Griechenland: Leere Wiegen, volle Särge

18. August 2013 / Aktualisiert: 08. Februar 2017 / Aufrufe: 6.105

Die demografische „Zeitbombe“ in Griechenland ist aktiviert worden

Projizieren wir nun diese Tendenzen auf die nahe Zukunft, mit Horizont das Jahr 2020 (in dem das Land angeblich aus der Krise hinausgelangen wird), werden dann das Griechenland des Jahres 2020 wenigstens eine Million Griechen weniger bevölkern, ein Verlust, der doppelt so hoch ist wie die Toten in Griechenland in den fünf Jahren des 2. Weltkriegs. Eine gemäßigte Einschätzung des Griechischen Amts für Statistik (ELSTAT) wiederum präsentiert die Bevölkerung des Landes im Jahr 2050 mit einer Anzahl von 9.736.933 Einwohnern – eine Einschätzung, die meines Erachtens eher optimistisch ist.

Um jedoch nicht den Eindruck zu hegen, Griechenland sei der einzige Fall, ist es angebracht, auch einen Blick auf das benachbarte Bulgarien zu werfen, das ebenfalls das „Dogma des Schocks“ erlitten hat. 1989 belief sich die Bevölkerung Bulgariens auf 9 Millionen, während sie heute gerade einmal 7.350.000 beträgt. Da sich die negativen demografischen Tendenzen fortsetzen, werden das benachbarte Bulgarien laut den Prognosen 2050 gerade einmal 4,5 Millionen bevölkern, so viel, wie dann die Bevölkerung Albaniens – eines hinsichtlich der Fläche viermal kleineren Landes – betragen wird.

Die wirtschaftliche Krise und die Politik der Regierung, die als Roboter der widerspruchslosen Ausführung der Befehle der Troika fungiert, hat nachhaltig die „Zeitbombe“ der Demografie aktiviert. Auf der „Zeitbombe“ des demografischen Problems sitzend scheint Griechenland seinem Schicksal zu überlassen sein. Sofern es keine ernsthafte Bemühung unternimmt, seine graue Zukunft zu ändern und sein demografisches Bild anfänglich mittels einer Änderung der Wirtschaftspolitik zu verbessern, wird sein demografischer Absturz als sicher zu betrachten sein. In der Demografie haben bekanntlich die Zahlen das Sagen, und die Zahlen sagen, dass das „Spiel“ bereits entschieden worden ist. Das Jahr 2050 ist uns nicht unbekannt.

Auf Basis der unerbittlichen demografischen Daten wird sich die Bevölkerung Griechenlands im besten Fall um 1 – 2 Millionen reduziert haben und sehr viel älter sein. Ihr Durchschnittsalter wird fünfzig Jahre übersteigen. Das Griechenland des Jahres 2050 wird ein „Altersheim“ ungeheurer Dimensionen sein, in dem die Anzahl der über 60-jährigen Griechen doppelt so hoch wie die Anzahl der unter 20-Jährigen sein wird, was bedeutet, dass immer weniger Griechen arbeiten und besteuert und außer der kaum fassbaren Verschuldung auch die Last der Millionen Rentner zu tragen haben werden. Die Zukunft dieses „grauen Museums“ wird ungewiss sein …

Das Tabu der Demografie

Sogar auch in dem Land seines Ursprungs bleibt das Wort Demografie ein Tabu. Obwohl ihre Fakten in Zusammenhang mit der Zukunft des griechischen Volkes unerbittlich sind, neigt die Demografie kollektiv abgewehrt und fast mit Argwohn behandelt zu werden. Auf eine merkwürdige Weise wird die Demografie als Wissenschaft der „Rechten“ betrachtet, mit deren Fanatikern und den inländischen Neonazis über die Erhöhung der Geburtenrate zeternd – wobei sie mitgliedsreiche Familien mit weißen, rotbäckigen Babys im Sinn haben – und sich über den Verfall der familiären Ideale und das Aussterben der „griechischen Rasse“ beschwerend.

Die Demografie bedarf zweifellos einer „Rehabilitation aus der Linken“. Man könnte sagen, dass die Linke das Monopol in Themen wie Vaterland, Familie, nationale Verteidigung und Demografie in krimineller Fahrlässigkeit der populistischen Rechten und den Rechtsextremisten überlassen hat. Dies muss sich offensichtlich ändern. Die – obwohl politisch in die Ecke getriebene – Linke in Griechenland hält weiterhin starke geistige Kräfte und handhabt mentale Werkzeuge, die substantiell zu der Interpretation der demografischen Phänomene beitragen können (während z. B. die Rechte den Geburtenrückgang als Resultat „des Niedergangs der Werte“ erklärt, spricht die Linke von Demontage des Sozialstaats, Veräußerung der Arbeitnehmer, erhöhten wirtschaftlichen Anforderungen der kapitalistischen Gesellschaft u. m.). Die Linke ist möglicherweise die einzige Kraft, die in der Lage ist, die demografischen Probleme zu „rationalisieren“ und dazu realistische und effiziente Lösungen vorzuschlagen.

