Bei Kategorien griechischer Touristen, wie Studentengruppen und jungen Paaren, existiert ein großer Rückgang. Wir hoffen, dass der Sozialtourismus den Fremdenzimmern und Familienbetrieben helfen wird„, berichtet der Präsident des Verbands der Hoteliers von Paros – Antiparos, Giogos Mpafitis.

Zu den wenigen Ausnahmen zählt die Insel Korfu, die über eine Zunahme der Ankünfte (um 19%) sowohl aus dem Ausland als auch aus Griechenland … jubelt. „Es gibt einen guten Besucherfluss aus England, Holland, Österreich und Russland. Die Überraschung kam jedoch aus Griechenland. Einen dermaßen großen Anstieg bei Passagieren und Fahrzeugen in den Häfen der Insel hatten wir nicht erwartet„, merkt Herr Galiatsatos an.

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  1. Götterbote
    28. August 2013, 11:30 | #1

    Kann mir jemand erklären, was es mit dem „Sozialtourismus“ auf sich hat, der für September angekündigt wird? Vielen Dank!

    • Team
      28. August 2013, 14:24 | #2

      @Götterbote
      Subventionierter Urlaub für sozial schwächere Bevölkerungsgruppen. Beispielsweise werden im Rahmen des Programms „Tourismus für Alle 2013 – 2014“ insgesamt knapp 39.000 Coupons für einen 6-tägigen Urlaub ausgegeben, deren je nach Art der Unterkunft ab 6,- € (Campingplatz) bis 14,- € (Hotel) pro Übernachtung betragende Wert bei dem Programm angeschlossenen Betrieben mit den Unterkunftskosten verrechnet werden kann.
      „Κοινωνικός Τουρισμός“ – Τουρισμός Για Όλους 2013-2014

  2. GR-Block
    28. August 2013, 13:15 | #3

    Vorbei die Zeit, als ein Großteil des Tourismus aus griechischen Familien bestand. Vorbei die Zeit, wo der Tavernen-Gast mit Bedacht sein Essen komponierte und Qualität und Frische erwartete. Vorbei die Zeit als der Koch sich täglich selbst übertraf. Als er es nicht wagte den Gästen gefrorene Zustaten aufzutischen, weil sie es sofort merkten. Dafür aber wurde er vernünftig bezahlt. Qualität war den Griechen etwas wert und deshalb erhielten sie nach dem Essen selbstverständlich noch eine Schale Obst und Kaffee spendiert, so als Bestechung. Der WIRT zahlte Trinkgeld, nicht der Gast.
    Inzwischen ist in den Orten der ausländischen Touristen der Gyros frischer, das Souvlaki appetitlicher als das Massenessen der „Restaurants“. Da kann man getrost sagen: der Imbissstand hat nur „beste“ Zutaten, in Hotels und Restaurants ist dagegen „all“ inclusive. Ja jetzt gebe ich mich in der Taverne immer sofoert als Grieche zu erkennen, dann verrät mir der Kellner, wovon ich besser die Finger lassen soll und informiert den Koch, dass da ein Grieche is(s)t.

    Es kommen mir die Tränen, wenn ich lese, dass die traumhaften, abgelegenen Urlaubsorte der Griechen auf Pilion inzwischen von Ausländern überbevölkert sind. Dass Kreta und Korfu fest in der Hand der Touristikkonzerne war, damit hatte man sich abgefunden. Und WIE die Gäste immer wieder geschwärmt hatten von der „Schönheit“ jener Orte, denn sie wußten ja nicht. Nur der junge Rucksacktourist konnte erahnen, wo die echten Paradise waren. Aber jetzt ist der erwachsen geworden und erwartet an jenen idyllischen Stränden seiner Jungend ein AI-Hotel. Schließlich hat er jetzt selbst Familie und die Knochen machen das Campen nicht mehr mit.
    Seine Kinder werden als Teenager den Zauber versteckter ägäischer und ionischer Strände nicht mehr erleben. Vorbei die Zeit als man mit ein paar Flossen bewaffnet um Hügel herum schwimmen konnte, die vom Land her steil ins Wasser stürzten und dahinter unzugängliche Strände verbargen. Der Teenager sucht die Unberührtheit der Natur und erkennt sie sofort wenn sie ihm begegnet an ihrer archaischen Anziehungskraft. Wo der abgebrühte Tourist vergebens nach exklusiver Austattung und Bettenburgen Ausschau halten würde, legt der Teenager alles ab, was an seine High-Tech-Welt erinnert, bevor er vorsichtig den unberührten Strand betritt. Wenn er dann unter seinen Füßen spürt, wie die salzverkrustete Oberfläche des Sandes mit jedem Schritt knirschend einbricht, dann sehen seine Augen den Zauber des Pilion. Etwas, das andere als Mythos abtun. Er sieht wie Neraiden, im Wasser spielen und Kentauren wild umhergaloppieren. Er hört wie sie rufen: „mach mit!“ wenn er sich unsicher nach seiner Freundin umdreht, als diese gerade aus dem Wasser steigt… wie die Schaumgeborene… Göttin der Schönheit und der Liebe. Und als ob es das Selbstverständlichste wäre, fügen sie sich ein in den mystischen Reigen.
    Na ja, aber was ist das schon gegen eine Woche 5* all-inclusive Paket mit Antikenbesuch und einen „Griechischen Abend“ mit Zaziki-Musik, freilich nach „örtlichem“ Standard.

  3. Götterbote
    29. August 2013, 10:43 | #4

    @Team
    Danke für die Erklärung.

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