Offshore-Hasen und Steuer-Schnecken in Griechenland

30. August 2013 / Aktualisiert: 16. September 2020 / Aufrufe: 1.459

Die griechische Karte der Offshore-Gesellschaften

Kranidi mag in das Licht der Öffentlichkeit geraten sein, ist jedoch nicht das einzige griechische Steuerparadies. Gemäß einem Bericht des Generalinspektors der öffentlichen Verwaltung gestaltet sich die „Landschaft“ der in Griechenland registrierten Offshore-Gesellschaften und der jeweils zuständigen lokalen Finanzämter bzw. Finanzbehörden (DOY) wie nachstehend:

Zuständiges Finanzamt Offshore-Gesellschaften Zuständiges Finanzamt Offshore-Gesellschaften
Ägina 33 Kalamata 31
Agios Nikolaos 46 Korfu (1. DOY) 69
Agios Stefanos 10 Korfu (2. DOY) 27
Andros 51 Lefkas 21
Argostoli 26 Livadia 37
Athen (1. DOY) 10 Mykonos 244
Athen (4. DOY) 30 Paros 93
Athen (FAE) 2.908 Piräus (FAE) 1.195
Chalkida 53 Psychiko 16
Chania 43 Rhodos 58
Chios 16 Santorin 24
Glyfada 15 Thessalonikiki (FAE) 68
Ithaki 16 Volos 36
Theben 20

Die Liste ist hier jedoch nicht zu Ende, da in den letzten Monaten die Pilze der Offshore-Gesellschaften in Provinzstädten zu sprießen fortfahren, in denen es sich niemand hätte vorstellen können. Ein charakteristisches Beispiel ist die Meldung des SYRIZA-Abgeordneten Vangelis Apostolou über die Auffindung weiterer 46 Offshore-Gesellschaften mit Sitz in Nea Styra auf Euböa, die 92 Besitztitel für nahe am Meer gelegene Waldgebiete in einem besonders hohen Wert inne haben.

Zur selben Stunde hat sich auch Kymi in ein Steuerparadies gewandelt, wo dutzende Offshore-Gesellschaften in Immobilientransaktionen, aber sogar auch bei der Verwaltung von Photovoltaik-Parks aktiv sind. In dem Gebiet wurden 27 Villen und Grundstücke ausfindig gemacht, die von Gesellschaften, die ihren Sitz auf Zypern und in Russland haben, mit dem einigen Ziel gekauft wurden, so wenig wie möglich an den griechischen Staat zu zahlen.

Außer den 27 Villen und Grundstücken in Kymi agieren Offshore-Gesellschaften hinter Immobilienkäufen in Theologos und Stylida der Präfektur Fthiotida, wo hauptsächlich von Russen große Landflächen (bis zu 140 Dekar), aber auch Grundstücke gekauft worden sind.

Die „Party“ der Offshore-Gesellschaften an der Börse und „heimliche“ Käufe.

Wegen der lockeren Gesetzgebung und des Fehlens eines spezialisierten Kontrollmechanismus feierten die Offshore-Gesellschaften an der Athener Börse viele Jahre lang Party. Insgesamt waren an der Börse in Athen 3.575 Offshore-Gesellschaften als Investoren registriert (von denen 1.794 Codes von den Kaiman-Inseln kommen). Vor drei Jahren (also vor der Krise) gab es 645 aktive Codes mit Sitz in Steuerparadiesen und einem Aktien-Umsatz im Wert von über 3 Mrd. Euro, während Anfang Januar 2013 noch 255 (aus 38 Ländern) mit einem Aktienwert von fast 926 Mio. Euro verblieben waren.

Bis heute erfolgt die Überprüfung der tatsächlichen Eigentümer, also auch die persönliche Zuordnung der eventuellen Vergehen, nur auf theoretischem Niveau. In der Realität kontrolliert niemand die Personen hinter den Offshore-Gesellschaften und kein Träger ist in der Lage, die spekulativen Spiele und die Gesetzwidrigkeiten zu beobachten.

