Steuerfahnder legen Nachtleben auf Chalkidiki in Griechenland lahm

15. August 2013 / Aktualisiert: 16. August 2013 / Aufrufe: 1.672

In Reaktion auf das exzessive Vorgehen der Steuerfahnder in Griechenland sagten speziell auf Chalkidiki etliche populäre Künstler ihre geplanten Sommerkonzerte kurzfristig ab.

Die sogenannten „Steuer-Rambos“ der Einheit für die Verfolgung von  Wirtschaftsverbrechen (SDOE) in Griechenland scheinen derzeit speziell auf der Halbinsel Chalkidiki nicht nur ein Exempel statuieren, sondern sich auch dafür rächen zu wollen, anlässlich einer – im übrigen durchaus umstrittenen – Aktion in ganz Griechenland lächerlich gemacht worden zu sein.

Erklärend sei angemerkt, dass Anfang August 2013 die „Steuer-Rambos“ nach einer nächtlichen Razzia in einem populären Lokal auf Chalkidiki kurzerhand wegen angeblicher Steuervergehen nicht nur entsprechende finanzielle Sanktionen verhängten, sondern auch die vorläufige Schließung des Betriebs anordneten – was die Betreiber jedoch nicht davon abhielt, das Lokal umgehend wieder zu öffnen.

Der Vorfall wurde dann in den Medien dermaßen hochgespielt, dass Finanzminister Giannis Stournaras persönlich sich veranlasst sah, zur „Rettung der Ehre“ seiner Büttel spontan die sofortige Schließung des konkreten Lokals für einen ganzen Monat anzukündigen – was jedoch natürlich nicht stattfand, da es dafür (zumindest bisher) keinerlei rechtliche Handhabe gibt.

Rachekrieg der Steuer-Rambos führt zu zahlreichen Stornierungen

Inzwischen fechten die „Steuer-Rambos“ auf Chalkidiki einen persönlichen Krieg aus, fallen in der Region buchstäblich alltäglich ein und machen nicht nur in den betroffenen Betrieben einen regulären Geschäftsbetrieb – und zwar inmitten der Hauptsaison! – praktisch unmöglich (wer einer solchen „Kontrolle“ – sei es auch nur als Kunde – schon einmal beiwohnte, weiß, wovon die Rede ist …), sondern bringen mit ihren reißerischen Erfolgsmeldungen pauschal auch renommierte Künstler in Verruf.

Infolge dieser offenen Fehde sagten inzwischen wegen der alltäglichen „Überfälle“ der Steuer-Rambos etliche bekannte Sänger ihre programmierten Auftritte in populären Beach-Bars auf Chalkidiki kurzerhand ab. Nach der Bekanntgabe der Stornierung des für den 17 August 2013 geplanten Konzerts des Antonis Remos, zusammen mit Stelios Rokkos und Eleni Furiéira, sagte auch die Beach-Bar Crystal Life in Kallikratia das für den 14 August geplante Konzert der Sängerin Paola ab.

Spezieller merkt der für den Betrieb der bekannten Beach-Bar Verantwortliche in einem Post auf Facebook an: „Wegen der besonderen Umstände, die sich in letzter Zeit auf Chalkidiki gestalteten, sehen wir uns gezwungen, den Live-Auftritt Paolas abzusagen. Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung.

Remos sagte Konzert in Fourka wegen SDOE ab

In diesem Sinn sagte auch Antonis Remos sein für den 17 August 2013 geplantes Konzert in Fourka / Chalkidiki wegen der Steuersafari der SDOE in einschlägigen Konzertstätten ab. In seiner Bekanntmachung spricht der populäre Sänger von „Übertreibungen, die in letzter Zeit bei – grundsätzlich notwendigen – Kontrollen auf dem Sektor der Konzerte / sommerlichen Vergnügungsveranstaltungen beobachtet werden„.

Laut Antonis Remos gestaltet sich wegen der Kontrollen die Teilnahme der Künstler an solchen Veranstaltungen als außerordentlich schwierig,  da „obwohl es nicht möglich ist, dass sie selbst den rechtmäßigen Betrieb der sie beherbergenden Stätten überprüfen, sie leichtfertig für jedes beliebige deliktische Verhalten dieser Unternehmen mitverantwortlich gemacht werden„.

Weiter fügt er an: „Diese Situation rechtfertigt auf keinen Fall die Tatsache, dass gewisse Regionen wie Chalkidiki plötzlich in das Visier von jeder Seite erfolgender Exzesse gerieten. Ich möchte bei keiner Übertreibung zum Mitwirkenden werden, und deswegen entschloss ich mich, mein Konzert auf Chalkidiki auch angesichts des Beginns meiner programmierten Auftritte in Thessaloniki abzusagen, und rufe alle meine Freunde auf, uns dort ab dem 23 August zu treffen.

