Ist der Finanzminister in Griechenland eine Last?

24. August 2013 / Aktualisiert: 27. August 2013 / Aufrufe: 1.006

Der Finanzminister in Griechenland, dem ein merkwürdiger Humor nicht abzusagen ist, scheint für die Regierung zunehmend zu einem Klotz am Bein zu werden.

Herr Giannis Stournaras ist ein Mensch mit Humor. Das merkt man sofort auch an der Art, wie er sich die Haare schneiden lässt. Und diesen seinen Humor hat er auch an seine äußerst fähigen Mitarbeiter weitergegeben. Es reichte schon aus, den Begründungsakt in dem berüchtigten Gesetz von Juli 2013 zu lesen, mit dem er Entlassungen verfügte und Steuern verhängte usw. Schon auf der ersten Seite sprachen die Autoren des Berichts davon, wie gut es mit der Wirtschaft laufe.

Weil es scheint, dass manche den Bericht nicht lasen oder sogar lachten, setzte der Herr Minister an dem Tag der Unterzeichnung der Übergabe des O.P.A.P. seinen Schabernack mit jener berühmten freudigen Erklärung fort, wir hätten in den ersten sieben Monaten des Jahres 2013 auch einen primären Überschuss von ein paar Milliarden. Wobei auch der ungebildeteste Reporter des Finanzministeriums, nachdem ihm klar geworden war, dass die Zahlen in Wirklichkeit ein Defizit und keinen Überschuss ergaben, da die festgestellten fälligen Verbindlichkeiten des Staates nicht mit einbezogen worden waren, sich danach einem für uns unsichtbaren Wink gehorchend, der bedeutete „lächel‘ schon, ist doch nicht so schwer“, sich nicht zu sagen traute, der Herr Minister habe wieder einmal einen Scherz gemacht.

Die Medien haben den Finanzminister zu sehr gestreichelt

Die Exportunternehmen, die darauf warten, die MwSt. erstattet zu bekommen und sich große Sorgen um ihre Liquidität machen, lächeln allerdings nicht. Als sie jedoch den Minister darauf ansprachen, zu dem Einen sage er ihnen, es regeln zu werden, zu dem Anderen, darauf nicht fokussiert zu sein, zu dem Dritten, dies sei nicht sein Problem, und ihn fragten, was denn letztendlich seine Sorge sei, antwortete er – wie er auch gegenüber Bloomberg erklärt hatte -: Nur die Umsetzung des Programms. Vorher hatte er jedoch eingestanden, weder einen alternativen Plan (Plan B) zu haben noch daran zu denken, einen auszuarbeiten. So viel Sicherheit.

Meine Meinung ist, dass die Medien den Herrn Stournaras all zu sehr gestreichelt haben. Hier und dort mag man etwas über das Eine und Andere zu hören bekommen, jedoch vermeiden sie, alle seine Entgleisungen und Hartnäckigkeiten in den selben Korb zu werfen. Sie ziehen vor, diese diversen unsichtbaren Mächten anzulasten, dermaßen, dass das Publikum zu glauben beginnt, möglicherweise auch nicht von dieser selben Welt zu sein.

Trägt für all die Verzögerungen, die Absurditäten und die Wiederholungen bei all dem, was mit den Steuererklärungen und den Abstürzen der Informationssysteme verlangt wird, nicht sein Ministerium die Verantwortung? Trägt er für all diese Verzögerungen der Finanzierung des Marktes keine Verantwortung? Wir lesen jedoch, dass er die Direktoren der Banken zusammenrief und mit ihnen „schimpfte“. Irgendein Unterschied ist jedenfalls nicht zu spüren. Wer etwas mehr sucht, stellt fest, dass der Minister und sein Stab ebenfalls entscheidende Fehler (?) bei der Besteuerung der im Ausland lebenden Griechen gemacht haben. Sie verlangen von ihnen, entweder zweimal Steuern zu zahlen oder das Land zu vergessen, in dem sie geboren wurden.

Zweierlei Maß und Moral

Ebenso erklärt Herr Stournaras, (private) Kredite können nicht „geschnitten“ werden. Es handelt sich jedoch um Kredite, die nicht nur einfach bei anderen Löhnen, aber auch in der Einschätzung abgeschlossen wurden, man könne sie relativ bequem mit dem Erhalt der Abfindung tilgen, also mit Geld das einem gehört (bzw. besser, gehörte). Mit diesem Geld der einfachen Menschen tat Herr Stournaras sich allerdings nicht so schwer wie mit dem Geld der Banken, es zu eliminieren und zu „cutten“. Während er für die Banken natürlich Schmerz empfindet (ein Journalist, der sich intensiv mit den Dingen beschäftigt, sagte mir im Mai 2013: der ganze Wirbel um die Nationalbank erfolgte, damit Tourkolias Präsident wird).

Jedenfalls geht er davon aus und erklärte (am vergangenen Sonntag), dass die Versteigerungen stattfinden werden, und zwar ohne Narkose. (Anmerkung: Es geht um die geplante Aufhebung des Versteigerungsverbots für kreditfinanzierte Hauptwohnungen im sachwertorientiert bestimmten Wert von maximal 200.000 Euro.)