Beispielsweise haben in dem „Geflecht“ der 45 Gesellschaften, die in den Fall der Proton Bank und des Unternehmers Lavrentis Lavrentiadis verwickelt sind, fünf Offshore-Gesellschaften von den Jersey-Inseln und drei weitere von den Kaiman-Inseln eine Schlüsselrolle inne. Aber auch in die jüngsten Fällen der alternativen Stromanbieter sind Offshore-Gesellschaften verwickelt. Der arabisch-russische Investment-Fonds Worldwide Energy Limited, der die Energa erwerben sollte, war eine Übersee-Gesellschaft auf den Marshall-Inseln mit einem Aktienkapital von gerade einmal 1.200 Dollar, während inzwischen auch der Verkauf des „902“ (Anmerkung: gemeint ist der jüngst erfolgte Verkauf der Radiostation „902“ der Kommunistischen Partei Griechenlands) mittels einer Offshore-Gesellschaft bekannt ist.

Die griechischen Offshore-Gesellschaften und das „schmutzige“ Geld

Die sogenannten „legalen Vorteile“ der „Steuerparadiese“ und der Offshore-Gesellschaften, die in Griechenland durch die vorgeschobenen Gesellschaften hinter superluxuriösen Immobilien bekannt wurden, sind sehr viele. Laut den Experten in aller Welt ist dieser Aspekt, sprich die Verschleierung des Besitzes von Immobilien, jedoch der „unschuldigste“, und von allen ihren Nutzungen ist ihm am leichtesten zu begegnen.

Die Wäsche „schwarzer“ (sprich aus Schmiergeldern, Bestechungen, Erpressungen, Drogenhandel, Prostitution und anderen Straftaten herrührender) Gelder, die Manipulation der Aktien, die Verzerrung des griechischen Marktes durch die „Dreiecks- / Reihengeschäfte“ und überteuert in Rechnung gestellte Materialien (für staatliche Ausschreibungen und öffentliche Projekte), aber auch Rohstoffe für einheimische Industriebetriebe und Endprodukte für Geschäfte und Supermärkte sind die signifikantesten „Merkmale“ der Nutzung der Offshore-Gesellschaften in Griechenland.

Charakteristisch ist die jüngst erfolgte Enthüllung des SDOE-Funktionärs Anastasios Mpezentakos vor dem Transparenz-Ausschuss des Parlaments über den Fall einer griechischen Firma für die Belieferung von Krankenhäusern, dass über Dreiecksgeschäfte (wobei die eine Offshore-Gesellschaft Rechnungen an die andere und alle zusammen an die Muttergesellschaft in Griechenland ausstellten) Medikamente im anfänglichen Wert von 400.000 Euro um 4,2 Mio. Euro überteuert wurden.

Gründe auch Du eine Offshore-Gesellschaft. Du kannst es!

In den letzten Jahren kann eine Offshore-Gesellschaft leicht und schnell – sogar auch per Internet – gegründet und verwaltet werden, bei Kosten, die sich von 450 bis 1.000 Euro jährlich bewegen, und garantierter Anonymität. Aufzeigend wird angeführt, dass eine Übersee-Gesellschaft in nur drei Tagen gegründet werden kann, und häufig sind von Unternehmensberater-Büros Gesellschaften für die sofortige Befriedigung jeglicher Geschäftsbedürfnisse bereits vorab erstellt. Sie bestehen aus sogar auch nur einem einzigen Aktionär, ohne absolut irgendeiner Vorbereitung (Vereinbarungen, Verhandlungen, Regelung von Details usw.) zu bedürfen, da alle Einzelheiten auch nachträglich geregelt werden können.

Die Gründung einer griechischen Gesellschaft (z. B. Aktiengesellschaft, Gesellschaft mit beschränkter Haftung usw.) erfordert dagegen wenigstens eine Woche und zusätzlich die Mitwirkung eines Rechtsanwalts, Notars, öffentlicher Behörden sowie auch eine gewisse notwendige vorherige Verständigung zwischen den minimal zwei Aktionären / Teilhabern über den Betrieb der unter Gründung stehenden Gesellschaft. Die Betriebskosten der Auslandsgesellschaften bewegen sich analog zu dem Gründungsland zwischen 350 und 650 USD pro Jahr. Für die Gründung einer Aktiengesellschaft in Griechenland waren dagegen – von dem bürokratischen Hürdenlauf abgesehen – minimal 60.000 Euro (bzw. inzwischen „nur“ noch 24.000 Euro) erforderlich.

(Anmerkung: Inzwischen wurde in Griechenland die Ein-Personen-GmbH „MEPE“ sowie jüngst auch die Private Kapitalgesellschaft „IKE“ mit einem minimalen Kapitalbedarf von nur 1 € etabliert sowie auch das fallweise erforderliche Mindestkapital zur Gründung von Kapitalgesellschaften drastisch gesenkt, womit sich jedoch in dem konkreten Zusammenhang natürlich keine wirkliche Alternative zu einer „Offshore-Gesellschaft“ anbietet.)