Ergänzend sei angemerkt, dass Antonis Remos in Thessaloniki zusammen mit Stelios Rokkos und Eleni Fouréira im „Politia Live Clubbing“ auftreten wird.

Von Seite der Behörden wurden die Stornierungen der Konzerte jedenfalls darauf zurückgeführt, dass die Veranstalter vermutlich nicht die erforderlichen Genehmigungen inne haben oder die Eintrittskarten nicht regulär vorab beim Finanzamt registriert worden sind und die Auftritte angesichts der intensiven Kontrollen deswegen abgesagt wurden.

(Quellen: Voria.gr, Voria.gr)

  1. Maria P.
    15. August 2013, 09:09 | #1

    Mir ist gar nicht mehr bewußt, was die Griechen wollen … Steuer eintreiben oder nicht? Die Zeitungen bzw manche Jornalisten, giessen, gerne, noch mehr „Öl ins Feuer“ indem sie große „Auftritte“ für so solche Aktionen anbieten. Jornalismus sollte dasein um die Bewölkerung „aufzuklären“ und eventuell die Wirkungen von solche Aktionen zu zeigen! Ich weiss dass viele andere Korrupte gibt’s aber, die „Lokalbetreiber“ gehören dazu!

  2. V99 %
    15. August 2013, 13:37 | #2

    Gibt es fuer die Behauptung (Inzwischen fechten die “Steuer-Rambos” auf Chalkidiki einen persönlichen Krieg aus ..) weitere Beweise? Es ging der Fall dieses einen Restaurant / Bar Betriebes durch die Presse, aber auch etliche Faelle von den Inseln, die durchaus nicht unbegruendet waren und das immer noch vorhandene Ausmass der Mauschelei diverser Restaurant Besitzer anzeigten. Als Beispiel fuer durchaus angebrachtes Misstrauen der Steuerbehoerden kann man anfuehren, dass bei einer Kontrolle in einem Athener Nachtclub, bei Anwesenheit der SDOE die Einnahmen (40.000 €) mehr als doppelt so hoch waren, wie die in den Buechern gefuehrten Einnahmen des Vortages (17.000 €), mit 50 Besuchern weniger. Derartige Diskrepanzen sind kein Einzelfall!

  3. GR-Block
    15. August 2013, 23:27 | #3

    Es wird Zeit, dass der griechische Staat jedem der weit über 1 Mio. Selbständigen und Unternehmer einen Steuer-„Beamten“ zur Seite stellt, damit die tatsächlichen Tagesumsätze erfasst werden. Das wäre rentabler als der jetzige Zustand, wo die Privatwirtschaft in die Knie gezwungen wird:

    1. Die geschätzten 40 Mrd € Schattenwirtschaft (für 2013) würden komplett mit einem Höchstsatz von 40% versteuert und somit 16 Mrd € Steuereinnahmen bringen.
    2. Diese Steuereinnahmen könnten leicht die 1 Mio. zusätzlicher „Beamten“ bezahlen, und zwar mit 16.000 € im Jahr (=1.300 € Monatslohn).
    3. Die Arbeitslosigkeit würde um 21% fallen und die zusäztlichen „Beamten“ wären jetzt zusätzliche Steuerzahler.
    4. Dadurch würde auch der Konsum und die damit verbundene lokale Wirtschaft steigen, also noch mehr Steuereinnahmen.

    Das ist ein todsicheres System und wäre ein Modell für alle Krisenstaaten, insbesondere den größten, D. Denn hier ist die Steuerhinterziehung (pro Kopf) noch viel höher als in GR und die Anzahl der Selbständigen dagegen verschwindend klein. Man Stelle sich vor, D könnte mit den hinterzogenen 160 Mrd € die Arbeitslosenzahl der gesamten EURO-Zone halbieren. Aber wer will das schon? Es ist skandalträchtiger, wenn Parties ausgehoben, Künstler kriminalisiert und Gastronomen drangsaliert werden. Dann fühlt sich der angestellte Bürger nicht mehr so, als ob nur ER vom Staat terrorisiert wird.

  4. Götterbote
    19. August 2013, 18:05 | #4

    Unabhängig der Notwendigkeit, kann ich mir schon gut vorstellen, dass die Kontrolleure nicht umsonst als „Rambos“ bezeichnet werden. Hier in Deutschland verfahren die nämlich ähnlich (Zoll und Steuerfahndung), obwohl es absolut unnötig ist und es andere Wege und Möglichkeiten der Kontrolle gäbe. Da werden Läden regelrecht „gestürmt“ und für die Zeit der Kontrolle geschlossen. Wie das auf die Gäste wirkt und was die sich dabei denken oder nicht mehr wiederkommen wollen, das ist denen egal. Nicht umsonst hat niemand mehr Rechte in Deutschland, als die Steuerfahndung.

Kommentare sind geschlossen