Der Spaß geht auch mit jenen „imposanten“ Kriegszügen der Sondereinheit für die Bekämpfung des Wirtschaftsverbrechens (SDOE) und der „Kappung“ des Herrn Stavridis weiter. Es war in Ordnung, dass sie hier und dort Kontrollen durchführten. Schön, sie gingen nicht um zu kontrollieren, ob irgendwelche Quittung dort ausgestellt wurden, wo Herr Marinakis seine Böllerschüsse abgab, oder dort, wo Herr Machairitsas zusammen mit Herrn Starovas bei bester Stimmung bis in den Morgen auf der Hochzeit eines Reeders aufspielten. Offensichtlich wurden sie mit irgendwelchen Schnitzeln und nicht mit Geld bezahlt.

Was den Fall Stavridis betrifft, haben wir genau das „passt auf den Esel auf, nicht dass sein Schwanz tropft„. Er bestieg das Flugzeug des Geldsacks, und so etwas wird von Herrn Stournaras – in Abstimmung mit dem Premierminister – nicht geduldet. (Anmerkung: Stelios Stavridis war als Leiter des TAIPED nach Unterzeichnung der Vereinbarung über den OPAP zusammen mit dem Unternehmer Dimitris Melissanidis in dessen Privatjet zurück nach Südgriechenland geflogen und daraufhin zum Rücktritt gedrängt worden.)

Dem Humor des Finanzministers ist schwer zu folgen

Ich sage Ihnen, Herr Stournaras hat einen Humor, dem schwer zu folgen ist. Dieser brillante Herr Stavridis (zu dem in Erinnerung gerufen sei, dass er vorher der Ausgewählte des Stefanos Manos war – damit wir auch über den Geschmack dieses Anführers Bescheid wissen) hätte schon damals verschwinden müssen, als er noch bei den Wasserwerken von Athen – Patras (EYDAP) war. Als er ankündigte, den Wasserpreis senken zu werden. Was daran schlimm war? Zuallererst machte er auf diese Weise den Aufkauf einer ausgezeichneten Firma noch leichter, und das Witzigste war natürlich, dass jeder gejubelt hätte, der über einen Swimmingpool verfügte oder zu bauen beabsichtigte. Völlig zufällig war Herr Stavridis der Eigentümer der größten Baufirma für Swimmingpools.

Damals wurde er jedoch sogar in den Fond für die Verwertung des privaten Vermögen des Staats (TAIPED) befördert. Nun soll sie angeblich ein Foto im Flugzeug des Herrn Melissanidis mit dessen Stewardess gestört haben. (Während es seit Wochen in den Wirtschaftszeitungen darüber brummte, dass Herr Stavridis von der Regierung fortan nicht mehr gewollt wurde). Derweilen bleibt der Direktor des Amts für Statistik in seiner Position, obwohl wegen seiner Verwicklung in die Verfälschung von Daten in Zusammenhang mit der Wirtschaft ermittelt wird. Dort existiert offensichtlich nicht die selbe Sensibilität.

Giannis Stournaras wird für die Regierung zu einer Last

Die Kommentarfunktion unter unseren Artikeln ist frei und steht allen offen. Möge mir jemand irgendetwas Kreatives aufzeigen, das der Stab des Herrn Stournaras sich in den letzten Jahren ausdachte und umsetzte. Es mag auch denen in der Regierung nützlich erscheinen, die ihn immer noch unterstützen. Jedoch habe auch ich eine Frage: Wie viele sind gemäß dem bekannten stereotypen Ausdruck die „politischen Tiere“ im Maximou (Anmerkung: gemeint ist das Büro des Premierministers bzw. die Regierungszentrale), die nicht begreifen, zu welch einem Klotz an ihren Beinen der Herr Stournaras Tag für Tag mit all diesem seinen missverstandenen „Humor“ und seiner Ineffizienz in Themen des wirtschaftlichen Wachstums wird?

Es bleibt natürlich nicht unbeachtet, dass die gestrige Erklärung des Premierministers, das Thema der Versteigerungen (gepfändeter Wohnungen) auf seine eigene Kappe zu nehmen, ein erster „Nackenschlag“ aus der Umgebung des Maximou für den (bisher) unerschütterten Minister war. Und am Nachmittag trafen sich Samaras – Venizelos ohne Stournaras. Vielleicht hat sich dort drinnen der Selbsterhaltungsinstinkt der Regierung bemerkbar zu machen begonnen und wir werden Entwicklungen haben.

PS: Nachstehend publiziere ich auf Bitte des Eigentümers das Foto einer Immobilie. Er weiß nicht, ob er sie als Hauptwohnung oder als Ferienwohnung deklarieren soll. Sie befindet sich neben dem (analog zu den Abwässern der Fabriken) eingefärbten Fluss bei Nea Chalkidona. Wie er mir anvertraute, hat er für den im Hintergrund sichtbaren Stuhl nicht die Quittung aufbewahrt, jedoch versicherte ich ihm, dass der Herr Minister für die Probleme der einfachen Menschen immer Verständnis hatte.

Baracke bei Nea Chalkidona in Griechenland

(Quelle: Protagon.gr, Autor: Alkis Galdadas)

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