Griechenland kann jetzt pleite gehen

15. August 2013 / Aktualisiert: 07. Februar 2015 / Aufrufe: 2.789

Laut der Bloomberg-Kolumnistin Megan McArdle macht der primäre Haushaltsüberschuss es Griechenland möglich, fortan mit einem Staatsbankrott zu drohen.

Die Kolumnistin Megan McArdle vertritt in einem bei Bloomberg publizierten Artikel, Griechenland halte mit dem nach mehr als einem Jahrzehnt auftretenden primären Überschuss fortan eine starke Verhandlungskarte, nämlich die des Bankrotts in der Hand.

Wie die Autorin betont, öffnet der primäre Haushaltsüberschuss, den Griechenland nach vielen Jahren zu erzielen schaffte, den Weg für den Konkurs des Landes, obwohl sein Haushalt nach den Zahlungen für Sozialversicherung, Zinsen für die Verschuldung und die lokale Selbstverwaltung defizitär bleibt.

Griechenland hat eine Chance, es allein zu schaffen

Solange das Land sich Geld leihen musste um seine laufenden Betriebskosten zu finanzieren, war ein Bankrott praktisch unmöglich. In diesem Fall die Bezahlung der Gläubiger zu verweigern bedeutet einfach noch mehr Austerität, da man damit die einzige Geldquelle zum Versiegen bringt. Mit dem weiteren Anstieg der staatlichen Einnahmen als gegeben existiert jedoch zumindest eine Möglichkeit, dass Griechenland kurzfristig in der Lage sein wird, alleine besser über die Runden zu schaffen„, führt Megan McArdle charakteristisch an.

Angesichts der Unpopularität, welche die Austerität inzwischen auf sich zieht, und falls Deutschland sich nicht an den Verhandlungstisch setzt, würde ich in irgendeinem Augenblick in naher Zukunft erwarten, von einer Staatsinsolvenz zu hören – dieses Mal jedoch von Seite Griechenlands„, endet der Artikel.

(Quelle: Voria.gr, Bloomberg)

Relevante Beiträge:

  1. Volker
    15. August 2013, 14:24 | #1

    Auch ein primärer Haushaltsüberschuß würde einen einseitig erklärten Staatsbankrott seitens Griechenland nicht wahrscheinlich machen. Das Problem ist, das nach einem solchen Schritt die Wirtschaft sofort einbricht, da ausländische Investitionen fehlen. Ohne Aussicht auf Zuverlässigkeit und Stabilität investiert kaum einer in Griechenland. M.E. hatten die Finnen Recht: Kohle vom IWF/EU Partner nur gegen Pfandanleihen. GR könnte beispielsweise Ländereien, Inseln und Rechte auf Besteuerung verpfänden.

  2. Heinz
    15. August 2013, 14:59 | #2

    Soll doch keiner glauben, dass nach einem Konkurs – der ja Riesenverluste für Resteuropa bedeuten würde – der Fremdenverkehr noch florieren würde, es sei denn mit den Russen und vielleicht den Engländern. Dann aber „Gute Nacht“.Wenn es noch so etwas wie den hier so oft beschwörten griechischen Stolz – was immer das auch sei – gibt, dann geht an einer sauberen Erledigung der Krise nichts vorbei.

    PS: Spanien und Griechenland verkaufen mittlerweile wieder im großen Stil mehr Staatsanleihen als Deutschland. Heißt nichts Anderes als: Die Anleger haben wieder Vertrauen in diese Länder.

  3. GR-Block
    15. August 2013, 18:56 | #3

    Es ist interessant, welche Strategien sich für die griechische Regierung eröffnen, um als Verhandlungspartner ernst genommen zu werden. Interessant auch, dass gerade die amerikanische Seite diese Möglichkeit in die Diskussion wirft. Und das just nachdem Obama gegenüber Samaras offene Kritik an deren deutsche Kollegin äußerte. Griechische Lobbyisten vermeiden eher einen eigenen griechischen Weg, vermutlich weil ihre Karrieren zu starkt von westeuropäischen Interessen abhängen.
    Das wäre eigentlich der Moment für den Amerikaner Giorgos Papandreou. Aber, wer in GR will den schon? Seine Rehabilitation ist noch lange nicht abgeschlossen. Also mussten der Präsident persönlich und seine Bloomberg’schen Berater in die EU-Tagespolitik eingreifen und Samaras Empfehlungen für seine Strategie geben. Denn eins sollte er nicht übersehen. Seine Karriere hängt auch von Washington ab.
    Nimmt man das und die offene Kritik deutscher Regierungsberater von der Humbold-Universität zu Berlin an dem Merkel’schen (inzwischen) Alleingang in der EU, dann kann man nur zu einem Schluss kommen: Für die Herrschenden kann Angela Merkel jetzt pleite gehen.

  4. Rudi
    16. August 2013, 11:20 | #4

    @GR-Block
    So wie es aussieht, wird Schwarz/Gelb wieder die deutsche Bundestagswahl gewinnen. Aber selbst wenn es zu einer großen Koalition mit CDU/SPD käme, würde weitergewurschtelt wie bisher. Es gibt überhaupt kein Konzept für den Euro, geschweige denn irgendein Konzept um den internationalen Finanzmarkt zu regeln. Obamas Finanzpolitik ist keinen Deut besser. Die Karre wird global gegen die Wand gefahren. Im Grunde sind fast alle westlichen Staaten pleite. Das griechische Problem ist dabei das kleinste. Geld ist mittlerweile zum Selbstzweck geworden. Das ist das Problem. Ob in Afrika eine Tür zuklappt, oder Griechenland pleite geht, ist vor diesem Hintergrund gleich.

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