Offshore-Hasen und Steuer-Schnecken in Griechenland

30. August 2013 / Aktualisiert: 16. September 2020 / Aufrufe: 1.375

Während das Finanzministerium in Griechenland im Schneckentempo gegen verdächtige Offshore-Gesellschaften vorgeht, wechseln letztere wie die Hasen ihre Schlupflöcher.

Der exotische Begriff „Offshore-Gesellschaft“ trat in das Leben der Griechen erstmalig zu Beginn des Jahrzehnt der 80er Jahre ein. Mal als Gesellschaft „jenseits der Küste“, mal als „Auslands“- und manchmal als „Übersee“-Gesellschaft beschrieb er gleichermaßen exotische wie merkwürdige „Gesellschafts-Formationen“ an magischen und traumhaften Standorten.

Bis damals handelte es sich um ein gut gehütetes „Geheimnis“ einer kleinen Elite von Großunternehmern und das Wort stellte für den größten Teil der griechischen Gesellschaft ein unbekanntes Wort dar – einen fast unbekannten Begriff auch für Finanzbeamte und Bedienstete des griechischen Finanzministeriums.

Offshore-Gesellschaften begannen wie Pilze zu sprießen

Seit Beginn des Jahrzehnts der 90er Jahre begannen in den luxuriösen Vorstadtbezirken Athens, auf den kosmopolitischen Inseln, aber auch in den unglaublichsten Regionen des Landes die Offshore-Gesellschaften wie Pilze aus dem Boden zu sprießen. In der Periode der „Börsenblase“ wurden sie zur Mode und zu einem unverzichtbaren Accessoire der Neureichen. Hochluxuriöse Villen, imposante Yachten und sündhaft teure Kutter, private Hubschrauber und glänzende Flugzeuge vom Typ Lear Jet hatten eine Offshore-Gesellschaft als Scheinbesitzer.

Auf den meisten Inseln wie Mykonos, Paros und Spetses war es in der lokalen Gesellschaft ein „offenes Geheimnis“, wer der Besitzer der Immobilien war, jedoch schritten die Kontrollbehörden niemals zur Überprüfung imaginärer und realer Eigentümer der Gesellschaften. Finanzminister Giannis Stournaras veröffentlichte Fakten über die Kontrollen bei den Offshore-Gesellschaften in Griechenland, wonach die Überprüfung der Offshore-Immobilien bei 34 (von insgesamt 6.575) Gesellschaften abgeschlossen worden ist und Abgaben in Höhe von 40.068.785,61 Euro festgestellt worden sind, während die Überprüfung weiterer 315 Gesellschaften fortgesetzt wird.

Charakteristisch ist die Phrase eines Amtsträgers der Einheit für die Verfolgung der Wirtschaftskriminalität (SDOE), die Steuerprüfungen des Finanzministeriums schreiten mit dem Rhythmus einer Schildkröte voran, zu einer Stunde, wo die Steuerhinterzieher sich mit Hasen-Geschwindigkeit von einer Offshore-Gesellschaft zur nächsten bewegen.

16.580 aktive „Offshores“ in Griechenland und die „Riviera“ von Kranidi

Die Anzahl der in Griechenland gemeldeten Offshore-Gesellschaften erreicht 21.065, von denen 16.580 aktiv sind. 10.000 dieser Gesellschaft treten in der Seefahrt in Erscheinung und die übrigen befassen sich mit Immobilien (real estate) hauptsächlich auf Rhodos, Korfu, Santorin, Mykonos, Chalkidiki usw. Obwohl sie verpflichtet sind, Erklärungen zur Immobiliensteuer abzugeben, taten dies 2012 gerade einmal 965 Gesellschaften und entrichteten in diesem Rahmen 300 Millionen Euro, also sehr viel weniger als 2011 (900 Millionen Euro) und 2010 (3,4 Mrd. Euro).

(In diesem Zusammenhang sei besonders betont, dass gemäß Gesetz N. 3841/2010 die Gesellschaften, die in Griechenland keine andere Aktivität als die Verwertung oder Eigennutzung von Immobilien aufweisen, und sofern sie nicht vermögen, gemäß den Regeln der Publizität die hinter der Gesellschaft stehenden natürlichen Personen zu benennen, seit 2010 einer jährlichen Immobilien-Sonderabgabe unterliegen, deren Satz 15% (!!) des nach dem System der sachwertorientierten Wertbestimmung festgesetzten Immobilienwertes beträgt. Praktisch stellte der Gesetzgeber die betroffenen Gesellschaften damit vor die Wahl, ihre Immobilien entweder auf natürliche Personen zu übertragen – wobei für einen befristeten Zeitraum vergünstigte Konditionen in Anspruch genommen werden konnten – oder mittels der horrenden Sondersteuer schrittweise enteignet zu werden.)