Anonymer Kapitaltransfer per Offshore-Gesellschaften

Eine der in den Jahren der Krise in Griechenland aufblühenden Aktivitäten ist der anonyme Transfer von Geldern ins Ausland, und zwar unter Nutzung der Mechanismen einer oder mehrerer Offshore-Gesellschaften. Dutzende Büros im Athener Stadtbezirk Kolonaki, an der Straße Akti Miaouli und der Syggrou-Allee unter der Bezeichnung „Unternehmensberater“ oder „Financial Services“ übernehmen gegen eine entsprechende Vergütung, so viel Geld ins Ausland zu transferieren wie der potentielle Kunde wünscht. Und zwar ohne die Vermittlung griechischer Banken oder sonstiger Finanzinstitute, die Daten über die Transaktionen und Spuren der Geldbewegungen aufbewahren, die wiederum bei der SDOE, dem Finanzministerium und der Griechischen Bank landen können.

Die meisten „Berater-Gesellschaften“ sind inoffizielle Repräsentanten ausländischer Banken in Übersee, hauptsächlich auf den Kaiman-Inseln, und für einen Betrag von 250 bis 900 Euro erfolgt die Eröffnung eines Bankkontos und gegen eine kleine vorab vereinbarte Provision übernehmen sie den nicht aufzuspürenden Kapitaltransfer ins Ausland. „Offshore-Banking“-Dienstleistungen bieten indirekt und inoffiziell mehr als 160 Banken in Athen und Piräus an.

An den Straßen Akti Miaouli und Akti Kondyli befinden sich Banken und inoffizielle Büros von Banken auf den Bahamas, den Kaiman-Inseln, Mauritius, Seychellen und in Panama. Mittels dieser Büros und Banken sind in den beiden letzten Jahren 63 Mrd. Euro von den griechischen Banken „entflogen“, wobei von Griechen 1,1 Mrd. Euro auf den Kaiman-Inseln, 650 Mio. Euro auf den amerikanischen Jungfern-Inseln, 532 Mio. Euro auf den Jersey-Inseln des Ärmelkanals und 657 Mio. Euro in Hongkong ankamen. Zu den schweizerischen Banken floss dagegen laut den Daten der speziellen Untersuchung (Coordinated Direct Investment Survey) des Internationalen Währungsfonds gerade einmal 1 Mio. Euro.

Finanzministerium erzwingt Übereignung an natürliche Personen

Abschließend sei besonders betont, dass gemäß Gesetz N. 3841/2010 die Gesellschaften, die in Griechenland keine andere Aktivität als die Verwertung oder Eigennutzung von Immobilien aufweisen, und sofern sie nicht vermögen, gemäß den Regeln der Publizität die hinter der jeweiligen Gesellschaft stehenden natürlichen Personen zu benennen, seit 2010 einer jährlichen Immobilien-Sonderabgabe unterliegen, deren Satz 15% (!!) des nach dem System der sachwertorientierten Wertbestimmung festgesetzten Immobilienwertes beträgt.

Praktisch stellte der Gesetzgeber die betroffenen Gesellschaften damit vor die Wahl, ihre Immobilien entweder auf natürliche Personen (gegebenenfalls unter Inanspruchnahme vergünstigter steuerlicher Konditionen) zu übertragen oder mittels der horrenden Sondersteuer schrittweise enteignet zu werden.

Wie in diesem Zusammenhang in einem jüngst an das Parlament übermittelten Schreiben des Staatssekretärs im Finanzministerium, Giorgos Mavraganis, angeführt wird, erfolgten nach der obigen Änderung des gesetzlichen Rahmens bezüglich der Immobilien der Offshore-Gesellschaften und hauptsächlich nach den angelaufenen Steuerprüfungen bisher unter Inanspruchnahme der Übergangsbestimmungen des Gesetzes N. 3842/2010 insgesamt 469 Immobilienübertragungen von – nicht steuerbefreiten – Immobilien-Holdinggesellschaften an Privatpersonen. Diese Übereignungen brachten dem griechischen Fiskus allein aus der Immobilientransaktionssteuer einen Betrag von rund 19 Millionen Euro ein.

(Quelle: Avgi, in.gr)

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