Krise leert Altenheime in Griechenland

20. August 2013 / Aktualisiert: 25. Januar 2014 / Aufrufe: 4.079

Immer mehr Familien in Griechenland holen ihre in Pflegeheimen lebenden Senioren zu sich nach Hause, um mit den Renten ihren Haushalt über die Runden zu bringen.

Die Rente der Oma und des Opas erweist sich als Stützpfeiler Nr. 1 der griechischen Familie. Mit der Arbeitslosigkeit in schwindelerregenden Höhen und den massakrierten Beihilfen und Löhnen können die wenigen hundert Euro, welche die Rentner monatlich erhalten, den kritischen Unterschied in einer Familie ausmachen. Dies ist der Hauptgrund hinter der „Massen-Räumung“, die in letzter Zeit in den Altersheimen des ganzen Landes verzeichnet wird.

Es gibt eine intensive Fluktuation„, betont gegenüber der „Kathimerini“ der Präsident des Panhellenischen Verbands der Einrichtungen für Altenpflege (PEMFI), Herr Stelios Prosalikas. „Viele Leute entscheiden sich, ihre Senioren zu sich nach Hause zu nehmen, damit sie an deren Rente teilhaben können um über die Runden zu kommen.“ Wie er erklärt, wir die Entscheidung jedoch nicht leichten Herzens getroffen. „Befindet sich ein Mensch in einer Altenpflegestätte, bedeutet dies, dass es ein schwerer Fall ist und spezielle Beschäftigung erfordert. Die Menschen scheinen jedoch bereit zu sein, sich selbst zu übertreffen, indem sie die Pflege der Senioren übernehmen um nicht das Altenheim zu bezahlen.

Die Altenpflege zu Hause kann ebenfalls erhebliche Kosten verursachen

In Griechenland werden etwa 100 private Altenpflegeeinrichtungen und weitere 100 Einrichtungen von Nicht-Regierungsorganisationen betrieben (hauptsächlich von der Kirche oder Vermächtnissen). Ihre Gesamtkapazität erreicht 15.000 Personen. Laut Herrn Prosalikas erreichte vor der Krise die Auslastung dieser Einrichtungen 100%, bei einem ständig zunehmenden Druck zur Aufstockung der Plätze. Heute liegt die Auslastung nicht höher als 80%. „Vormals wurde die Anzahl der Einrichtung im Verhältnis zu den Anforderungen des Landes als gering betrachtet. Heute gibt es in fast allen Altersheimen leere Plätze.

Frau I. F. hat ihre Oma in einem Altersheim der südlichen Vorstadtbezirke Athens. Deren Rente reicht nicht aus, um die Kosten der Pflege zu decken, und so steuert ihre Enkelin jeden Monat einen Teil ihres Gehalts bei. „Ich denke ernsthaft darüber nach, sie aus dem Altersheim herauszuholen und sie bei mir zu Hause aufzunehmen„, erklärt sie gegenüber der „Kathimerini“. „Wenigstens werden wir so die Miete bezahlen und mir wird etwas Geld übrig bleiben. Die Entscheidung ist jedoch schwer. Ich werde praktisch mein eigenes Leben ‚vergessen‘ müssen und die Oma pflegen, die viele Gesundheitsprobleme hat.

Dem selben Dilemma scheinen viele zu begegnen. Auf der einen Seite ist die Verlockung der Rente erheblich, auf der anderen Seite ist es möglich, dass die Pflege des Seniors außer Mühe auch Geld erfordert. „Die Kosten der Pflege zu Hause sind ebenfalls hoch„, erklärt Herr Prosalikas. In den letzten Jahren haben die Einrichtungen die Preise gedrückt, einerseits um die Welle der Abgänge der Senioren aufzuhalten, aber auch, um sich dem Geist der Epoche anzuschließen. In den meisten Fällen übersteigen die Kosten 1.000 Euro nicht (nicht für Einzelzimmer). Im selben Moment bewegt sich die Vergütung der Alten- und Krankenpfleger, die als Interne arbeiten, um die 500 Euro.

Der Staat lässt die Leute mit schweren Pflegefällen allein

Für viele Leute stellt es jedenfalls keine wirkliche Option dar, den Senior aus dem Altersheim herauszunehmen. Es handelt sich um die wirklich schweren Fälle von fortgeschrittener Demenz oder Alzheimer, die rund um die Uhr der Beobachtung bedürfen. „Es gibt keine staatlichen Strukturen für die Demenz, womit die Leute keine Lösungen haben„, sagt zu der „Kathimerini“ der Direktor der auf die spezielle Krankheit spezialisierten Altenpflegestätten „Aktios„, Herr Kostas Fouskas. „Nur in dem Fall, wo jemand arbeitslos blieb, würde er das Risiko der exklusiven Pflege einer greisen Person in einem solchen Stadium auf sich nehmen.“ Wie er erklärt, wählen viele Leute jedenfalls inzwischen billigere Einrichtungen oder verlangen die Verlegung des Seniors von einem Einzelzimmer auf ein Zwei- oder Dreibettzimmer, damit die Kosten sinken.

Auf jeden Fall wird alles von dem Verlauf der wirtschaftlichen Krise abhängen. „Die Herausnahme der Senioren aus den Pflegeeinrichtungen ist als ‚Lösung‘ in dem Problem der Arbeitslosigkeit sichtbar geworden„, endet Herr Prosalikas. „Außerdem leben die meisten Arbeitslosen in unserem Land von den Renten ihrer Eltern oder Großeltern und weniger von den speziellen Beihilfen. Wenn die Arbeitslosigkeit weiter steigt, wird die Tendenz zur Leerung der Altersheime sich verstärken.

(Quellen: Kathimerini)

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