Prominente Personen aus der Welt der Reeder, Unternehmer und Künstler waren die Schöpfer des „Steuerparadieses von Kranidi“, das ganz Griechenland vor zwei Jahren die Sprache verschlug, als enthüllt wurde, dass es in der 5.000 Einwohner zählenden Kleinstadt in Argolida 187 Offshore-Gesellschaften gab. Ihre Aktivitäten begannen 2003, und innerhalb eines kurzen Zeitraums verwandelte die gesamte Region sich in einen Marktplatz für Immobilien und erwarb dabei die beneidenswerte Charakterisierung „Griechische Riviera“.

Jedoch zahlten die wenigsten Eigentümer von Ferienanwesen Besitzsteuern. Von 2003 bis 2009 flossen jährlich gerade einmal 50.000 Euro in die öffentlichen Kassen. Hinter dem Erwerb luxuriöser Immobilien mittels dieser in Übersee ansässigen Gesellschaften, die als Sitz die britischen Jungferninseln, die Kaiman-Inseln, Panamas, Monrovia in Liberia und andere Standorte deklarieren, verstecken sich griechische Magnaten des Geldadels, aber auch etliche Ukrainer, Russen, Deutsche und Inder.

Als Eigentümer treten Griechen und Ausländer auf, unter denen sich auch viele bekannte Namen von Unternehmern aus Athen, Inhaber von Rechten an hauptsächlich großen und küstennahen Landflächen – von 50 bis 400 Dekar rund um Kranidi und gegenüber von Spetses -, Eigentümer von Hotels, luxuriösen Ferienhäusern und andere befinden. Es handelt sich um Menschen, die in der weitläufigeren touristischen Region bei Petrothalassa, Thyni, Korakia und Kounoupi tätig sind, und die meisten zahlten bisher keine Steuern. Steuerlich werden die Gesellschaften hauptsächlich von lokalen Rechtsanwälten, Notaren, Steuerberatern, Geschäftsinhabern, aber auch Bauern, Arbeitern und sogar auch Beschäftigungslosen vertreten, hinter denen sich die tatsächlichen Eigentümer verstecken.

Was den Rekord beim Besitz von Offshore-Gesellschaften betrifft, hält diesen … ein Arbeiter, der – während er als Tagelöhner auf dem Bau oder in der Landwirtschaft arbeitet – enthüllte, insgesamt 14 Offshore-Gesellschaften zu vertreten.

Auch „Kokos“ hat eine Offshore-Gesellschaft in Kranidi

Konstantinos Glücksburg und Anna-Maria bauen in der Region von Kranidi in der Lage Gkialeza ihr neues Haus. Informationen zufolge sind von der lokalen Baubehörde 8 Baugenehmigungen ausgestellt worden, damit auf einem Areal von 207 Dekar 8 Gebäude errichtet werden, und die „königliche“ Investition erfolgte mittels zweier Offshore-Gesellschaften. Gemäß ebenfalls den im Hypothekenregister (Grundbuch) von Kranidi erfolgten Eintragungen begannen die Offshore-Gesellschaften 2007 für Rechnung der ehemaligen Königsfamilie mit dem Ankauf von Landstücken in der Lage Gkialeza und kamen im September 2008 zum Abschluss.

Die Odyssee der verdächtigen Fälle

Obwohl damals die politische Führung des Finanzministeriums versprach, gegen die Steuerhinterzieher vorgehen und sie „bestrafen“ zu werden, blieben die Versprechungen auf dem Papier und der Fall wurde der Bürokratie übergeben. „Während im Januar 2012 beschlossen wurde, dass die Prüfung der Akten von der DOY Kranidi der DOY Nafplio angetragen wird, benötigten die Akten der Offshore-Gesellschaften ganze fünf Monate, um 80 Kilometer weit zu reisen„, meint ein Funktionär der SDOE.

Die Odyssee der Akten endete jedoch nicht hier (in Nafplio), da es weiterer vier Monate bedurfte um festzustellen, dass die Finanzbehörde (DOY) Nafplio wegen Personalmangels nicht vermochte, der Prüfung der Akten gerecht zu werden. „Unter drohender Verjährung der Straftaten wurden die Akten gegen Ende 2012 von Nafplio in das bezirksübergreifende Prüfzentrum (DEK) Athen verbracht, jedoch fand sich auch dort nicht das erforderliche Personal, das sich mit den skandalösen Offshore-Gesellschaften von Kranidi hätte befassen können„, fährt der Funktionär der SDOE fort.

Nach einem bürokratischen Marathon kamen die Akten schließlich im Juni 2013 im „Prüfzentrum für die Besteuerung großen Reichtums“ an und deckten dabei den politischen Willen bezüglich einer Immunität der Steuerhinterzieher auf.

Artikel weiterlesen: Seite 1 Seite 2

Kommentare sind geschlossen