Außerdem darf uns nicht entgehen, dass die Demografie häufig ihren Fanatikern zum Opfer fällt, die dazu neigen, die Katastrophe herbeizureden, obwohl sie die Fakten gelassen interpretieren müssten. Jedoch könnte selbst der gelassenste Analytiker nicht ruhig in der Kenntnis schlafen, dass es auf dem südlichen Balkan in 2 – 3 Generationen sehr viel weniger und ältere Griechen geben wird, wenn sich der – wie offensichtliche – Geburtenrückgang und die Alterung der griechischen Bevölkerung fortsetzen wird.

Wenn die existierenden Tendenzen nicht umgekehrt werden, der Geburtenrückgang sich nicht erholt, der Abfluss griechischer Auswanderer nicht aufhört und Griechenland nicht eine – wie es im übrigen auch alle entwickelten Staaten Europas praktizieren – kontinuierliche mutige Verstärkung aus „neuem Blut“ hunderttausender Immigranten erhält, wird das Griechenland des Jahres 2050 nicht mehr als ein Schatten seiner selbst sein, gealtert und apathisch, ohne irgendeine substantielle Aussicht auf wirtschaftliches Wachstum.

Die Troika mag das Land in zwei bis drei Jahren verlassen, nachdem sie ihre Ziele erreicht haben wird, gleichzeitig die Wiegen leerend und die Särge füllend. Die katastrophalen Auswirkungen ihrer Politik werden jedoch etliche zukünftige Generationen auf sich zu nehmen haben. Könnten wir eine Stunde früher von ihrer Präsenz befreit werden, werden die zukünftigen Generationen uns sicherlich dankbar sein.

(Quelle: To Kouti tis Pandoras, Autor: Jorgos Stamkou)

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  1. MI-Cha
    18. August 2013, 19:18 | #1

    Kennen wir das nicht irgendwoher? Richtig wir haben das doch schon vor 20 Jahren so gemacht in Ostdeutschland. Hat gut funktioniert, jetzt ist Europa dran.

  2. V99 %
    19. August 2013, 14:10 | #2

    Wenn man sich die europaeische Geburtenstatistik der letzten Jahrzehnte ansieht, war Griechenland immer im Mittelfeld. Falls dann die „Zahl“ innerhalb von 3-4 Jahren um 0,11 zurueckgeht ist es ziemlich uebertrieben vom „aussterben“ zu sprechen, oder gar vom “Abstieg in die Hölle”! Auch sagen die „Todesfaelle“, die immer schwanken, nichts in dieser Richtung aus.
    Der Satz: „Auf der anderen Seite vermeiden alle, die sich im vermehrungsfähigen Alter befinden und in Griechenland verbleiben, wegen langfristiger Arbeitslosigkeit und fehlender Perspektiven die Ehe, die Schwängerung und die Übernahme familiärer Verpflichtungen“ ist sicherlich kein rein griechisches Phaenomen und auch nicht die „Troika“ als Alleinschuldiger zu sehen. Das passiert gerade in vielen EU-Laendern, die nicht von der Troika beglueckt wurden.
    Die Troika-Polemik dieses Artikels ist sehr offensichtlich. Was fehlt ist eine Einsicht, insoweit die Samaras-Regierung zu einem erheblichem Teil im eigenen Land „verschuldet“ wurde. Von der Verursachung dieser Krise mal ganz zu schweigen, der Hr.Karamanlis ist ja zusammen mit den deutschen U-Booten „abgetaucht“ …

  3. Realist
    19. August 2013, 20:38 | #3

    Griechenland wird zu einem Entwicklungsland. Da beißt die Maus keinen Faden ab!

  4. evro
    15. November 2013, 10:55 | #4

    erst mal hallo alle zusammen! ich persönlich muss sagen das ich mich mit polikit u.s.w. nicht befasse weil in der heutigen zeit bin ich der meinung das sowieso eine hand voll menschen die ganz welt regiert. zum erst ist mir bewusst das man erst an seine eigene nase fassen muss um dann über andere zu reden, und darum sage ich im voraus das griechenland also wir! fehler gemacht haben! aber was ich nicht verstehe und nicht begreifen kann ist warum ganz europa und vor allem deutschland es so an die grosse glocke hängt, wo doch alle länder dieser welt hoch verschildet sind und vor allem deutschland? warum ist das so warum wir? warum sagt keiner was gegen AMERIKA? oder warum sagt keiner was das deutschland wirtschaftlich so stark ist(was deutschland auch ist) aber ihr eigenen schuld troz dem nicht bezahlt die mittlerweile schon über 2 billion ist? ich möchte kein bloß stehl oder irgendwas was schlacht reden ehrlich! ich will nur damit sagen das am ende sowieso das volk bezahlt für die riesige gelt wäscherei was die politika verusachen! an gelt scheinen 200 miliarden umgerechnet auf dollar im um lauf und mittlerweile ist die einwohner zahl welt weit auf 7, 5 miliaden gestiegen. nun welt weit gibt es 10 milionen milionäre die 75% von den 200 miliarden in eigentum ist und die restlichen menschen teilen sich die 25%. gold und ander wert schätze davon abgesehen. verschwörungs Theorien? vergesst nicht wer am längeren hebel sitz mach die kommandos. also wir normalen bürge wie du und ich sitzen ganz bestimmt nicht am längeren hebel. mit freundlichen und respekt voll grüßen Pavlos Antoniadis

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