Macht uns nicht verrückt, Ihr auf den Kykladen in Griechenland

22. August 2013 / Aktualisiert: 23. August 2013 / Aufrufe: 1.900

Der Journalist Nikos Kakarikas geht mit den im Tourismus tätigen Unternehmern auf den Kykladen – und nicht nur – in Griechenland ins Gericht.

Seit 1999 bis einschließlich 2008 machte ich nur auf den Kykladen Urlaub. Jahr für Jahr – ehrlich gesagt brauchte ich einige Zeit, weil ich von der Umwelt bezaubert war – wurde mir klar, dass es letztendlich keinerlei Unterschied zu Chalkidiki oder anderen „berühmten“ touristischen Zielgebieten gibt. Der selbe Betrug, den Dummköpfen sei Dank, Griechen und Ausländern.

Moussakas für Griechen und Zimmer für Blödmänner

Anlässlich des Stromausfalls auf Santorin und der Reaktionen der „seriösen Unternehmer“ der Insel – und nicht nur – folgen einige persönliche Beobachtungen:

  1. Jeden Abend, analog zum Gebiet, hatte man das „Glück“, in der Ferne nicht die Grillen, sondern den Dieselgenerator zu hören. Auf die Frage an die Einheimischen, warum sie für ihre Stromversorgung nicht 2 – 3 Windgeneratoren aufstellen, bekam man die bezahlte Antwort, „sie verschandeln die Umwelt und verursachen epileptische Anfälle„.
  2. Verlangte man eine Quittung fürs Finanzamt, stieg der Betrag für den Aufenthalt um 40%.
  3. Für 4 Kaffees und 4 Toaste bezahlte man minimal ab 7.000 Drachmen bis zu 40 Euro, selten mit Quittung.
  4. Ausländer und Ausländerinnen ohne Sozialversicherung reinigten die Zimmer und arbeiteten als Reinigungskräfte – Tellerwäscher, wie es auch heute geschieht.
  5. Minderjährige Söhne, minderjährige Töchter und Nichten, Schwestern, Tanten, Schwager und die ganze Verwandtschaft als Kellner in den Tavernen (Gott helfe ihnen, welche zu werden) und Cafes, wie es auch heute geschieht.
  6. Zweimal Moussaka, ein Bauernsalat, zwei Bier, für Griechen!
  7. Ernsthafte Kenntnisse der englischen, französischen und englischen Sprache bei keinem der touristischen „Unternehmer“, speziell z. B. auf Amorgos. Ich erinnere mich noch an die Greisin mit dem schwarzen Kopftuch und ihrem wohlgenährten Sohn, wie sie uns um 03:00 Uhr morgens auf Santorin mit dem genialen Spruch anmachten: „Ruummm, Ruummm, Ruummm Misterrr! Kom!„, als ob wir als amerikanische Seeleute 1950 in Troumpa an Land gegangen waren.
  8. Wir tranken Kaffee und o mit Beilagen in Gesellschaft der Mitarbeiterstäbe des Finanzamts und der IKA, die zu Kontrollen gekommen waren.
  9. Wir zahlten für die frischen Fische 20.000 Drachmen oder 65 – 70 Euro pro Kilo.
  10. Wir hörten geniale Dialoge zwischen Zimmerbesitzern, wie „ich habe vier deutsche Blödmänner, wo soll ich sie hinstecken? Hey, Freundchen, hast Du irgend welche freien Zimmer?

Ihr alle auf den Kykladen, versucht nicht, uns verrückt zu machen. So sehr hat uns der in München, London oder Paris verbrachte Winter auch wieder nicht mitgenommen.

Es gibt auch ernsthafte Unternehmer, jedoch stellen sie die Minderheit dar. Zumindest wir Griechen wussten und wissen Bescheid. Blöderweise haben einfach damals auch wir nicht den Mund aufgemacht, weil wir die selben Missstände und die selbe Heuchelei hatten und auch heute noch haben.

(Quellen: Protagon, Autor: Nikos Kakarikas)

Relevante Beiträge:

  1. HJM
    26. August 2013, 23:50 | #1

    Als ich das erste Mal gehört habe, daß der Service in der freien Preisfindung zwischen Griechen und ausländischen „Wichsern“ unterschied, habe ich es nicht geglaubt. Beim zweiten Mal kamen mir dann doch Zweifel. Mir selbst ist es nie passiert (denke ich), aber mittlerweile glaube ich es. Sehr schade.

  2. Wildkatze
    27. August 2013, 08:55 | #2

    @HJM
    Glauben Sie es ruhig. Vor 9 Jahren habe ich mein Häuschen in GR gekauft und komme seither regelmässig nach GR. Was mir da diesbezüglich alles passiert ist, würden Sie kaum glauben. Ob bei Handwerkern, beim Autokauf, auf dem Markt – überall gibt es separate Preise für Ausländer. Wissend, dass ich „über den Tisch gezogen“ werde, bezahle ich zähneknirschend, weil mir nichts anderes übrig bleibt – es ist überall das selbe! Von meinem anfänglichen Enthusiasmus gegenüber Griechen und Griechenland ist leider nicht sehr viel übrig geblieben. Leider aber kann ich mein Haus in GR nicht mehr verkaufen. Das war die grösste Fehlinvestition meines Lebens.

  3. 1. April 2015, 19:48 | #3

    Also für Santorini kann ich die Einschätzung des Autors bestätigen. Teilweise äußerst unfreundliche Busfahrer, Bedienungen und Hoteliers. Ist meiner Meinung nach die traurige Entwicklung vieler Urlaubsziele, welche sich von relativ stillen Orten zu überlaufenen „Pauschalurlaub-Traumzielen“ entwickelt haben. Ansonsten und gerade bei den kleineren Kykladeninseln habe ich aber sehr viele positive Erfahrungen mit den Einheimischen und auch den „Unternehmern“ gemacht. Faire Preise (auch für Nicht-Griechen), guter Service und Quittungen ohne Nachfrage. Was spricht dagegen Familienmitglieder in der eigenen Taverne zu beschäftigen? Auch in Deutschland sind viele Restaurants fast reine Familienbetriebe. Um für ein Frühstück 40€ zu zahlen, muss man sich auch auf den Kykladen schon sehr bemühen, das klappt eigentlich nur in Santorini direkt am Kraterrand im Noblecafé 😉

Kommentare sind geschlossen